Bei der Weltklimakonferenz (COP26) in Glasgow sucht die Staatengemeinschaft nach Lösungen, um die Erderwärmung möglichst noch auf 1,5 Grad zu begrenzen. Foto: dpa/Jane Barlow

Bei der Weltklimakonferenz in Glasgow ringen die Staaten um besseren Klimaschutz. Doch was geschieht schon jetzt in Ländern wie Indien, den USA, Norwegen oder Saudi Arabien? Wer liegt bei erneuerbaren Energien oder E-Mobilität vorne – und wer bei der Kohlekraft? Ein Überblick.

Stuttgart - Wirft man einen Blick auf die globalen Kohlenstoffdioxid-Emissionen, lassen sich auf Anhieb drei Klimasünder ausmachen: China ist mit einem Anteil von rund 31 Prozent der weltweit größte CO2-Emittent, die USA folgen mit 14 Prozent, Indien liegt mit gut sieben Prozent auf Platz drei. Das zeigen Daten des Global Carbon Projects, veröffentlicht im November dieses Jahres – pünktlich zur Weltklimakonferenz in Glasgow. Deutschlands Anteil an den globalen CO2-Emissionen lag dagegen bei nur knapp zwei Prozent.

 

Doch ganz so einfach ist es nicht: Pro Kopf gerechnet zeigt sich ein ganz anderes Bild, wie die folgende Grafik zeigt. Und auch der Blick auf Investitionen in erneuerbare Energien birgt Überraschungen. Wir zeigen, wo in der Welt die Pro-Kopf-Treibhausgasemissionen besonders hoch sind – und was die USA, Indien, Norwegen und Saudi-Arabien in Sachen Klimaschutz tun.

Die USA investieren in Infrastruktur und Klimaschutz

Mit Joe Biden als neuem US-Präsidenten sind die USA wieder in das Pariser Klimaabkommen eingetreten, das sie unter Donald Trump verlassen hatten. Bis 2030 sollen die Treibhausgasemissionen um 50 Prozent sinken im Vergleich zu 2005, bis 2050 wollen die Vereinigten Staaten dann Klimaneutralität erreichen. Vor wenigen Tagen hat der US-Kongress nun ein gigantisches Infrastruktur-Investitionsprogramm beschlossen. Damit sollen etwa der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, der Schienennetze und Ladeinfrastruktur sowie die Modernisierung der Stromnetze vorangetrieben werden.

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Ein weiteres Investitionspaket, das Gelder für dezidierte Klimaschutzmaßnahmen vorsieht, ist allerdings noch nicht beschlossen. Bewegt haben sich die USA zuletzt auch bei den finanziellen Zusagen für Klimaschutz in ärmeren Ländern sowie mit der Verpflichtung, die eigenen Methanemissionen bis 2030 um 30 Prozent zu senken.

Norwegen: weit vorne, wären da nicht die Öl- und Gasexporte

Bei den höchsten Leistungen für den Klimaschutz liegen Schweden, Großbritannien, Dänemark und Marokko laut „Climate Change Performance Index 2021“ noch vor Norwegen. In einigen Bereichen allerdings hat Norwegen die Nase weit vorne: Bis zum Jahr 2030 sollen die Emissionen mehr als halbiert werden. Laut der deutschen Außenhandelskammer haben erneuerbare Energien einen Anteil von 98 Prozent am dortigen Strommix (Stand: 2019). Mehr als 50 Prozent der zugelassenen Neuwagen sind elektrisch.

Wie andere nordische Staaten auch setzt Norwegen seit Jahren auf einen weiter steigenden CO2-Preis. Bis zum Jahr 2030 soll dieser sich verdreifachen. Die Förderung von Gas und Öl wird allerdings erst einmal weitergehen – sie spielt eine große Rolle für die Exportwirtschaft Norwegens. CO2-Emissionen, die im Land entstehen, sollen künftig etwa in leeren Erdgasfeldern gespeichert werden.

In Indien steigen die Emissionen weiter, aber ein Umsteuern hat begonnen

Indien zählt zu den größten Verursachern von Treibhausgasen weltweit, die Emissionen steigen. Pro Kopf allerdings liegt der CO2-Wert in Indien bei weniger als zwei Tonnen pro Jahr. Das Land hat stets argumentiert, dass die Industrieländer für einen Großteil der Treibhausgasemissionen verantwortlich seien – und Indien auch eine Chance zur Industrialisierung brauche.

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Nun hat Präsident Nadrenda Modi in Glasgow aber angekündigt: Im Jahr 2070 will Indien spätestens klimaneutral sein. Bis 2030 soll zudem die Hälfte des Stroms aus erneuerbaren Energien gewonnen werden – das werten Fachleute als wichtigen Schritt. Bis heute hat Indien bemessen in Leistung etwa so viele erneuerbare Energien installiert wie Deutschland: 134 Gigawatt waren es im Jahr 2020.

Saudi Arabien setzt auf Bäume und andere CO2-Senken

Bei den Pro-Kopf-Emissionen zählt Saudi Arabien zu den Ländern mit den höchsten Werten: Laut der Internationalen Energieagentur verursachten die Saudis 2019 im Schnitt etwa 14, 5 Tonnen CO2 pro Kopf. Bis 2060 aber will der Ölexporteur „netto Null“ erreichen: CO2, das noch verursacht wird, soll der Atmosphäre dann über natürliche oder künstliche Senken entzogen werden.

Eine Maßnahme im Zuge der „Saudi Green Initiative“ ist deshalb das Pflanzen von Bäumen: Mehr als 10 Milliarden sollen in den Jahrzehnten im ganzen Land gepflanzt werden, 40 Milliarden in der Region. Bis 2030 soll zudem rund die Hälfte des verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Quellenkommen, etwa riesigen Solarfeldern in der Wüste. Fachleute werten die Ziele und Maßnahmen allerdings als absolut unzureichend.