Freundschaftlich verbunden und nun beide im Sport-Ruhestand: Christian Schwarzer (links) und Dirk Nowitzki. Foto: sid

Christian Schwarzer feierte mit Dirk Nowitzkis Trikotnummer 41 den größten Erfolg seiner Karriere. Im Interview sagt der Handballer, warum sich Fußballer vom Basketball-Superstar eine Scheibe abschneiden können und weshalb er auf ein Comeback seines Kumpels hofft. Außerdem finden Sie in unserer Bildergalerie 21 Fakten, die Sie zu Nowitzki wissen sollten.

Stuttgart - Cristian Schwarzer ist mit Dirk Nowitzki befreundet, der in der Nacht auf Donnerstag endgültig seine Karriere beendete. Schwarzer feierte mit der Trikotnummer 41 von Dirk Nowitzki den größten Erfolg seiner Karriere. Im Interview sagt der ehemalige Handball-Nationalspieler, warum sich Fußballer vom Basketball-Superstar eine Scheibe abschneiden können und weshalb er auf ein Comeback seines Kumpels hofft.

Herr Schwarzer, wie haben Sie das Karriereende Ihres Freundes aufgenommen?

In erster Linie finde ich es extrem schade, dass er aufhört, und ich bin schon etwas traurig, dass ich ihn in seiner letzten Saison nicht habe live spielen sehen.

Dabei haben Sie ihn vergangenen Dezember in Dallas besucht.

Ja, ich bin die 8000 Kilometer rübergeflogen, um mit ihm über Privates, Basketball und die anstehende Handball-Weltmeisterschaft in Deutschland zu reden. Das tat er sehr gerne, zumal er mit meinem Sport groß geworden ist, sein Vater auch Handball gespielt hat und ihn trainierte. Dirk soll auch ein ganz talentierter Handballer gewesen sein.

Seine menschliche Größe ist unerreicht

Letztendlich ist aus ihm aber ...

...mit der größte Basketballer aller Zeiten geworden, mit einer Strahlkraft weit über seine Sportart hinaus. Für mich persönlich ist vor allem seine menschliche Größe unerreicht und absolut faszinierend. Als kleiner Junge zog er aus seiner Würzburger Heimat in die weite Welt hinaus, wurde zum Superstar und ist dabei immer der Dirk geblieben. Er ist ein echtes Vorbild.

Können Sie das anhand persönlicher Erlebnisse beschreiben?

Ich habe in den USA selbst miterlebt, welch Trubel um ihn herrscht. Das kann gewaltig nerven. Doch er bleibt immer freundlich, nie überheblich. Er lässt kein Kind stehen, wenn es ihn um ein Autogramm bittet. Einen Bekannten von mir erfüllte er einmal seinen größten Wunsch – Dirk nahm ihn mit in die Kabine der Mavs (Anm. d. Red.: Nowitzkis Club Dallas Mavericks).

Himmelweite Unterschiede zu Fußball-Profis

Da könnte sich manch zweitklassiger Fußballer eine Scheibe abschneiden.

Oh, das sind himmelweite Unterschiede. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.

Ist Nowitzki diese Art, wie er sich gibt, in die Wiege gelegt?

Ich glaube schon, dass der Mensch so ist, wie er erzogen wurde. Und die Eltern von Dirk haben seinen Charakter mit Sicherheit geprägt.

Wie haben Sie beide sich eigentlich kennengelernt?

Das lief über meinen ehemaligen Mitspieler Stefan Kretzschmar, der mit Dirk gemeinsame Aktionen mit Ausrüster Nike durchführte. Daraus entwickelte sich eine Freundschaft. 2007 habe ich Dirk dann in Dallas besucht.

Schwarzer will die Nowitzki-Nummer

Kurz danach wurden Sie für die Handball-Heim-WM nachnominiert.

Genau. Ich kam für den verletzten Andrej Klimowets ins Team. Und ich war von Dirk so begeistert, dass ich unbedingt die Trikotnummer 41 wollte.

Jene Nummer, die Nowitzki in der NBA trägt.

Per E-Mail habe ich Dirk vorher um Erlaubnis gebeten. Er hatte wie erwartet nichts dagegen, am Ende holte ich mit dieser Nummer den WM-Titel. So gesehen ist auch Dirk ein Teil dieses kleinen Handball-Wunders. Und das Schöne ist, dass wir immer in Verbindung geblieben sind.

Und künftig?

Wird der Kontakt sicher nicht abreißen. Auch beim Benefizspiel „Champions for Charity“ zugunsten seiner Dirk-Nowitzki-Stiftung werde ich bestimmt wieder dabei sein. Ansonsten gebe ich die Hoffnung nicht auf, ihn noch einmal auf dem Basketballfeld zu sehen.

Macht es Nowitzki wie einst Michael Jordan?

Sie können sich ein Comeback vorstellen?

Schon einmal brachte ein Basketballer mit drei Worten die Welt zum Beben.

Die NBA-Legende Michael Jordan mit der Aussage „I am back“. Das war 1995.

Natürlich ist Dirks Körper heutzutage einer noch viel größeren Belastung ausgesetzt. Aber nach seiner Knöchel-Operation im vergangenen Sommer und der Entzündung im anschließenden Heilungsverlauf, ist er aktuell wieder so fit wie lange nicht mehr. Sein letztes Heimspiel mit den Dallas Mavericks war doch der beste Beweis: Dirk spielte überragend und hat den Phoenix Suns 30 Punkte eingeschenkt. Und noch etwas schürt meine Hoffnung.

Was, bitteschön?

Bei meinem Besuch in Dallas vergangenen Dezember hat Dirk zu mir gesagt, dass er mit einer verkorksten Saison mit Verletzungen und Misserfolgen eigentlich nicht abtreten will.

Jetzt ist er wieder in Fahrt gekommen. Doch Nowitzki ist doch nicht für einen wankelmütigen Charakter bekannt.

Wenn er eine Entscheidung trifft, dann ist die im Normalfall endültig, stimmt schon. Aber was passiert, wenn die Mavs eine Verletzungsmisere zu beklagen haben? Ich gebe die Hoffnung auf ein Comeback jedenfalls nicht auf. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit nur bei 0,01 Prozent liegt. Immerhin hat er den Mavs-Fans letzte Nacht ja versprochen: Ich komme wieder, auch wenn er dies wohl nicht auf seine Spielerkarriere bezogen hat.

In unserer Bildergalerie finden Sie 21 Fakten, die Sie zu Nowitzki wissen sollten. Viel Spaß beim Klicken und Lesen!

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