Im Bereich der Autmut und des Beutwangsees haben die Biber ihr Revier. Nach circa zwei Jahren müssen sich Jungtiere auf die Suche nach einem neuen Platz machen. Foto: Roland Appl

Erstmals seit der Rückkehr der Tiere im Kreis Esslingen lebt nun am Beutwangsee bei Nürtingen gleich eine ganze Biber-Familie. Angler haben die Neuankömmlinge als Erste gesehen.

Nürtingen - Manchmal übertreiben Angler, wenn sie die Größe eines gefangenen Fisches beschreiben. Anglerlatein ist wohl auch die Zahl von circa zehn Bibern, die Mitglieder des Anglervereins Petri Heil am Beutwangsee beim Nürtinger Teilort Neckarhausen gesichtet haben wollen. „Ich gehe davon aus, dass das Biber-Paar zwei bis maximal drei Junge bekommen hat“, sagt der Umweltbeauftragte der Stadt Nürtingen, Jochen Hildenbrand.

Nabu-Mitglied gelingt ein Schnappschuss

Ob es nun fünf oder zehn Biber sind, die den landschaftlich reizvoll gelegenen ehemaligen Baggersee als neuen Lebensraum in Besitz genommen haben, ist für den Umweltbeauftragten nicht so wichtig. Entscheidend ist für ihn, dass sich der Biber überhaupt hier niedergelassen hat. Jochen Hildenbrand freut sich umso mehr, als er mit der Ankunft des Nagers schon seit längerem gerechnet hat. „Ich warte schon lange auf ihn. Das hier ist für mich Bibererwartungsland“, sagt der Naturschützer in städtischen Diensten.

Von einem Familienmitglied der Biber am Beutwangsee gibt es sogar schon einen Schnappschuss. Gelungen ist er Roland Appl von der Nabu-Gruppe Nürtingen und Umgebung. Die Säugetiere sind nachtaktiv und gelten als recht scheu. Doch habe sich der abgelichtete Biber am Beutwangsee beim Aufeinandertreffen von Mensch und Tier nicht groß stören lassen, berichtet Roland Appl. Auch wenn sich Biber rar machen – angenagte Bäume sind für Experten ein untrügliches Zeichen für seine Anwesenheit. In den vergangenen Monaten hätten sich die Nagespuren rund um den See vervielfacht, sagt Jochen Hildenbrand. „Da wird heftig genagt“, so der Nürtinger Umweltbeauftragte. Wirkliche Schäden seien bisher aber nicht entstanden. Bis 1977 war der Beutwangsee ein Baggersee. Bis vor elf Jahren konnte man in ihm noch baden. Aufgrund der geringen Wassertiefe wurde das Wasser jedoch stark belastet, und es wurde ein Badeverbot erlassen.

Der ehemalige Baggersee ist ein beliebtes Ausflugsziel

Entlang des rund fünf Hektar großen Gewässers, das heute ein beliebtes Ausflugsziel mit Grillstelle und Minigolfanlage ist, verläuft der Neckartalradweg. Entlang des Wegs hat die Stadt wegen der Verkehrssicherungspflicht manche Bäume mit Drahtmanschetten versehen. Sie verhindern, dass Biber die Bäume annagen und Radler gefährdet werden. Für Sascha Richter, den Wildtierbeauftragten des Landkreises Esslingen, ist das Vorkommen einer ganzen Biber-Familie kreisweit ebenfalls ein Novum. „Mir ist keine zweite Familie bekannt“, sagt er.

Vor zehn Jahren gab es hier noch keine Biber. Zwar seien sie inzwischen auf dem Vormarsch. Gleichwohl sei die Population noch überschaubar. Auf rund ein Dutzend Tiere schätzt der Wildtierbeauftragte die Zahl der Biber im Landkreis. Wo genau deren Lebensräume sich befinden, gibt Sascha Richter nicht so gerne preis. Biber sind streng geschützt, und er möchte vermeiden, dass sich Menschen gezielt auf die Suche nach ihnen begeben.

Mensch und Tier kommen sich bisher nicht in die Quere

In Konflikt geraten sind Mensch und Biber im Kreis Esslingen laut Sascha Richter bisher nicht. Landwirtschaftlich genutzte Flächen seien hier zu weit von Biber-Refugien entfernt, als dass die Tiere beispielsweise Felder unterhöhlen könnten. Aus Mecklenburg-Vorpommern etwa sind solche Probleme schon bekannt geworden.

Ob sich die Biber-Familie am Beutwangsee etabliert, muss sich zeigen. Nach circa zwei Jahren werden Jungtiere von Biber-Eltern vertrieben. Sie müssen sich dann eine neue Heimat suchen – eventuell in Nürtingen. „Ich gehe davon aus, dass wir hier noch mehr Biberreviere bekommen, vielleicht sogar am Neckar“, sagt Jochen Hildenbrand. Und wer weiß – vielleicht zeugen die Biber am Beutwangsee ja gleich frischen Nachwuchs.

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