Der November war so, wie er sein soll – ungemütlich und grau: Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Das Wetter zeigt sich im November in Stuttgart dunkel, trüb und feucht – statistisch also fast normal. Das „Sonnenvitamin“ D gab es eher in der Apotheke.

Stuttgart - Der November ist der Monat des Grauens für alle, die noch nicht im ausreichend alimentierten Ruhestand und reisefähig sind. Schlecht geht es auch denen, die hier bleiben müssen, weil sie wie jedes Jahr vergessen haben, wo die Winterreifen eingelagert sind. Keine Fluchtmöglichkeiten haben auch all die Bedauernswerten, die noch in einem Arbeitsverhältnis sind und im Februar vergessen haben, für den November Urlaub einzureichen. All die mussten jetzt den Monat des Schreckens ertragen, eine meteorologische Gemeinheit mit Nebel, Lichtmangel, kaltem Sprühregen und dem wie so oft erfolglosen Warten auf ein bisschen aufhellenden Schnee. Die Geflüchteten nervten dagegen mit Urlaubsfotos per sozialen Medien vom Roten Meer, aus Mauritius, den Kanaren oder aus einem hypermodernen Spaßbad mit künstlicher Sonne und Rutschen so lang wie der Gotthard-Tunnel.

Nur 60 Stunden Sonnenschein

Und dieses Winken aus Sonne und Wärme traf in diesem Jahr voll den geschundenen Nerv. Der November war tatsächlich so wie sein Ruf. Trüb, feucht allerdings auch ein bisschen zu warm, wenn man bei einer Durchschnittstemperatur von sechs Grad überhaupt von warm reden kann. Allerdings lag der an der Messstation des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Schnarrenberg ermittelte Wert tatsächlich 1,3 Grad über dem langjährigen Mittel von 4,7 Grad. Aber dieser Mittelwert wurde zwischen 1961 und 1990 bestimmt, als es das Wort Klima noch ohne den angehängten Wandel gab. Zu mild ist leider schon normal, der elfte Monat des Jahres 2019 war schon der zehnte, der statistisch zu warm war. Allerdings nur ein wenig. „Den wärmsten November hatten wir 1994 mit 9,1 Grad, also 4,4 Grad über dem vieljährigen Mittel“ sagt dazu DWD-Meteorologe Andreas Pfaffenzeller.

Angefühlt hat sich dieser Monat ziemlich klamm. Das lag am häufigen Nebel, der auch nur 60 Stunden Sonnenschein zuließ, das sind etwa elf Stunden weniger als in einem durchschnittlichem November und nur zwei Drittel der Ausbeute von vor einem Jahr. Damals saßen die Menschen bei 90 Sonnenstunden über den Mittag in Straßencafés und tankten Vitamin D. Das gab es heuer eher in der Apotheke. Unspektakulär war der Monat in Sachen Regen. 35,4 Liter wurden gemessen, davon 16,5 Liter allein am 8. des Monats. Insgesamt fielen zwar nur 73,4 Prozent eines normalen Novembers, aber das ist lange nicht so dramatisch trocken wie in den vergangenen Jahren.

Die Austrocknung der Stadt ist gebremst

In puncto Wasserdefizit ist Stuttgart aktuell auf einem guten Weg. Am 30. November endete der meteorologische Herbst, in dem die Monate September, Oktober und November ausgewertet werden. Vor einem Jahr sind in dieser Zeit in Stuttgart 71 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen worden, ein dramatisch niedriger Wert und der zweittrockenste Herbst seit 1962 (66 Liter). Am vergangenen Samstag ging der Herbst 2019 mit fast der doppelten Regenmenge (136,8 Liter) aus dem Rennen, das entspricht 96,3 Prozent des Durchschnittswerts.

Die Austrocknung der Stadt ist also in diesem Jahr gebremst worden und jetzt hoffen viele auf einen sonnigen Dezember und dann auf Schnee an den Feiertagen, der auch zur Wasserstatistik zählt. Freundlich und teils sonnig werden die kommenden Tage tatsächlich, aber ob es weiße Weihnachten gibt?

2010 gab es die letzten weißen Weihnachten

Kurzum – Vorhersagen über fünf Tage hinaus haben keinerlei Chance, mehr zu sein als Kaffeesatzleserei. Aber die Statistik spricht eher dagegen. Seit dem Jahr 2000 gab es gerade drei Mal Schnee am 24. Dezember in Stuttgart, das letzte Mal 2010. Und diese weißen Weihnachten inszenierten sich genau so, wie es sich viele wünschen. Am morgen war es noch grün, der Vormittag begann dann mit Schneeregen, der aber rasch in Schnee überging. Und es wollte einfach nicht aufhören: Schnee bei der Bescherung, und wer wollte, konnte später am Abend mit knirschenden Schuhen über eine zehn Zentimeter dicke Neuschneedecke und durch den Flockenwirbel zur Kirche stapfen. Ob das noch mal so eintritt, weiß keiner.

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