Noten für die Roten Analyse: Neues System und Personal nutzen VfB nichts

Von Dirk Preiß 

Von einer Überraschung hatte Thomas Schneider gesprochen – sollte der VfB Stuttgart beim SC Freiburg aus dem DFB-Pokal ausscheiden. Genau so kam es beim 1:2. Danach überraschte der Trainer. „Kein Beinbruch“, befand er.

Freiburg - Christian Gentner wusste, was er geleistet hatte. Er spürte es in jeder Faser seines Körpers. Der Kapitän hatte sich mal auf die rechte, mal auf die linke Abwehrseite fallen lassen, um von dort den Spielaufbau einzuleiten. Dann war er auf seine angestammte Position im Mittelfeld zurückgekehrt, um die großen Lücken hinter den Spitzen zu schließen. Kurz: Gentner war überall. Und doch blieb ihm am Ende nur die Erkenntnis: Der ganze Aufwand hatte sich nicht gelohnt. Der DFB-Pokal findet ab sofort ohne den Finalisten der vergangenen Saison statt. „Das ist sauärgerlich“, meinte Daniel Schwaab. Trainer Thomas Schneider stellte sich vor seine Mannschaft: „Kein Vorwurf. Die Jungs haben alles probiert, um das Ruder rumzureißen.“ Auf der Gegenseite freute sich Trainer Christian Streich („Unser Kollektiv ist da“), warnte aber: „Das war kein Befreiungsschlag. Am Wochenende spielen wir in Dortmund. Da kommt was auf uns zu.“

Matthias Ginter (52.) und Mike Hanke (70.) hatten dem VfB Stuttgart mit ihren Toren den Garaus gemacht, der Gegentreffer durch Vedad Ibisevic (87.) hatte nur kosmetischen Wert. Und so schlich Gentner nach der ersten Niederlage unter Trainer Schneider bedröppelt mit seinen Kollegen vom Platz, die Stimmung bei den Roten glich sich deren schwarzen Trikots an: Tristesse pur. Der Traum des VfB von der erneuten Reise zum Endspiel nach Berlin ist nicht nur jäh geplatzt, sondern auch früh – schon in Runde zwei. „Trotz zahlreicher Chancen haben wir es nicht geschafft, das erste Tor zu erzielen“, sagte Torhüter Thorsten Kirschbaum, der den verletzten Sven Ulreich gut vertrat. Schwaab brachte das Dilemma auf den Punkt: „Wir haben zu viele Freiburger Chancen zugelassen. Und vorn haben wir Chancen vergeben, die an anderen Tagen vielleicht reingehen.“

Zu stumpf die Mittel beim Torabschluss

Nach dem Aus in den Play-off-Spielen zur Europa League musste der VfB schon die zweite große Enttäuschung dieser noch jungen Saison hinnehmen, doch ernsthaft kann sich darüber niemand beklagen. Zu zögerlich und zu zerfahren war sein Auftreten, zu ungenau sein Passspiel, zu schwach waren die technischen Qualitäten seiner Spieler – und zu stumpf die Mittel beim Torabschluss.

Da nutzte es auch nichts, dass Thomas Schneider auf ein neues System (4-4-2) und auf neues Personal gesetzt hatte. Der Trainer brachte Mohammed Abdellaoue (für Alexandru Maxim) als zweite Spitze neben Vedad Ibisevic sowie Linksverteidiger Kon-stantin Rausch (für Arthur Boka) und im linken Mittelfeld Ibrahima Traoré (für Timo Werner). Die Wechsel zahlten sich nicht aus. In einer intensiven Partie gelang es dem VfB nur selten, eine klare Linie in sein Angriffsspiel zu bringen. Erst gegen Ende kam er zu einigen guten Chancen – zu spät.

Anders die Freiburger, die trotz ihres schwachen Saisonstarts mit ansehnlichen Kombinationen, hohem Tempo und großer Leidenschaft zu überzeugen wussten. Nach einem Abseitstreffer durch Mike Hanke (5.) scheiterte Admir Mehmedi an Daniel Schwaab (6.) und an Kirschbaum (18.). Freiburg durfte sich austoben, nach einer Viertelstunde war der VfB aber besser im Spiel. Doch nach vorn ging nicht viel. Christian Gentner schoss knapp (12.), Martin Harnik weit am Tor vorbei (30.).

Auch nach dem Wechsel präsentierte sich Freiburg nicht wie der Tabellenvorletzte der Bundesliga. Hanke scheiterte beim Kopfball an Kirschbaum, die folgende Ecke köpfte Ginter zur Freiburger Führung ein. Ibisevic (55.) sowie Gentner und Abdellaoue (59.) hätten um ein Haar den Ausgleich erzielt, doch wieder fiel der Treffer auf der Gegenseite: Hanke vollendete zum 2:0. Einen Schuss von Cacau wehrte SC-Schlussmann Oliver Baumann mit einem tollen Reflex ab (86.), dann verkürzte Ibisevic per Kopfball, doch mehr gelang nicht. „Wir müssen jetzt nach vorn schauen“, sagte Kirschbaum. Am Sonntag (17.30 Uhr/Sky) tritt der VfB beim Aufsteiger Eintracht Braunschweig an. Und Thomas Schneider hofft, dass er dann nicht die nächste Überraschung verdauen muss.

Klicken Sie sich in unserer Bildergalerie durch die Noten für die Roten.

1 - überragend

2 - stark

3 - Durchschnitt

4 - nicht in Form

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