Die Motorsport-Fans hatten nicht damit gerechnet, in naher Zukunft einen Grand Prix in Deutschland zu erleben – Geschäftsführer Mirco Markfort hat die Serie überraschend an den Nürburgring gelotst und erklärt, wie.
Nürburgring - Unverhofft kommt oft. Die Formel 1 kehrt nach sieben Jahren Pause an den Nürburgring zurück, was zu Jahresbeginn noch völlig utopisch schien. Doch das heißt nicht, dass die Rennserie künftig regelmäßig nach Deutschland kommt.
Herr Markfort, sind Sie stolz darauf, dass Sie den Deal an Land gezogen haben?
Unfassbar stolz. Erst mal ist es schön, die Formel 1 wieder begrüßen zu können. Stolz kann das gesamte Team sein, das in der Kürze der Vorbereitungszeit eine schöne Veranstaltung auf die Beine gestellt hat. Schön ist natürlich, dass viele Fans da sein werden.
War das Trumpfass, dass Sie Rechteinhaber Liberty Media eine ordentliche Zahl Zuschauer an der Strecke versprechen konnten?
Das war kein ausschlaggebender Punkt, zumindest nicht nach unserem Wissensstand. Als wir mit Liberty gesprochen haben, war es alles andere als sicher, dass wir eine nennenswerte Zahl Zuschauer am Ring begrüßen können. Nachdem wir erste Veranstaltungen sportlicher Natur durchgeführt haben, war es unser Ziel, die Zuschauer zur Formel 1 an den Ring zu holen – das konnten wir Ende Juli noch nicht versprechen. Die ersten Fans am Nürburgring konnten wir zum Oldtimer-Grand-Prix Anfang August erst begrüßen, und die Genehmigung dafür haben wir erst eine Woche zuvor erhalten. Wir würden nicht mit etwas locken, was wir nicht sicher einhalten können.
Was haben Sie daraus gelernt, dass der Oldtimer-Grand-Prix sowie die Rennen im GT Masters und der DTM stattgefunden haben. Dabei waren bis zu 5000 Fans erlaubt.
Es hat geholfen, dass wir eine der ersten Locations in Deutschland waren, die Zuschauer auf den Tribünen hatte – da gab es vor allem Bestätigung für unser Konzept. Wir haben für die Formel 1 gar nicht viel geändert.
Es macht aber doch einen Unterschied, ob 5000 Fans kommen oder 20 000.
Unser Konzept passt für 5000 wie für 20 000 – es ist nach oben skalierbar, weil jede Tribüne ein eigener Bereich ist, der eigene Parkplätze hat und daher separat angefahren wird. Wir haben viele Bereiche, die alle genau gleich organisiert sind.
Bekommen Sie die Hütte voll?
Wir befinden uns noch im Online-Verkauf, zwei Wochen sind eine kurze Zeit für den Absatz von 20 000 Karten – und wir sehen das ja in den anderen Sportarten, dass es kein Selbstgänger ist, Tickets für Sportevets zu verkaufen. Wir sind guter Dinge, dass wir eine ansehnliche Kulisse haben werden.
Wie viele Karten wurden schon verkauft?
Die Zahlen ändern sich täglich. Ich denke, wir werden bestimmt eine Auslastung von über 70 Prozent der zugelassenen Zuschauer haben. In der ersten Verkaufsphase waren die Tickets nach zwei Stunden vergriffen, in der zweiten gab es nach einem Tag nur Restkarten. Nun läuft die dritte, in der es ausschließlich Karten für Tribünen ohne Dach gibt, da spielt das prognostizierte Wetter eine Rolle. Wir befinden uns in der Eifel …
… wo das Wetter im Oktober garstig sein kann.
Grundsätzlich sagt man ja: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur eine nicht angepasste Kleidung. Wer die Formel 1 am Nürburgring erleben will, muss sich entsprechend rüsten.
Regen würde auf jeden Fall für Spannung auf der Strecke sorgen.
Da haben Sie recht. Nachdem wir zuletzt so viele schöne Sonnenrennen in der Formel 1 erlebt haben, wäre es vielleicht nicht schlecht, wenn sich die Eifel von ihrer besten Seite zeigen würde – mit abwechslungsreichen Wetterbedingungen und mit viel Spannung im Rennen.
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Hat es sich in der Nachfrage bemerkbar gemacht, dass Mick Schumacher am Freitag im freien Training im Ferrari fährt?
Das hat zu größerem Interesse geführt. Als die Meldung bekannt wurde, wurden wir von Fanclubs, ob von Mick oder von Michael Schumacher, angeschrieben, die sich nach Karten erkundigt haben. Jedoch können wir nicht filtern, welche Motivation hinter dem Kauf von Online-Tickets steckt. Grundsätzlich ist das das Interesse an der Formel 1.
Erleben hart gesottene Formel-1-Fans einen Corona-Kulturschock, weil es kein Formel-1-Dorf gibt, keine Verkaufsmeilen, keine Stände für Verköstigung, keine Autogrammstunden?
Es wird einen positiven Kulturschock für Veranstaltungen in Corona-Zeiten geben, denke ich. Die Zuschauer können viel machen im Vergleich zu anderen Veranstaltungen, obwohl es wie im Fußball ein Alkoholverbot gibt. Es wird auch der eine oder andere Merchandising-Stand fehlen, aber es bleibt ein gutes Begleitprogramm. Auch 2013 hatten wir auf dem Nürburgring Tribünen, die nicht ganz im Zentrum lagen, wo das Angebot nicht so dicht war. Abgesehen davon: In der Formel 1 zählt für die Fans vor allem das Rennen, und das wird unter den gewohnten Rahmenbedingungen ausgetragen.
Wann schreiben Sie mit dem Grand Prix eine schwarze Null? Müssen es 20 000 Fans sein oder liegt der Break-even-Punkt niedriger?
Wir schreiben am kommenden Wochenende eine schwarze Null. Das haben wir schon bei der Verkündung betont. Das war eine Grundbedingung für den Vertrag, das haben wir aber auch schon in Vor-Corona-Zeiten stets erklärt. Das hat sich nicht geändert. Nun besteht für uns auch die Chance, neben der schwarzen Null noch Geld zu verdienen.
Das heißt, Sie konnten Ihre Interessen in den Verhandlungen mit Liberty durchsetzen, weil das Unternehmen händeringend nach zusätzlichen Rennstrecken suchte.
Sicherlich waren die Verhandlungen komplett andere als zuvor – ohne Corona hätten wir die Formel 1 nicht in der Eifel. Man hat gemerkt, dass bei Liberty ein gewisser Druck besteht, eine sichere Rennstrecke ins Programm aufzunehmen, wo ein Grand Prix auch attraktiv ist, sollten keine Fans zugelassen sein. Die Gespräche waren sehr konstruktiv, positiv und von Vertrauen geprägt; es ging recht schnell, das waren keine Monate. Es waren noch andere Kandidaten im Rennen, auch Hockenheim – deshalb bin ich froh, dass wir trotz des Drucks bei Liberty, es über die Ziellinie geschafft und den Vertag unterschrieben haben. Es hätte ja auch jederzeit etwas dazwischenkommen können. Das Momentum war auf unserer Seite.
Besteht überhaupt eine Chance, die Formel 1 unter normalen Begleitumständen wieder nach Deutschland zu locken?
Man sollte niemals nie sagen – das haben wir gerade in diesem Jahr festgestellt. Wer hätte von uns zu Beginn des Jahres einen Gedanken daran verschwendet, dass im Herbst die Formel 1 am Ring gastiert? Wir konzentrieren uns, dass wir eine gute Vorstellung am Wochenende abliefern – und wir hoffen, dass der Media-Output für Liberty und die Formel 1 gut ist. Was danach kommt, ist Spekulation. Aber natürlich wäre es schön, wenn wir weiterhin einen Großen Preis in Deutschland ausrichten könnten – ob bei uns oder in Hockenheim oder alternierend.