In Nürtingen haben sich zwei Hochschulen zusammengetan. Foto: Pascal Thiel

Die Hochschule für Kunsttherapie ist jetzt offiziell in die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt integriert. Der Vertrag ist am Montag von der Wissenschaftsministerin unterzeichnet worden.

Nürtingen - Das ist die Krönung unserer jahrzehntelangen Arbeit.“ Vor 40 Jahren hat Jürgen Thies, der heutige Vorsitzende des Rats der Stiftung für Kunst und Kunsttherapie, die Freie Kunstakademie in Nürtingen mitbegründet. Elf Jahre später ist die daraus hervorgegangene Hochschule für Kunsttherapie (HKT) staatlich anerkannt worden. Am Montag nun ist die Wissenschaftsministerin Theresia Bauer nach Nürtingen gekommen und hat einen Vertrag unterzeichnet, der die Integration der HKT in die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) besiegelt.

Bereits im Oktober hatte der Ministerpräsident Winfried Kretschmann den Zusammenschluss der bisher eigenständigen privaten Hochschule für Kunsttherapie mit der HfWU verkündet. Allerdings mussten zunächst noch etliche rechtliche und organisatorische Hürden genommen werden, ehe die Integration nun endgültig zum ersten Tag des Sommersemesters 2016 perfekt war. Zuletzt hatte der Landesbetrieb Vermögen und Bau noch für hektische Aktivitäten in Nürtingen gesorgt: Weil zwei bisher von der HKT für Ausbildungszwecke genutzte Gebäude in der Metzinger Straße und in der Laiblingsstegstraße nicht mehr den Brandschutzvorgaben entsprechen, hat die HKT die Mietverträge für sie kurzfristig zum 1. März kündigen müssen.

260 zusätzliche Studenten

Auf der Straße stehen die Kunsttherapie-Studenten deshalb nicht. Sämtliche Fakultäten, erzählte der Rektor der HfWU, Andreas Frey, hätten spontan Räume zur Verfügung gestellt, damit man den rund 260 neuen Mitstudenten Ateliers und Arbeitsräume zur Verfügung stellen könne. Diese mit heißer Nadel gestrickte Übergangslösung soll im nun laufenden Sommersemester tragen. Danach sei man auf der Suche nach Ersatzstandorten im Stadtgebiet. Langfristig, so formulierte Frey den Wunsch der Hochschule, sei aber ein Neubau im Gebiet Braike die beste Lösung.

Denn die bisherige HKT werde mit ihrem Bachelor- und Masterstudiengang Kunsttherapie und ihrem Bachelor-Studiengang Theatertherapie in die Fakultät Landschaftsarchitektur, Umwelt und Stadtplanung der HfWU eingegliedert. Diese werde im Rahmen der Nürtinger Hochschulneubauten am Standort Braike konzentriert. Ein auch räumlicher Zusammenschluss sei alleine deshalb wünschenswert, weil man schon gemeinsam viele Pläne und Projekte ins Auge gefasst habe. So sollen gemeinsam Lebensräume für demenziell erkrankte Menschen erforscht, therapeutische Gärten und Kunsterlebnisräume geschaffen werden.

Keine konkrete Zusage der Ministerin

Theresia Bauer wollte zu den Neubauwünschen nicht konkret Stellung beziehen. Dafür sei ihr Ministerium nicht zuständig, zudem gebe es gerade bei Hochschulbauten in Baden-Württemberg momentan einen großen Investitionsstau. Man werde sich von Landesseite aber natürlich darum bemühen, den Zusammenschluss auch weiterhin konstruktiv zu begleiten. Der Fusion ist kein einziger Arbeitsplatz zum Opfer gefallen. Mehr noch: das Ministerium hat sogar zwei zusätzliche Professorenstellen bewilligt, weil mittlerweile zehn Professoren vorgeschrieben sind, will ein Institut einen Masterstudiengang anbieten. Die HKT hatte aber nur acht Professoren. Auch die HKT-Studenten profitieren von dem Zusammenschluss: Sie müssen nun keine Studiengebühren mehr bezahlen.

Aber nicht nur deshalb lobte Theresia Bauer die Integration: „Neben der Sicherung der wertvollen akkademischen Ausbildung von Kunsttherapeuten kann auch die HfWU durch diesen Zusammenschluss gewinnen und zu einer Modellhochschule für nachhaltige Entwicklung werden.“ Andreas Frey fügte hinzu: „Ökologie und Ökonomie sind bei uns bereits stark verankert. Nun kommt mit den therapeutischen Studiengängen noch eine soziale Dimension dazu. Damit stärken wir unser Profil.“

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