Das koreanische Novus String Quartet Foto: Kim Sun Jae

Das Novus String Quartet hat im Mozartsaal Schubert, Berg und Respighi gespielt.

Stuttgart - Franz Schuberts Kammermusik gilt vielen als Inbegriff dieser Musikgattung. Werke wie das Streichquartett d-Moll mit dem Beinamen „Der Tod und das Mädchen“, das am Dienstagabend im Mozartsaal mit dem Novus String Quartet zu hören war, verlangen von den Interpreten neben der rein technischen Meisterschaft eine tiefe Durchdringung des Gehalts. Wer als Ensemble mit diesem Werk überzeugen will, muss das hörbar machen, was unter der Oberfläche des Notentextes schlummert. Den vier jungen, aus Südkorea stammenden Streichern gelingt das im zentralen zweiten Satz, der auf Schuberts gleichnamiger Liedvertonung basiert. Die Variationenfolge über das düstere Thema hat eine starke Wirkung, die aus dem dichten Klangbild und der rhythmischen Prägnanz entsteht. Das Moribunde, das so vielen Kompositionen Schuberts eingeschrieben ist, wird für den Hörer deutlich fühlbar.

In den umliegenden Sätzen, vor allem im nachfolgenden Scherzo, bleibt das Musizieren aber zu sehr an der Oberfläche. Keine Frage, die beiden Geiger Jaeyoung Kim und Young-Uk Kim und ihre Partner an Viola (Kyuhyun Kim) und Cello (Woongwhee Moon) sind technisch herausragend. Aber den unerbittlichen, auch grotesken Charakter dieses Scherzos erfassen sie nur ansatzweise. Die drastische Zuspitzung der finalen Tarantella gelingt dann wieder prägnant, weshalb sich der Eindruck einstellt, dass das Novus String Quartet, das am Ende bejubelt wird, immer dann auf hohem Niveau musiziert, wenn technische Brillanz und Unmittelbarkeit des künstlerischen Ausdrucks gegeben sind.

Technische Brillanz und Unmittelbarkeit im Ausdruck

Besonders die vor der Pause musizierte Lyrische Suite Alban Bergs stützt diesen Eindruck. Berg kombiniert die Zwölftönigkeit mit starken musikalischen Gesten, um in sechs Sätzen eine autobiografische Skizze seiner Liebesbeziehung zu Hanna Fuchs-Robettin zu entwickeln. Vieles ist hier zugespitzt, in Nuancen konzentriert, etwa die fröhliche Stimmung des ersten Satzes. Vor allem der spukhafte Charakter des extrem schnellen fünften Satzes mit seinen flüchtigen Motiven, die gegen düster-melancholische Ideen montiert werden, spricht den Hörer an.

Ähnliches gilt für das selten zu hörende „Quartetto dorico“ des italienischen Spätromantikers Ottorino Respighi, mit dem dieser Konzertabend eröffnet wurde. Den oft kirchenmusikalischen Charakter erzielt das Novus String Quartet mit breiten Phrasen und großem Tonfall, bei dem die vier Stimmen dicht verblendet sind. Wuchtige Motive, strahlende Hymnen und elegante Rhythmen verbinden sich zu einem organischen Fluss, der immer wieder in dunkel gefärbte Unisono-Linien mündet. Das zumindest ist Kammermusik auf hohem Niveau.