Der NSU-Ausschuss im Stuttgarter Landtag Foto: dpa

Warum schließt sich ein Polizist dem Ku-Klux-Klan an? Er sei nur einem älteren Kollegen "hinterhergedackelt", beteuert Timo H. vor dem NSU-Ausschuss im Stuttgarter Landtag.

Stuttgart - Ein Polizeihauptmeister hat vor dem NSU-Untersuchungsausschuss als Motiv für seinen Eintritt in den Ku Klux Klan seine Freundschaft zu einem älteren Kollegen genannt. Er sei als 21-Jähriger dem 10 Jahre älteren Jörg W., seinem Vorbild, quasi „hinterhergedackelt“, sagte Timo H. am Montag vor dem Landtagsgremium in Stuttgart.

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„Ich bereue das zutiefst und schäme mich auch heute noch dafür.“ Er sei Ende 2001 in den rassistischen Geheimbund eingetreten und im späten Frühjahr 2002 ausgestiegen, nachdem bei ihm „der Groschen“ gefallen sei. Anlass seien „massiv rechtsextremistische Äußerungen“ eines neuen Mitglieds gewesen.

Mit Verwandtschaft zu Hess geprahlt

Sein damaliger Freund hatte allerdings als Zeuge vor dem Ausschuss berichtet, dass Tim H. mit seiner angeblichen Verwandtschaft zu Hitler-Stellvertreter Rudolf Hess geprahlt und ihn angeheuert habe. Diesen Vorhalt von Ausschussmitgliedern nahm Tim H. nach eigenen Worten schockiert zur Kenntnis.

H. war für seine Mitgliedschaft im Ku Klux Klan von seinem Dienstvorgesetzten zurechtgewiesen und kurze Zeit später zum Gruppenführer befördert worden. Der heute 34-Jährige war im April 2007, dem Todestag der Polizistin Michèle Kiesewetter, deren Gruppenführer in Heilbronn. Im selben Jahr wurde er Beamter auf Lebenszeit.

Der Ausschuss untersucht die Bezüge der rechtsextremistischen Terrorzelle NSU nach Baden-Württemberg und mögliches Behördenversagen im Südwesten. Den Rechtsterroristen werden zehn Morde zugerechnet - an neun Migranten und an der Polizistin Kiesewetter.

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