In seinem Leitbild will Nürtingen „grüne Stadt am Neckar“ sein. Foto: Pascal Thiel

Gegen die Baupläne am Nürtinger Neckar gibt es Widerstand, der in einen Bürgerentscheid münden könnte. Eine Voraussetzung dafür sind 3000 Unterschriften.

Nürtingen - Dieter Braunmüller ist jetzt zwar aus dem Nürtinger Gemeinderat ausgeschieden. Aus der Kommunalpolitik heraushalten wird sich der langjährige Chef der Fraktion Nürtinger Liste/Grüne aber nicht. In seiner Abschiedsrede kündigte Dieter Braunmüller die Gründung einer Bürgerinitiative gegen das geplante Hotel am Neckarufer an. Diese soll innerhalb von drei Monaten mindestens 3000 Unterschriften sammeln, um einen Bürgerentscheid in die Wege zu leiten.

Hotel-Kritiker wollen Neckarufer zugänglich halten

Der Reutlinger Hotelier Hans-Joachim Neveling will auf der linken Uferseite auf der Höhe der Fischtreppe ein Haus mit 82 Zimmern bauen. Geplant sind auch eine Terrasse zum Neckar hin und ein Biergarten in Nachbarschaft zur Freien Kunstakademie. An dem Vorhaben gibt es allerdings anhaltende Kritik im Gemeinderat und in der Bürgerschaft. Der Fluss würde zugebaut und die öffentliche Zugänglichkeit des Neckars – das sind die wichtigsten Bedenken gegen die Baupläne am Neckar. Auch die Architektur wird beanstandet, Kritiker warnen vor einer städtebaulichen Fehlentwicklung am Neckar.

Bereits am 14. November brachten Nürtinger Liste/Grüne, NT 14 und SPD einen fraktionsübergreifenden Antrag im Gemeinderat ein mit dem Ziel, die Hotelpläne zu stoppen und mit Blick auf die Gestaltung beider Neckarufer zunächst die Bürger zu befragen. Über diesen Teil des Antrags beriet das Gremium bisher allerdings nicht.

Für einen Bürgerentscheid sind 3000 Unterschriften nötig

Die Stadtverwaltung lehnte dies mit der Begründung ab, der Gemeinderat habe das Thema erst unlängst behandelt. Folglich greife eine durch die Gemeindeordnung festgelegte Sperrfrist von sechs Monaten. Im nichtöffentlichen Teil der Sitzung am 14. Dezember hatte eine Mehrheit des Gemeinderats entschieden, eine Fläche von rund 2300 Quadratmetern am Neckar an den Hotelinvestor zu verkaufen.

Dieter Braunmüller ist indessen zuversichtlich, die 3000 Unterschriften zusammenzubringen. Damit wäre das Quorum für einen Bürgerentscheid von 20 Prozent der Wahlberechtigten erfüllt. Schon einmal, vor fünf Jahren, waren in Nürtingen 3000 Unterschriften gegen ein Bauvorhaben gesammelt worden. Der Stein des Anstoßes damals war der geplante Wohnpark Wörth mit einer zweireihigen Bebauung auf der gegenüberliegenden Neckarseite.

Nürtingen soll „grüne Stadt am Neckar“ sein

Gegen dieses Vorhaben, mit dem noch nicht begonnen worden ist, zielt der zweite Teil des gemeinsamen Antrags von Nürtinger Liste/Grüne, NT 14 und SPD. Die Fraktionen sprechen sich für eine nur einreihige Bebauung aus und beziehen sich dabei auf ein Leitbild, das Nürtinger Bürger bereits im Prozess zu einem integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) formuliert haben. Demnach will ein hoher Prozentsatz der Beteiligten Nürtingen verstärkt als „grüne Stadt am Fluss“ begreifen.

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