Noten für die Roten Lehrstunde in Sachen Cleverness für den VfB

Von Marco Seliger 

Das war’s dann wohl: Nach dem 0:2 (0:1) im Heimspiel gegen Lazio Rom sind die Chancen des VfB Stuttgart auf den Einzug ins Viertelfinale der Europa League auf ein Minimum geschrumpft.

Stuttgart - Beim Schlusspfiff hallten gellende Pfiffe durch die Mercedes-Benz-Arena, doch Bruno Labbadia schien sie nicht zu hören. Der Trainer, so schien es, hatte seine Sensoren schon auf die nächste Aufgabe ausgerichtet. Er ging von Spieler zu Spieler, redete jedem beruhigend zu. Dann tätschelte er Christian Gentner am Hinterkopf und gab ihm einen letzten Klaps, was so viel heißen sollte wie: „Schade, aber nimm’ es nicht allzu tragisch. Es geht weiter.“ Und zwar schon an diesem Sonntag (17.30 Uhr).

Dann kommt der Hamburger SV zum Bundesligaduell, das ohne Neuzugang Alexandru Maxim (22) stattfinden wird. Der Mittelfeldspieler, der wie Stürmer Federico Macheda sein Startelfdebüt feierte, spielte mutig nach vorn und zeigte gute Ansätze. Allerdings nur bis zur 38. Minute, dann rammte Hernanes ihn rüde um. Maxim musste mit einem Nasenbeinbruch und einer Gehirnerschütterung vom Platz und wurde noch am Abend operiert. Dass Hernanes für seine robuste Gangart nur Gelb sah, brachte VfB-Sportdirektor Fredi Bobic auf die Palme. „Das muss Rot geben, aber der Schiedsrichter hat gleich Gelb gezückt und sich festgelegt“, schimpfte er, „Maxim hat gezeigt, dass wir noch viel Freude an ihm haben werden. Deshalb tut uns sein Ausfall richtig weh.“

Im Rückspiel braucht der VfB ein Wunder

Maxim fällt also aus, und ob seine Kollegen das 0:2 gegen Lazio Rom bis Sonntag aus den Klamotten geschüttelt haben, ist zumindest fraglich. Zu deutlich war der Unterschied, zu abgezockt trat der Tabellen-Fünfte der italienischen Serie A vor 28 750 Zuschauern auf – er erteilte dem VfB eine regelrechte Lehrstunde in Sachen Cleverness. Die Mannschaft von Bruno Labbadia agierte zu harmlos, zeigte zu wenig spielerische Klasse und Entschlossenheit, um Schaden abzuwenden. Zudem begünstigte sie durch katastrophale Abwehrfehler den Sieg der Römer, bei denen sich das Fehlen des verletzten Stürmers Miroslav Klose und fünf Umstellungen nicht bemerkbar machten.

Im Rückspiel am 14. März (21.05 Uhr) benötigt der VfB ein Wunder, um doch noch das Viertelfinale der Europa League zu erreichen. „Das wird natürlich eine schwierige Aufgabe“, sagte Kapitän Serdar Tasci und machte sich und den Kollegen Mut: „Wir haben in dieser Saison schon häufig bewiesen, dass wir auswärts besser sind als zu Hause.“

In der Europa League gehört dazu, mit Verlaub, nicht viel. Vor den eigenen Fans bleibt die Bilanz ernüchternd: Im Play-off-Spiel gegen Dynamo Moskau (2:0) gelang der einzige Sieg. Auswärts hat der VfB drei von vier Partien gewonnen, doch Lazio ist in elf Begegnungen noch ungeschlagen. „Die haben eine clevere und reife Mannschaft“, lobte Labbadia, „und aus ihrer ersten Chance haben sie gleich ein Tor gemacht.“

Unbedarftheit der VfB-Defensive

Ein Tor, mit dem selbst die Gäste nicht rechnen konnten. Doch da wussten sie auch noch nicht um die Unbedarftheit der VfB-Defensive. William Kvist produzierte einen Querschläger, Arthur Boka bekam den Ball nicht aus der Gefahrenzone, dann patzte Kvist noch einmal – der Brasilianer Ederson hatte keine Mühe, den Ball aus der Drehung im Tor unterzubekommen (21.) . „Da haben wir uns blöd angestellt“, sagte Tasci.

Das galt auch beim 0:2, als Ogenyi Onazi erst Christian Gentner stehenließ, Tamas Hajnal abhängte, Antonio Rüdiger ausspielte und vollendete (56.). „Lazio hat Tore aus dem Nichts gemacht“, sagte Bobic – eine Qualität, die dem VfB erneut abging. Allein Shinji Okazaki hatte bei Flugkopfbällen (16./42.) und einem Schuss (63.) dreimal die Gelegenheit, das Ergebnis freundlicher zu gestalten. „Wir hatten Chancen, haben sie aber nicht genutzt“, sagte Tasci ernüchtert.

Das macht wenig Hoffnung für das Geisterspiel in Rom: Um die nächste Runde zu erreichen, muss der VfB drei Tore erzielen. Immerhin ist dann der diesmal gelbgesperrte Stürmer Vedad Ibisevic dabei. „Wir fahren nicht nach Rom, um uns das Kolosseum anzuschauen oder das leere Stadion“, sagte Bobic, „wir haben noch eine Chance, aber dafür brauchen wir ein perfektes Spiel“,

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