An diesem Baukörper für ein Hotel und an seinem Abstand zum Neckar scheiden sich in Nürtingen die Geister. Foto: Büro Sebrle

Eine Mediation im Nürtinger Hotelstreit kann den Konflikt entschärfen. Eine Erfolgsgarantie für einen Kompromiss gibt es aber nicht.

Nürtingen - Die Bürgerinitiative (BI) „Nürtingen am Neckar“ hat dem Oberbürgermeister und einer Mehrheit im Gemeinderat mit 3600 Unterschriften „die Instrumente“ gezeigt. Dies hat gereicht, um die Hotelbefürworter zum Einlenken zu bewegen. Diese wussten, dass ein erfolgreicher Bürgerentscheid einem Verkauf und damit einer Bebauung der Flächen für die Dauer von drei Jahren einen Riegel vorgeschoben hätte. Damit hat die Bürgerinitiative einen Etappensieg erzielt.

Dass es nun – freilich nur auf massiven Druck von Bürgern hin – einen Mediationsprozess geben soll, ist grundsätzlich ein positives Signal. Ein Runder Tisch zur Gestaltung des Neckarufers birgt die Chance für eine Belebung des Areals. Das ist im Interesse der ganzen Stadt. Eine Erfolgsgarantie beinhaltet die Planungswerkstatt aber nicht. Was ein Konzept für die Freiflächen angeht, dürfte ein Konsens wohl relativ leicht zu erzielen sein.

Der Knackpunkt hingegen ist das vom Gemeinderat mehrheitlich gesetzte Hotel. Gegen dieses Vorhaben richtet sich das Bürgerbegehren der BI. Unter dem Slogan „Keine Bausünde am Neckar“ ist die BI angetreten, „den Bau eines überdimensionierten Hotels zu verhindern“. Als Maßstab für eine Bebauung orientiert sich die BI an dem Baufenster, das der Siegerentwurf des Ideenwettbewerbs „Westlicher Neckar“ vor drei Jahren vorgegeben hat. Allzu weit wird sie von ihrer Position nicht abrücken können, ohne ihre Unterstützer vor den Kopf zu stoßen. An dieser Frage wird sich letztlich entscheiden, ob ein Kompromiss gelingt oder nicht. Das Tauziehen um das Neckarufer geht weiter – möglicherweise deutlich länger als vier Wochen.

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