Das Remstalwerk will vor allem die Kommunikation bei Stromausfällen verbessern (Symbolbild). Foto: dpa

Der Energieversorger richtet für Störungsfälle zwei rund um die Uhr besetzte Telefonnummern ein und investiert in technische Wächter.

Kernen - Vor allem nach zwei längeren Stromausfällen Ende des vergangenen Jahres in Kernen hat das Remstalwerk einige Kritik einstecken müssen. Zu lange habe es gedauert, bis die Ausfälle behoben worden seien, Beschwerden von Betroffenen seien ins Leere gelaufen, hieß es. Darauf will der Energieversorger, der seit 2017 das Stromnetz für für die Gemeinden Kernen, Remshalden, Urbach und Winterbach betreibt, nun mit einem neuen Notfallmanagement reagieren. Von 1. April an sollen Telefonnummern für Störungen im Strom- und im Wasserbereich rund um die Uhr, 24 Stunden am Tag und auch am Wochenende, erreichbar sein.

Notruf nach Baden-Baden

Dieser Service sei für Energieversorger dieser Größenordnung keinesfalls üblich, betont der Aufsichtsratsvorsitzende des Remstalwerks, der Kernener Bürgermeister Stefan Altenberger. Doch sei man als kommunal getragenes Unternehmen mit der Maßgabe angetreten, seine Dienste sehr bürgerfreundlich auszugestalten.

Deshalb werde dem technischen Dienstleister, den Stadtwerken Schorndorf, die bei Stromstörungen nach wie vor tätig werden sollen, nun noch ein kommunikativer Service zwischengeschaltet. Die Stadtwerke Baden-Baden übernehmen zwei Notfallnummern – eine für Strom, eine für Wasser – und sollen dafür sorgen, dass Störungen weitergeleitet werden und zum anderen die Melder nicht an einem Frei- oder Besetztzeichen verzweifeln.

Technik machen weiter die Schorndorfer Stadtwerke

Die Behebung des Schadens, beziehungsweise eine möglichst sofortige Umschaltung des Stromnetzes, sollen weiterhin die Stadtwerke Schorndorf leisten. Die hätten das auch in der Vergangenheit gut gemacht, sagt Altenberger. Die Techniker seien nur nicht mehr ans Telefon gegangen, weil sie ja mit der Schadensbehebung beschäftigt gewesen seien – was für Verdruss bei den Kunden gesorgt habe.

Also nur eine Beruhigungspille für aufgeregte Anrufer? Nein, sagt die Geschäftsführerin des Remstalwerks, Gabriele Laxander. Man habe ganz bewusst kein x-beliebiges Callcenter engagiert – das sicherlich preisgünstiger gewesen wäre –, sondern eines, das mit Fachleuten besetzt sei. So könnten die Vorfälle nicht nur kompetent weitergeleitet und koordiniert werden, sondern unter Umständen auch fachkundige Rückkopplungen erfolgen. Außerdem sollen die Vorfälle in Baden-Baden protokolliert und von dort in die Remstalwerk-Zentrale nach Remshalden-Grunbach weitergeleitet werden.

Elektronische Wächter werden installiert

Zusätzlich zu den Notfallnummern will man auch technisch aufrüsten. So sollen wichtige Trafostationen mit einer Art elektronischem Wächter ausgestattet werden, der eine genauere automatische Ortung des Schadens ermöglichen soll. Beginnend mit Kernen, sollen sukzessive alle Kommunen ausgerüstet werden.

Dass es überhaupt zu Stromausfällen komme, sei hingegen nicht gänzlich auszuschließen. Die jüngsten Vorfälle etwa seien durch externe Einflüsse bedingt gewesen. So habe ein Vogel in einer Hochspannungsleitung Mitte Februar einen Kurzschluss im Bereich von Remshalden ausgelöst, ein Bagger habe Ende Januar auf einer Baustelle in Rommelshausen versehentlich ein Kabel durchtrennt.

Gleichwohl verhehlt Stefan Altenberger nicht, dass die Stromausfälle Ende des vergangenen Jahres in Kernen auf einen Verschleiß im Leitungsnetz zurückzuführen gewesen waren. Auch in dieser Hinsicht sei man aber tätig, ältere Leitungen würden vorsorglich ausgetauscht. In den zwei Jahren des Betriebs in Eigenregie habe man rund drei Millionen Euro in das Leitungsnetz investiert, sagt Gabriele Laxander.

Vergleich mit Gebrauchtwagen

Dass sich jetzt ausgerechnet Kernen als eine Art Achillessehne herausstellegestellt habe, sei nicht abzusehen gewesen, sagt der Rathauschef, denn ausgerechnet dort habe man von Anfang an viel investiert. Dem Vorbesitzer, der EnBW, oder gar dem eigenen Unternehmen will er keinen Vorwurf machen. Wie es genau unter der Erde aussehe, habe man beim Kauf des Netzes nicht im Detail einschätzen können: „Das ist wie bei einem Gebrauchtwagen: Die einen fahren zehn Jahre lang ohne eine einzige Reparatur, die anderen haben einfach Pech.“

Die Notfallnummern und weitere Informationen zum Remstalwerk findet man hier.

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