Nürtingen Industriegeschichte neu erlebbar gemacht

Von Wolfgang Berger 

Nürtingen galt als „Stadt der guten Strickwaren“. Die Industriegeschichte wird künftig  ansprechender präsentiert. Foto: Ines Rudel
Nürtingen galt als „Stadt der guten Strickwaren“. Die Industriegeschichte wird künftig ansprechender präsentiert. Foto: Ines Rudel

Das Stadtmuseum modernisiert eine komplette Abteilung. Für die Dauer der Arbeiten bleibt die Einrichtung vom 26. Februar bis zum 17. Mai geschlossen. Zur Wiedereröffnung wartet das Museum mit der neuen Sonderausstellung „Bilderbogen“ auf.

Nürtingen - Mit „sparsamsten Mitteln“, sagt die Leiterin des Nürtinger Stadtmuseums, Angela Wagner-Gnan, wurde in den Jahren 1994 und 1995 die Abteilung Industriegeschichte eingerichtet. Mehrere Anläufe, die industriegeschichtliche Abteilung neu zu gestalten, scheiterten bisher immer an der Finanzierung. Doch jetzt wird es ernst mit der Modernisierung.

Textilindustrie bringt den Wohlstand nach Nürtingen

Wenn am 25. Februar die aktuelle Familienausstellung „Ötzi – der Mann aus dem Eis“ zu Ende geht, beginnt der Umbau. Das Stadtmuseum schließt dann für rund drei Monate. In der Zeit wird das Konzept von Museo Consult umgesetzt. Das Konzept von Ursula Dworák, der Leiterin des Stuttgarter Büros, hat im Wesentlichen drei Bausteine. Zum einen soll es verschiedene Werkbänke als funktionale Ausstellungselemente geben, die das gesamte Spektrum der Nürtinger Handwerks- und Industriegeschichte abbilden.

Entlang der Wände wird die Sozialgeschichte präsentiert mit Informationen zu den Lebensumständen von Arbeitern, Frauen und Kindern. Auch die Unternehmer spielen hier eine wichtige Rolle, beispielsweise deren Einfluss auf die Entwicklung des kulturellen Lebens in der Stadt. Der dritte Baustein im Konzept sind Mitmach-Angebote an den Werkbänken für Kinder und Erwachsene. Außerdem soll der Film „Textilstadt Nürtingen“ auf einem Monitor zu sehen sein.

Industrie 4.0 ist ebenfalls ein Thema

Die Werkbänke sollen den Wandel vom Handwerk zur Industrie veranschaulichen. Prägend war hier wie in anderen Städten im Mittleren Neckarraum auch der Aufstieg der Textilindustrie. Die Herstellung von Garnen und Stoffen geriet jedoch in die Krise, dafür sorgte die Metallindustrie mit Firmen wie Metabo und Heller für Lohn und Brot. Das Stadtmuseum schaut unter dem Stichwort Industrie 4.0 auch nach vorn und spannt so den Bogen vom 19. über das 20. Jahrhundert bis in die Zukunft.

Zwar kann das Museum für die Modernisierung finanziell immer noch nicht aus dem Vollen schöpfen. Doch stehen der Einrichtung für das Projekt aus dem eigenen Etat 15 000 Euro zur Verfügung. Dieselbe Summe steuert der Förderverein Stadtmuseum Nürtingen bei. Auf dieser Basis von 30 000 Euro will die Museumsleitung zusätzlich noch Sponsorengelder aus der lokalen Industrie einwerben.

Ötzi-Ausstellung stößt auf große Resonanz

Für den 18. Mai ist dann die Wiedereröffnung des Museums geplant. Dann wird sich nicht nur die Abteilung Industriegeschichte in einem neuen Kleid präsentieren. Gleichzeitig wird auch die neue Sonderausstellung „Bilderbogen“ eröffnet. Gezeigt werden Gemälde und Zeichnungen aus dem 19. und 20. Jahrhundert, darunter Stadt- und Teilansichten von Nürtingen, wobei nicht der künstlerische Wert, sondern der dokumentarische Aspekt im Vordergrund stehen wird.

Mit der Resonanz auf die aktuelle Ötzi-Ausstellung ist Angela Wagner-Gnan „sehr zufrieden“. Mehr als 5000 Besucher hat das Museum bisher gezählt. Dessen Leiterin rechnet damit, dass sich die Zahl bis zum Ende zwischen 6000 und 7000 einpendelt. Zu sehen sind aufwendige Reproduktionen der Mumie sowie der Gegenstände, die der Mann aus der Jungsteinzeit bei seinem Tod bei sich hatte. Für Kinder gibt es einen „Steinzeit-Abenteuer-Wald“ in einem Extra-Raum. Hier können auf Anmeldung auch Kindergeburtstage gefeiert werden.

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