Der Kreisel hat kaum eine Bremswirkung. Wer es darauf anlegt, kann ihn praktisch in gerader Linie durchqueren. Foto: Horst Rudel

Der Kreisverkehr an der Kreuzung Carl-Benz-/Max-Eyth-Straße ist ein Unfallschwerpunkt in Nürtingen. 42 mal hat es dort bereits gekracht. Die Verkehrskommission empfiehlt dringend einen Umbau.

Nürtingen - Seit der Kreisverkehr an der Kreuzung Carl-Benz-/Max-Eyth-Straße Ende 2013 in Betrieb genommen worden ist, hat es dort 42 mal gescheppert. So viele Unfälle hat die Polizei zumindest aufgenommen. Wegen dieser Häufung ist die Stelle der größte Unfallschwerpunkt im Nürtinger Stadtgebiet. Deshalb empfehlen sowohl die Verkehrsschau als auch die Unfallkommission und der städtische Verkehrsplaner einen Umbau des Kreisels.

Der Kreisverkehr hat kaum eine bremsende Wirkung

Um ihn zu entschärfen, soll der Durchmesser des vor fünf Jahren zunächst als Provisorium mit 30 Metern angelegten Kreisverkehrs jetzt auf mindestens 32 Meter erweitert werden. Denn die bauliche Gestaltung lässt es bisher zu, so der Sprechers des Polizeipräsidiums Reutlingen, Christian Wörner, „den Kreisverkehr ohne nennenswerte Lenkbewegungen zu überqueren“. Sprich: der Durchmesser ist so gering, dass Auto- und Lastwagenfahrer praktisch geradeaus brettern können ohne abzubremsen. „Nur ein flüchtiger Blick nach links führt dann dazu, dass die Silhouette, insbesondere auch von Zweiradfahrern, übersehen wird und es dadurch zu Unfällen kommt“, schildert Christian Wörner die gravierenden Folgen.

Bei 18 dieser Unfälle waren schon Verletzte zu beklagen. Damit es nicht zu weiteren Schäden kommt, plädiert die Verkehrsunfallkommission, in der die Polizei, die Straßenverkehrsbehörde und der Straßenbaulastträger zusammenarbeiten, einen Umbau des Kreisels. Allerdings tut sich die Stadt Nürtingen damit schwer – aus finanziellen Gründen. Zwar hatte der Bauausschuss vor rund drei Wochen der Baumaßnahme schon zugestimmt. Doch kassierte jetzt der Gemeinderat mit knapper Mehrheit diesen Beschluss wieder.

Die Preise in der Baubranche sind kräftig gestiegen

Das Gremium konnte sich nicht durchringen, die für den geplanten Umbau voraussichtlich notwendigen 810 000 Euro freizugeben. Bei der ursprünglichen Kostenschätzung vor fünf Jahren waren die Planer noch von 440 000 Euro ausgegangen. Ein Grund für die Verteuerung sind laut dem städtischen Verkehrsplaner Peter Scharf die allgemeinen Preissteigerungen im Baugewerbe. Hinzu kommt, dass der Kreisverkehrauf einer Schwerlaststrecke liegt. Wie sich herausgestellt habe, müsse daher der Untergrund aufwendiger gebaut werden als zunächst angenommen.

Mit dieser Kostenexplosion wollte sich eine Mehrheit im Gemeinderat allerdings nicht einfach abfinden. Jürgen Geißler (Liberale) beispielsweise wies auf den Kreisverkehr in der Rümelinstraße hin, der eine ähnliche Geometrie habe wie der Kreisel an der Carl-Benz-/Max-Eyth-Straße. In der Rümelinstraße, wo die Berufsschüler in den Pausen den Zebrastreifen am Kreisverkehr zum Gang in einen nahen Lebensmittelmarkt nutzen, sei keine Häufung von Unfällen zu beobachten. Allerdings liegt dieser Bereich auch in einer 30er-Zone.

Tempolimit als Alternative im Gespräch

Der Oberbürgermeister Otmar Heirich (SPD) ist deshalb dafür, die Möglichkeit einer Geschwindigkeitsbegrenzung auch an der Carl-Benz-/Max-Eyth-Straße zu prüfen. Laut der Polizei gibt es noch weitere Sorgenkinder im Kreis: in Altbach der Kreisverkehr Esslinger Straße/Neckarbrücke, in Oberboihingen der Kreisverkehr Nürtinger Straße/Stattmannstraße, in Denkendorf der Kreisverkehr Esslinger Straße/Rechbergstraße, in Filderstadt-Bernhausen die beiden Kreisverkehr Schemeler-, Echterdinger Straße/Felix-Wankel-Straße und Tübinger Straße/Selby-Circle und in Leinfelden-Echterdingen der Kreisverkehr Stuttgarter Straße/Schönbuchstraße/Musberber Straße.

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