Flughafen Stuttgart Auf die Katastrophe vorbereiten

Von Johanna Deckers 

 Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Feuerwehr am Flughafen Stuttgart übt, wie sie im Ernstfall ­schnellstmöglich ein Flugzeug bergen kann, damit der Flugbetrieb nicht zu lange gestört wird.

Stuttgart - Abseits der Landebahn im Frachtbereich des Flughafens Stuttgart liegt ein 75 Tonnen schweres Flugzeug. Der rechte Flügel hängt fast in der Wiese. Das rechte Hauptfahrwerk ist eingeknickt. Unter dem hinteren Rumpf und rechten Flügel liegen drei große, schwarze Hebekissen. Ab und zu hebt das vordere Fahrwerk vom Boden ab und schwebt einen halben Meter über dem Boden. 19 Feuerwehrleute tummeln sich um das Flugzeug und die Controller, mit denen präzise eingestellt werden kann, wie viel Luft in jede der 20 Kammern der Hebekissen fließen soll. Unablässig ist das Zischen von Luft zu hören, die von zwei großen Kompressoren über unzählige gelbe Schläuche in die Kissen gepumpt wird.

Zum Glück ist dies kein Ernstfall, sondern nur eine Bergeübung. Als einzigem Flughafen in Deutschland steht der Flughafenfeuerwehr Stuttgart dafür ein echtes Flugzeug zur Verfügung. Solch eine Übung findet einmal im Jahr für jede der beiden Wachschichten der Flughafenfeuerwehr statt.

Das Szenario orientiert sich an tatsächlichen Vorfällen – ähnliches ist beispielsweise erst vor weniger als einem Monat passiert, als ein Flugzeug beim Verlassen der Landebahn vom Rollweg abkam und auf der angrenzenden Grünfläche einsank, sodass es sich nicht mehr von alleine fortbewegen konnte. „Erfahrung macht bei solchen Einsätzen viel aus“, sagt Andreas Rudlof, Leiter der Flughafenfeuerwehr. „Es ist gar nicht so leicht wie es aussieht, die Hebekissen so aufzublasen, dass das Flugzeug nicht umkippt. Das wäre fatal, denn dann wäre der Schaden wohl größer aus zuvor.“

Vor der Bergung muss eine Freigabe erteilt werden

Um dies zu gewährleisten, überprüfe man vorher genau, wie viel Sprit und Gepäck die Maschine geladen hat und ob sich im Inneren etwas verschoben hat. Häufig müsse man beispielsweise Sandsäcke ins Flugzeug legen, um einen Lastenausgleich zu machen. „Alles wird genau dokumentiert. Bevor wir mit der Bergung beginnen, aber auch währenddessen. Nur so können wir in Zweifelsfällen der Versicherung beweisen, dass nicht wir für den Schaden verantwortlich sind.“

Bevor ein Flugzeug im Ernstfall geborgen werden kann, müssen aber zunächst die Airline und vor allem die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) ihre Freigabe geben. „Das dauert meist viel länger als die Bergung selbst“, sagt Rudlof.

Heute darf aber auch die Bergung etwas länger dauern. Gut fünfeinhalb Stunden sind die Feuerwehrleute im Einsatz. Aber ab und zu wird die Übung unterbrochen. Die Männer versammeln sich: „Das ist eine Ausbildung. Deswegen erläutert der Ausbilder zwischendurch immer mal wieder, was passiert oder auf was man achten muss. Und er prüft ab, was von dem Wissen von der Übung im vergangenen Jahr noch da ist“, sagt Andreas Rudlof.

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