Beamte der Polizei bei der Spurensicherung am 25. April 2007 auf der Heilbronner Theresienwiese. Foto: dpa/Bernd Weissbrod

Wurde die Polizistin Michèle Kiesewetter gezielt von Rechtsterroristen erschossen? Die Grünen-Landtagsfraktion in Baden-Württemberg ist davon nicht überzeugt. Am Montag hatte der Ausschuss in Thüringen angezweifelt, dass sie ein Zufallsopfer gewesen ist.

Stuttgart - Die Grünen-Landtagsfraktion in Baden-Württemberg ist nicht davon überzeugt, dass die Polizistin Michèle Kiesewetter gezielt von Rechtsterroristen erschossen wurde. „Harte Belege hierfür konnten die Kolleginnen und Kollegen nicht finden“, teilte Petra Häffner in Bezug auf den Abschlussbericht des zweiten Thüringer NSU-Untersuchungsausschusses mit. Die Vermutung bliebe vage. Häffner war die ehemalige stellvertretende Vorsitzende des baden-württembergischen Untersuchungsausschusses.

Untersuchungsausschüsse mit unterschiedlichen Ergebnissen

Die aus Oberweißbach stammende Kiesewetter war 2007 in Heilbronn erschossen worden. Sie hatte als Polizistin in Baden-Württemberg gearbeitet. Als Täter gelten die NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, die aus Jena stammen. Am Montag hatte der Ausschuss in Thüringen in einem Abschlussbericht angezweifelt, dass Kiesewetter ein Zufallsopfer gewesen ist und damit den Kollegen im Südwesten widersprochen. Es sei nicht überraschend, dass Untersuchungsausschüsse zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, teilte eine Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion mit. Es spielten beispielsweise Zeugenaussagen und Dokumente eine Rolle.

Fragen offen geblieben

Der Ausschuss in Baden-Württemberg habe sich intensiv mit der Frage befasst, ob jemand in der rechtsextremen Szene im Vorfeld hätte wissen können, wo sich Kiesewetter zur Tatzeit aufhielt. Das sagte der ehemaligen Vorsitzende Wolfgang Drexler (SPD). „Wir sind zu der Überzeugung gekommen, dass das ganz unwahrscheinlich ist.“ Drexler zufolge sind bei seinem Ausschuss Fragen offen geblieben, etwa zu möglichen Unterstützer.

Der Generalbundesanwalt ermittelt im Zusammenhang mit den NSU-Verbrechen weiterhin gegen Unbekannt. „Wir werden den Bericht prüfen“, sagte ein Sprecher zum Thüringer Abschlussbericht.

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