Polizisten erweisen im April 2007 ihrer getöteten Kollegin Kiesewetter die letzte Ehre. Foto: dpa

Die getötete Polizistin Michèle Kiesewetter hatte ihren Dienst am Mordtag auf Wunsch von einem Kollegen übernommen. Dies erfuhr der NSU-Untersuchungsausschuss bei seiner Zeugenbefragung am Montag im Landtag.

Stuttgart - Irritiert hat der NSU-Untersuchungsausschuss auf die Aussage des Beamten reagiert, der 2007 am Mordtag den Dienst mit der Polizistin Michèle Kiesewetter tauschte. Er habe der Kollegin auf ihren Wunsch hin seine Schicht überlassen, sagte der 35 Jahre alte Mann am Montag in Stuttgart. Nach dem Tod Kiesewetters teilte er seinen Vorgesetzten davon nichts mit, weil er keine psychologische Betreuung bekommen wollte. „Ich habe es einfach nicht für wichtig erachtet“, sagte er über den Tausch. Die Beamtin wurde damals in Heilbronn erschossen - mutmaßlich von Mitgliedern der rechtsextremen „Nationalsozialistischen Untergrundes“ (NSU).

„Heute rätseln wir über die Situation, war es Zufall oder nicht?“ sagte der Ausschussvorsitzende Wolfgang Drexler (SPD). Natürlich sei der Wechsel eine wichtige Information gewesen.

Der Ausschuss untersucht die Beziehungen des NSU zum Südwesten. Dem NSU werden zehn Morde zugerechnet - an neun Migranten und an Kiesewetter. Es gibt aber Zweifel an der Annahme der Bundesanwaltschaft, dass Kiesewetter ein Zufallsopfer der Rechtsterroristen war und der NSU keine Mittäter hatte.

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