Ein 54-Jähriger ist am Sonntagmorgen in einer Zelle im Polizeirevier Nürtingen gestorben. (Symbolbild) Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Ein 54-Jähriger ist am Sonntagmorgen gegen 9 Uhr tot in einer Zelle des Polizeireviers Nürtingen aufgefunden worden. Er war am Abend zuvor zur Ausnüchterung eingeliefert worden. Noch um 7 Uhr habe der Mann gelebt.

Nürtingen - Ein 54-jähriger Mann ist am Sonntagmorgen in einer Gewahrsamszelle des Polizeireviers in Nürtingen gestorben. Wie die Stuttgarter Staatsanwaltschaft mitteilt, war der Mann am Abend zuvor dort eingeliefert worden, nachdem er gegen 21.15 Uhr in Wendlingen in stark betrunkenem Zustand auf der Straße liegend von Passanten entdeckt worden war. Der Rettungsdienst habe bei dem Mann keine Verletzungen oder gesundheitlichen Probleme festgestellt, die eine ärztliche Versorgung erforderlich gemacht hätten. Daraufhin sei er zur Ausnüchterung in Gewahrsam genommen worden. Noch um 7 Uhr sei der Mann am Sonntag schlafend und lebend in seiner Zelle angetroffen worden. Als er gegen 9 Uhr entlassen werden sollte, habe nur noch sein Tod festgestellt werden können. Woran der 54-Jährige gestorben ist, soll nun eine von der Staatsanwaltschaft angeordnete Obduktion ergeben.

Der Mann wurde zuvor untersucht

Auf den Polizeirevieren sei kein Arzt vor Ort, erklärt Andrea Kopp, eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Reutlingen. Allerdings sei der Mann zunächst von einem Arzt – wie vorgeschrieben – untersucht und als haft- beziehungsweise gewahrsamsfähig befunden worden. Die Zelle sei während der Nacht zum Sonntag regelmäßig überwacht worden, Auffälligkeiten hätten sich bei den Kontrollen nicht ergeben. Die Staatsanwaltschaft hat eigenem Bekunden nach ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet, welches die Ursache für den Tod des Mannes klären soll. Die Ermittlungen übernimmt laut Andrea Kopp die Kriminalpolizeidirektion in Esslingen.

Der Fall erinnert an zwei Todesfälle in der Zentralen Ausnüchterungseinheit (ZAE) im Gewahrsam der Stuttgarter Polizei. Dort waren Ende Januar zwei 48 und 51 Jahre alte Männer unabhängig voneinander an verschiedenen Tagen in den Zellen gestorben. Das hatte Fragen aufgeworfen, ob deren Tod nicht hätte verhindert werden können. Der 48-Jährige, der mit über drei Promille eingeliefert worden war, hatte ein subdurales Hämatom, eine versteckte Gehirnblutung. Der 51-Jährige starb an Herz-Kreislauf-Versagen nach Krampfanfällen wegen Entzugserscheinungen.

Ständige Überwachung

Die beiden Männer waren trotz ständiger Überwachung gestorben. Davor war seit fast 15 Jahren kein Todesfall in den Zellen der ZAE registriert worden. Die Alkoholambulanz der Polizei war im November 2001 im Gewahrsam des Polizeipräsidiums auf dem Pragsattel eröffnet worden, um bei medizinischen Komplikationen schnell helfen zu können. Zwischen 1986 und 2001 hatte es 19 Todesfälle in Polizeizellen gegeben – und die Polizei hatte bei der Politik Alarm geschlagen. Daraufhin war die ZAE ins Leben gerufen worden. In den 18 Jahren waren mehr als 30 000 Menschen in der Einrichtung. Insgesamt waren in dieser Zeit vier Todesfälle zu beklagen.

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