An drei Wochentagen soll die Betreuung komplett wegfallen, an an den anderen Tagen empfindlich gekürzt werden. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Die Bereitschaftspraxis in Leonberg reduziert drastisch die Öffnungszeiten. Kliniken schlagen Alarm: Patienten ohne Alternativen werden die Notaufnahmen überfluten.

Die schlechten Nachrichten rund ums Leonberger Krankenhaus reißen nicht ab. Diesmal betreffen sie die Öffnungszeiten der Bereitschaftspraxis im Klinikum, also jener Einrichtung, die Patienten außerhalb der Dienstzeiten von niedergelassenen Ärzten zur Verfügung steht, aber kein Bestandteil des Krankenhauses ist.

 

Doch deren Trägerinstitution, die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg, will die Öffnungszeiten der Bereitschaftspraxis schon zum 1. Juli massiv zusammenstreichen. So soll an drei Wochentagen die Betreuung komplett wegfallen, an den anderen Tagen empfindlich gekürzt werden. Im medizinischen Alltag bedeutet das, dass der ohnehin übergroße Andrang auf die Notaufnahme des Krankenhauses noch zunehmen wird.

„Diese drastische Reduzierung der Öffnungszeiten ist ein fatales Signal für die ambulante Notfallversorgung.“

Roland Bernhard, Böblinger Landrat

Entsprechend verärgert reagieren Landrat Roland Bernhard, der Leonberger Oberbürgermeister Tobias Degode und der Geschäftsführer des Klinikverbundes Südwest, Alexander Schmidtke. „Diese drastische Reduzierung der Öffnungszeiten ist ein fatales Signal für die ambulante Notfallversorgung“, kritisiert Bernhard, der gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikverbundes Südwest ist. „Die Kassenärztliche Vereinigung zieht sich aus ihrer Verantwortung für eine wohnortnahe ärztliche Versorgung zurück und überlässt die Folgen den Kommunen, den Kliniken – und vor allem den Patienten.“

Ähnlich äußert sich der OB: „Leonberg ist ein stark wachsender Standort mit hoher medizinischer Nachfrage. Ausgerechnet hier die Bereitschaftszeiten so zusammenzustreichen, passt in keiner Weise zur Realität vor Ort“, sagt Tobias Degode. „Die Bereitschaftspraxis ist ein wichtiger Baustein der Daseinsvorsorge – ihre massive Schwächung stößt bei uns auf völliges Unverständnis.“

Vor vier Jahren war das Ärzteteam der Notfallpraxis noch optimistisch. Foto: privat

Der Klinikverbund-Geschäftsführer Alexander Schmidtke blickt auf die Situation im Krankenhaus selbst: „Die Notaufnahmen unserer Kliniken sind schon heute an der Belastungsgrenze. Wenn die Bereitschaftspraxis deutlich weniger geöffnet hat, werden viele Patienten mangels erreichbarer Alternative zusätzlich in die Notaufnahme kommen – genau das, was laut der Kassenärztlichen Vereinigung gerade vermieden werden soll. Die Folge ist eine weitere Überlastung der Kliniken und längere Wartezeiten für echte Notfälle. Diese Entwicklung halten wir für unverantwortlich.“

Notfallpraxis in Leonberg mit deutlich eingeschränkten Öffnungszeiten

„Die Kassenärztliche Vereinigung weist zwar auf Telemedizin und Hausbesuchsdienst hin; diese Angebote können die wegfallenden Präsenzzeiten der Bereitschaftspraxis aber nicht im gleichen Umfang ersetzen“, befürchtet Landrat Bernhard. „Für viele ältere Menschen, für Familien mit kleinen Kindern oder für akute Fälle, bei denen eine unmittelbare Untersuchung nötig ist, bleibt die persönliche ärztliche Präsenz vor Ort unverzichtbar.“

Bisher ist die Notfallpraxis am Leonberger Krankenhaus werktags vom späten Nachmittag bis 20 Uhr und an Wochenenden von 8 bis 20 Uhr geöffnet. Vom 1. Juli an soll sie nur noch mittwochs und freitags von 16 bis 19 Uhr und an Wochenenden und Feiertagen von 9 bis 19 Uhr in Betrieb sein. An den anderen Tagen und in den Randzeiten bliebe den Patienten dann nur noch der Gang in die Notaufnahme des Klinikverbundes.