Von Konrad Adenauer bis Queen Elizabeth: Guido Mangolds Fotos sind legendär. In der Nürtinger Kreuzkirche zeigt er neben Porträts auch Landschaftsfotos aus dem Landkreis Esslingen.
Als Fotograf und Fotojournalist ist Guido Mangold eine Legende. Viele seiner weltberühmten Fotos haben sich ins kollektive Bildgedächtnis eingeschrieben: Der letzte Blickwechsel von John F. Kennedy und Konrad Adenauer auf dem Berliner Flughafen Tegel im Sommer 1963, der sich den Schweiß von der Stirn wischende Trompeter Louis Armstrong oder die blutjunge englische Königin Elizabeth bei ihrem ersten Staatsbesuch in Deutschland 1965, als sich Mangold im geliehenen Frack zu den Feierlichkeiten schmuggelte.
Guido Mangold hat mit seiner Kamera nicht nur wichtige Momente der Zeitgeschichte festgehalten, Ikonen des 20. Jahrhunderts porträtiert und großartige Reisereportagen rund um den Globus geschaffen, er hat auch über ein Vierteljahrhundert hinweg immer wieder im Landkreis Esslingen fotografiert. Eine überaus reizvolle Retrospektive seiner Arbeiten ist jetzt in der Nürtinger Kreuzkirche zu sehen.
Guido Mangolds Verbindung zum Landkreis Esslingen
Der Blick vom Turm der Sankt-Laurentius-Kirche senkrecht hinunter auf die frisch verschneite Innenstadt zeigt feinsäuberliche Spuren eines beim Schneefegen rhythmisch geschwungenen Besens. Dieses Foto entstand beim allerersten Besuch von Guido Mangold in Nürtingen. „Mehr als 25 Jahre lang war ich immer wieder im Auftrag der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen unterwegs“, erzählte der heute 92-Jährige im lebendigen Gespräch mit dem Kunstwissenschaftler Tobias Wall bei der Ausstellungseröffnung.
„Da gab’s nicht mal ein Grüßgott. Aber das Bild stimmt.“
Guido Mangold über ein Fototermin mit Ludwig Erhard
Der Maler, Designer und Fotokünstler Anton Stankowski hatte Mangold dem Geldinstitut als Fotograf für Kalender, Jahresberichte und andere Veröffentlichungen empfohlen. Mangold habe diesen Auftrag erst angenommen, nachdem er sich ausgiebig umgeschaut hatte: „Als ich erfahren hatte, dass die Burg Hohenneuffen im 12. Jahrhundert von einem Mangold erbaut wurde, und als beim Mittagessen am Nebentisch breitestes Schwäbisch gesprochen wurde – da habe ich unterschrieben.“ Diesen Aufträgen verdanke er ein Stückweit seine Rüstigkeit bis ins hohe Alter, schmunzelte er: „Weil hier im Landkreis viele Wege für Autos gesperrt sind, bin ich zum Wanderer geworden. Ich war für Fotos oft drei, vier oder sogar fünf Stunden zu Fuß unterwegs.“
Pointiert und mit knitzem Humor erinnerte sich der vielfach ausgezeichnete Fotograf an die Entstehung einzelner Aufnahmen, die nun in Nürtingen zu sehen sind: Wie er für das Porträt der streng dreinblickenden Schriftstellerin Annette Kolb nach Paris trampte und sie über einen Buchhändler aufstöberte, der ihm den guten Rat mitgab: „Seien Sie pünktlich und reden Sie die Dame mit ‚Fräulein‘ an.“ Nach exakt zwölf Aufnahmen wurde er energisch von ihr verabschiedet: „Monsieur, ich glaube, es reicht.“ 1964 sei Bundeskanzler Ludwig Erhard in Bonn stinksauer zum Fototermin erschienen: „Er hatte nach einer Haushaltsdebatte im Bundestag schlechte Laune. Da gab’s nicht mal ein Grüßgott. Aber das Bild stimmt.“ Kurz darauf nahm Mangold die damals noch völlig unbekannte Uschi Obermaier als Modell mit auf eine Fotoreise nach Kamerun. „Sie wollte Elefanten und Tiger sehen. Heute ist sie 80 Jahre alt, und wir sehen uns morgen um zwölf Uhr in München“, erzählte er verschmitzt vom geplanten Treffen mit dem einstigen Sex-Symbol und Cover-Girl.
In der Ausstellung, die bei freiem Eintritt bis zum 29. März im Dachgeschoss der Nürtinger Kreuzkirche am Schillerplatz täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen ist, werden auch die berührenden Schwarz-Weiß-Aufnahmen vom aufopfernden Einsatz pflegender Ordensschwestern im Krankenhaus in Mangolds Geburtsstadt Ravensburg gezeigt. Mit dem Einreichen dieser Fotos bei einer Zeitschrift begann seine Fotografenkarriere, die ihn in die ganze Welt führte.