Schüler tummeln sich im Hof des Nürtinger Max-Planck-Gymnasiums. Foto: Horst Rudel

Am Hölderlin-Gymnasium und am Max Plaanck-Gymnasium in Nürtingen sind die Pädagogen seit längerem am Anschlag. Nun werden ihre Stellen aufgestockt.

Nürtingen - Vor zwei Jahren hatte der Nürtinger Kulturausschuss schon einmal den vom Hölderlin- (Högy) und vom Max-Planck-Gymnasium (MPG) beantragten Ausbau der Schulsozialarbeit befürwortet. Doch dann kassierte der Gemeinderat bei den Haushaltsberatungen die Empfehlung des Ausschusses wieder. Der Grund war Geldmangel. Bei den diesjährigen Beratungen hat sich dieser Vorgang nicht wiederholt. Weil die Stadt finanziell wieder besser da steht, ist der Rat nun dem neuerlichen Votum des Ausschusses gefolgt. Beide Gymnasien bekommen jeweils eine halbe Stelle hinzu. Zudem schafft die Stadt eine Schulsozialarbeiterstelle für Flüchtlingskinder. Die dreiviertel Stelle ist auf zwei Jahre befristet.

Schüler werden in WhatsApp-Gruppen gemobbt

Wie notwendig der Ausbau der Schulsozialarbeit ist, schilderte Gerhard Kolb, der stellvertretende Schulleiter am mehr als 1000 Schüler zählenden Högy, den Stadträten. Zwei Pädagogen mit einem Stellenumfang von 125 Prozent sind bei Problemen zur Stelle. „Die Schulsozialarbeiter sind absolut an der Belastungsgrenze angekommen“, warnte Gerhard Kolb. „Die Überstunden häufen sich.“ Zunehmend fragten Schüler in Notlagen um Hilfe, da familiäre Bindungen immer brüchiger würden, Verunglimpfungen in sozialen Netzwerken häufiger würden und Leistungsabfälle in der Schule aufgrund von psychischen Problemen keine Seltenheit seien.

Weil sie sich um Mobbing-Opfer in WhatsApp-Gruppen kümmern müssten, hätten die Schulsozialarbeiter kaum noch Zeit für offene Angebote. „Mit Schülern auf dem Pausenhof beim Spielen einfach mal ins Gespräch zu kommen, dafür bleibt kaum noch Zeit“, sagte Kolb. „Die Einzelbetreuung hat stark zugenommen“, bestätigt die MPG-Schulleiterin Petra Notz.

Stadträte wollen Entscheidung nicht weiter vertagen

Laut dem Stadtrat Arnulf Dümmel (Liberale) gibt es keine Alternative zum Ausbau der Schulsozialarbeit. „Hier handelt es sich um eine Pflichtaufgabe der Stadt“, sagte er. Die Fraktionsvorsitzende der SPD, Bärbel-Kehl Maurer, sieht ebenfalls keinen Spielraum für einen Aufschub. „Wir können die Anträge der Schulen nicht ewig zurückstellen“, betonte sie. Kommt die Stadt wie zu erwarten in den Genuss einer Förderung durch das Land und den Landkreis, kostet sie die Aufstockung gesamt rund 17 000 Euro pro Jahr.

Weitere 13 000 Euro jährlich fallen für die ebenfalls beschlossene dreiviertel Stelle für Flüchtlingskinder an. Inzwischen werden an allen Nürtinger Schulen Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrung unterrichtet. Kulturelle Unterschiede, Sprachbarrieren, Vorurteile – die Herausforderungen sind groß. Seit Juni absolviert ein anerkannter syrischer Flüchtling ein Praktikum in der Nürtinger Schulsozialarbeit. Er kümmert sich um Schüler und ist auch Bindeglied zu deren Eltern.

Ein syrischer Flüchtling bewährt sich als Praktikant

„Die Erfahrungen werden seitens der Schulleitungen und den Kollegen der Schulsozialarbeit sehr positiv bewertet. Er erreicht vor allem arabisch sprechende Eltern, vermittelt zwischen den Kulturen, den unterschiedlichen Bildungssystemen sowie zwischen Schule und Elternhaus“, berichtete Annette Bürkner, die Leiterin des Amts für Bildung, Soziales und Familie im Nürtinger Rathaus. Die im Rahmen des Pakts für Integration geförderte Stelle ist zunächst auf zwei Jahre befristet.

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