Das Familien-Trio bei Alb-Gold: Oliver, Irmgard und André Freidler (von links) Foto: Albgold Foto:  

Spaghetti, Hörnchen, Makkaroni, Spätzle oder Schleifchen? Nudeln stehen bei Verbrauchern hoch im Kurs. Deutschlands zweitgrößter Nudelhersteller Alb-Gold punktet dabei immer mehr mit Sonderprodukten – allen voran glutenfreie Teigwaren.

Trochtelfingen - „Die Menschen wollen wissen, was sie essen“, sagt Alb-Gold-Chefin Irmgard Freidler. Beim Thema Ernährung spielten auch Unverträglichkeiten eine Rolle. Glutenfreie Teigwaren etwa seien ein sehr wachsender Markt, sagt Freidler. Die 55-Jährige, die seit fünf Jahren an der Spitze des Familienunternehmens mit Sitz in Trochtelfingen auf der Schwäbischen Alb steht, sieht auch Wachstumspotenzial bei Nudeln aus heimischem Getreide wie Dinkel, Emmer und Einkorn. Überhaupt spielen Rohstoffe für Alb-Gold eine entscheidende Rolle. „Wir befassen uns intensiv mit dem Thema“, sagt Freidler und nennt als Beispiele auch Mais-, Reis- oder Kichererbsenmehl, auch wenn die Lieblingsnudeln der Deutschen aus Hartweizengrieß und Ei bestehen.

Trends aufspüren, offen sein für Neues, auch mal dem Bauchgefühl vertrauen und nicht nur auf Zahlen schielen, lautet das Credo der Frau, die vor ihrem Wechsel an die Firmenspitze als Alb-Gold-Finanzchefin eher im Schatten ihres Mannes Klaus Freidler agierte. Als der 2010 unerwartet im Alter von 52 Jahren starb, übernahm sie die Verantwortung – zusammen mit den beiden Söhnen André und Oliver. „Es war klar, dass wir das nur gemeinsam als Familie schaffen“, sagt Freidler. Die Söhne, heute 27 und 29 Jahre alt, waren gerade am Ende des Studiums, wollten auch in die Firma einsteigen, aber noch nicht so früh. Für sie war es der Sprung ins kalte Wasser.

Das Trio harmoniert – auch wenn Freidler Mutter und Chefin ist. „Ich trenne bei der Zusammenarbeit mit meinen Söhnen nicht: jetzt ist es privat, jetzt geschäftlich“, sagt sie. „Das Unternehmen gehört zu unserem Leben.“ Klar, dass sie manche Entscheidungen trifft, weil sie mehr Erfahrung hat, doch wegweisende Entscheidungen werden immer gemeinsam getroffen. Da können oft auch ihre Söhne überzeugen. „Das müssen wir machen, das ist unsere Chance. Du musst uns vertrauen, das ist unsere Zukunft.“ Solche Sätze ihrer Söhne sind dann ausschlaggebend. So war das beispielsweise auch beim Einstieg in den brasilianischen Markt.

Glutenfreie Teigwaren in Brasilien gefragt

Eine gebürtige Brasilianerin hatte sich bei Alb-Gold beworben, um den brasilianischen Markt zu erschließen. Einer Studie zufolge gibt es dort vor allem großes Potenzial für glutenfreie Teigwaren. Manch ein Unternehmen hätte so eine Initiativbewerbung ignoriert – nicht aber Alb-Gold. Die Frau wurde eingestellt, durfte loslegen. Auch Freidler und ihr Sohn reisten nach Brasilien, unter anderem zu einer wichtigen Branchenmesse in São Paulo, um selbst ein Gefühl für den Markt zu bekommen. Mittlerweile werden die schwäbischen Nudeln in einer Supermarktkette in Brasilien verkauft – und man hat vielversprechende Kontakte. „Ohne die neue Mitarbeiterin hätten wir das nie erreicht“, sagt Freidler und ist wieder beim Thema Offenheit und Bauchgefühl. „Wenn man nichts tut, bewegt man nichts“, sagt sie.

Für die Nudelmacher von der Alb bietet das Auslandsgeschäft ein zusätzliches Standbein mit Wachstumspotenzial. Mittlerweile entfallen rund 25 Prozent des Umsatzes auf den Export. Vor allem Spätzle sind im Ausland gefragt – allen voran die USA. Schwäbische Eiernudeln gibt es auch in Japan, Russland und Australien. Alb-Gold exportiert sogar in die Mongolei. „Das könnte auch ein interessanter Markt werden“, sagt Freidler.

Das Familienunternehmen ist in den vergangen Jahren stetig gewachsen. Der Umsatz liegt bei rund 80 Millionen Euro. Beschäftigt werden etwa 420 Mitarbeiter, davon 180 am Stammsitz Trochtelfingen. Weitere Standorte sind Spaichingen (hier sind glutenfrei Produkte der Marke Seitz angesiedelt) und Riesa in Sachsen. Allein am Standort Trochtelfingen werden täglich etwa 20 Tonnen Nudeln hergestellt – von Urgetreidenudeln über Eiernudeln bis zu Bio-Pasta, beispielsweise in Form von Hütchen, Schleifchen, Spiralen oder Schneckli. Insgesamt umfasst die Produktpalette mehr als 150 Nudelsorten – frische und trockene Nudeln bis hin zu Maultaschen.

Der Wettbewerb ist hart. Die Masse der Deutschen kauft Spaghetti und Co. beim Discounter, wo sie im Schnitt zehn Cent für 100 Gramm Pasta ausgeben, während Premium-Produkte gut dreimal so teuer sind. Alb-Gold setzt auf Teigwaren aus hochwertigen, möglichst regionalen Rohstoffen oder speziellen Zutaten. Kräuternudeln je nach Saison gehören auch dazu – aus dem nahe gelegenen Kräutergarten versteht sich, mit dem man bei Verbrauchern genauso punkten will wie mit der gläsernen Produktion, dem Nudelrestaurant und dem Testmarkt. Das naturnahe Firmengelände umfasst gut 8,3 Hektar. Gegründet wurde das Unternehmen 1968 von Franz Freidler als direkt vermarktender Geflügelhof, weitergeführt von seinem Sohn Klaus Freidler, der dann 1977 in die ­Nudelproduktion einstieg. Heute hat sich Irmgard Freidler dies zur Lebensaufgabe gemacht.

Für die Herstellung der Hausmacher-Eiernudeln werden bei Alb-Gold in Trochtelfingen übrigens täglich 150 000 bis 200 000 Eier aufgeschlagen – voll automatisch.

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