Das Türschild im Nürtinger Krankenhaus ist schon angebracht. Die neue Klinik geht zum Jahreswechsel an den Start. Christoph Lutz leitet die Klinik für Gefäßchirurgie. Foto: Medius-Klinik

Zum Jahreswechsel geht in Nürtingen die neue Klinik für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin an den Start. Der Landkreis, der Träger der Medius-Kliniken, schließt damit eine Versorgungslücke.

Nürtingen - Die Medius-Kliniken im Landkreis Esslingen erweitern ihr Leistungsspektrum. Am Standort Nürtingen wird der vom Landkreis Esslingen getragene Verbund eine Klinik für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin einrichten. Der Chefarzt steht schon fest: Der 52 Jahre alte Christoph Lutz, zuletzt leitender Oberarzt der Rems-Murr-Kliniken in Winnenden (Rems-Murr-Kreis), wechselt an die Medius-Kliniken.

Der erfahrene Facharzt für Gefäßchirurgie und Herzchirurgie ist mit dem Aufbau neuer Strukturen vertraut. Auch bei seinem vorherigen Arbeitgeber war er maßgeblich an der Einrichtung einer gefäßchirurgischen Abteilung beteiligt. In dem Krankenhaus auf dem Nürtinger Säer kann Lutz seine Expertise von Beginn an einbringen. Zwar wird die neue Klinik schon zum Jahreswechsel an den Start gehen, auf den maßgeschneiderten Operationssaal müssen der neue Chefarzt und seine Mannschaft aber noch ein paar Monate warten. Nachdem der Esslinger Kreistag in seiner jüngsten Sitzung der Erweiterung des Nürtinger Krankenhauses zugestimmt hat, ist auch der Weg geebnet für den Bau zweier neuer Operationssäle. Ein Baubeginn noch im Frühjahr vorausgesetzt, könnte der neue Operationssaal im vierten Quartal 2020 einsatzfähig sein. Zudem bekommt das Nürtinger Krankenhaus einen Anbau mit 72 Betten. Die Kliniken wollen die 31 Millionen Euro teure Investition aus eigener Kraft stemmen.

Operationssaal auf den neuesten Stand

In dem technisch dann auf dem neuesten Stand stehenden Hybrid-Operationssaal werden die modernsten Diagnostik- und Therapieverfahren zur Verfügung stehen. Einer Pressemitteilung der Medius-Kliniken zufolge ermöglicht der Operationssaal auch die Therapie von komplexen Hauptschlagadererkrankungen durch maßgefertigte Stentgrafts. Das sind Stents, Implantate zum Offenhalten von Gefäßen, versehen mit einer blutdichten Hülle.

Christoph Lutz hat in Tübingen Medizin studiert und promoviert. Er verfügt über eine Zusatzausbildung als endovaskulärer Chirurg. Er hat die Weiterbildung für Intensivmedizin, besitzt den Fachkundenachweis für Strahlenschutz auf den Gebieten Gefäßsystem für Erwachsene und Interventionen sowie die Fachkunde Notfalldiagnostik, Röntgendiagnostik des Thorax und Rettungsdienst.

Der neue Chefarzt hat vor seiner leitenden Funktion am Rems-Murr-Klinikum Winnenden unter anderem mehr als 14 Jahre an den Universitätskliniken Freiburg und Würzburg gearbeitet.

Versorgungslücke wird geschlossen

„Mit der Klinik für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin schließen wir eine Versorgungslücke im Landkreis“, sagt der Esslinger Landrat Heinz Eininger, der kraft Amtes auch Aufsichtsratsvorsitzender der kreiseigenen Kliniken ist. Bisher hätten die Kreiskliniken nur sehr wenige dieser Leistungen erbracht, obwohl die gefäßchirurgischen Erkrankungen in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hätten und aufgrund der demografischen Entwicklung noch weiter zunehmen werden.

Unter Hinweis auf die anderen Fachabteilungen, die am Standort Nürtingen vorgehalten werden, ergänzt der Geschäftsführer der Medius-Kliniken, Thomas Kräh: „Viele Menschen mit Gefäßerkrankungen weisen oft noch andere, in Zusammenhang stehende Krankheitsbilder auf. Diese Patienten können bei uns gleich fachspezifisch weiterbehandelt werden.“

Klinikverbund schreibt seit sechs Jahren schwarze Zahlen

Die Medius-Kliniken betreiben am Standort Nürtingen aktuell neun Kliniken. Gegen den bundesweiten Trend hat der kreiseigene Krankenhausverbund in den vergangenen sechs Jahren schwarze Zahlen geschrieben. Seit dem Jahr 2013 ist die Zahl der an den Standorten Kirchheim, Ostfildern und Nürtingen stationär behandelten Patienten um 20 Prozent auf derzeit mehr als 46 000 gestiegen. Die Umsatzerlöse sind im gleichen Zeitraum um mehr als 32 Prozent gewachsen.

Der Klinikverbund verfügt über rund 1120 Betten und beschäftigt mehr als 3000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die nach wie vor in kommunaler Trägerschaft geführten Medius-Kliniken haben 2018 bei Aufwendungen in Höhe von 291 Millionen Euro einen Ertrag in Höhe von 301 Millionen Euro erwirtschaftet und das Geschäftsjahr mit einem Gewinn von 9,9 Millionen Euro abgeschlossen.

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