Mit 20 000 Sandsäcken kann das Umspannwerk Dellmensingen trocken gehalten werden. Foto: Alb-Donau-Kreis/Drohnenstaffel

In einer dramatischen Rettungsaktion kann an der Donau die regionale und überregionale Stromversorgung gesichert werden. Einst umstrittene Hochwasserschutzmaßnahmen zahlen sich aus.

Es gibt sie, die Geschichten dieses Hochwasser-Wochenendes, die mit einem guten Ende glänzen. Aus Erbach zum Beispiel, einer Stadt im Alb-Donau-Kreis, gelegen an der schönen Donau, dem Fluss, der nach Jahren wieder einmal sein angstmachendes, gefräßiges Gesicht gezeigt hatte. Am frühen Samstagmorgen wurde bei der örtlichen Feuerwehr Alarm ausgelöst. Im Umspannwerk Dellmensingen, einer Anlage unter Regie der Transnet BW, lief Wasser in die Kellerräume, nicht direkt aus der Donau, sondern aus rapide angeschwollenen Nebenbächen, die ihre gewohnte Putzigkeit schlagartig abgelegt hatten.

Dieses Umspannwerk mit zwei Transformatoren ist nicht irgendeines. Es sichert direkt die Stromversorgung von geschätzt rund 40 000 Menschen, aber darüber hinaus ist es Teil einer Fernstromversorgung, die bis hinein nach Österreich führt. Hätte die Anlage vom Netz genommen werden müssen, die Folgen wären unabwägbar gewesen, sagte am Montag ein Sprecher von Transnet BW.

Haarscharf an einem Unglück vorbei geschrammt

Dass es nicht so kam, ist dem sofortigen Einsatz von rund 200 Einsatzkräften von Feuerwehr und Technischen Hilfswerk (THW) zu verdanken. Rund 20 000 Sandsäcke wurden innerhalb von wenigen Stunden befüllt, um das Transformatorengebäude und angrenzende Straßen zu sichern. „Haarscharf“ sei man dem Unglück entgangen, sagte Ralf Ziegler, Kreisbrandmeister des Alb-Donau-Kreises, während die Wasserpumpen noch liefen und der Himmel ein helleres Grau zeigte.

Die Erleichterung war am Montag auch dem Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) und dem Innenminister Thomas Strobl (CDU) in die Gesichter geschrieben. Eine „besonders kritische Situation mit kritischer Infrastruktur“ sei gemeistert worden, betonte Strobl. „Das wäre eine echte Katastrophe gewesen“. Kretschmann lobte die „unglaubliche Professionalität“ aller Helfer und der beteiligten Lokalbehörden.

Starkregenprogramm zahlt sich aus

Fast auf den Tag genau vor acht Jahren hatte ein reißendes Gemisch aus Wasser und Geröll die Ortsmitte der Gemeinde Braunsbach im Kreis Schwäbisch Hall zum Teil zerstört. Danach, erinnerte Kretschmann jetzt, habe das Land ein „Starkregenprogramm“ aufgelegt.

Von den Landesgeldern profitierte auch die Stadt Erbach. Für einen mittleren einstelligen Millionenbetrag wurde ein Starkregen-Risikomanagement aufgebaut, wurden Engstellen an lokalen Bächen identifiziert, Rückhalteflächen ausgewiesen, Dämme gebaut. Erst vor drei Jahren war das alles abgeschlossen – früh genug für dieses Wochenende.

Ulm bleibt diesmal trocken

Davon profitierten flussabwärts auch die Städte Ulm und Neu-Ulm. Zudem halfen Maßnahmen in bayerischen Kommunen, die ihrerseits und ebenfalls für hohe Millionenbeträge entlang des Flusses Iller in den vergangenen Jahren so genannte Retentionsflächen geschaffen haben, oft gegen den Widerstand von Landwirten und anderer Flächenbesitzer.

Die von Oberstdorf heranfließende Iller mündet kurz vor Ulm in die Donau. Sie war mitverantwortlich für das Jahrhunderthochwasser an Pfingsten 1999, als Bewohner der Altstädte die Eingänge ihrer abgesoffenen Häuser nur noch mit dem Boot erreichen konnten. Diesmal blieb Ulm trocken. Noch eine gute Geschichte dieser Tage.