Magen-Darm-Erkrankungen zählen Experten zufolge zu den ansteckendsten Krankheiten der Welt. Hauptverursacher sind die Calciviren, zu denen auch das Norovirus (siehe Bild) zählt. Foto: Robert-Koch-Institu

Wie man sich vor einer Ansteckung durch Noroviren schützen kann und was man tun sollte, wenn es einen doch erwischt hat.

Stuttgart - Die Übeltäter sind überall. Sie mögen es kühl und gern auch ein bisschen verschmutzt: Handgriffe, Türknaufe, Fruchtsäfte oder Salate. Und wo sich diese Vertreter der Noroviren auch nur in kleinen Grüppchen von nicht einmal zwei Dutzend tummeln, ergeht es einem schlecht: Durchfall und Erbrechen von jetzt auf gleich.

Magen-Darm-Erkrankungen zählen Experten zufolge zu den ansteckendsten Krankheiten der Welt. Hauptverursacher sind die Calciviren, zu denen auch das Norovirus zählt, das derzeit sich in Baden-Württemberg besonders stark ausbreitet. Insbesondere Säuglinge und Kinder unter fünf Jahren haben sich infiziert, weshalb das Regierungspräsidium Stuttgart einen Anstieg der Erkrankungszahlen zwischen Mitte Oktober und Ende November von 169 auf 524 zu verzeichnen hatte. Das ist aber im Vergleich zu anderen Bundesländern noch recht wenig: So vermeldeten die Landesgesundheitsämter vergangene Woche rund 3300 Infizierte in Sachsen-Anhalt, fast 4000 in Thüringen, mehr als 1800 Fälle in Sachsen. Weshalb Experten dort schon von einer neuen Noroviren-Epidemie sprechen.

Nicht jeder, der sich übergeben muss oder Durchfall hat, geht zum Arzt

Die Zahl der Erkrankten wird wohl höher liegen: Trotz Meldepflicht gibt es eine große Zahl von Norovirus-Erkrankten, die nicht in die Statistik einfließen. Nicht jeder, der sich übergeben muss oder Durchfall hat, geht zum Arzt – was bei Menschen mit ansonsten normaler Gesundheit auch nicht nötig ist.

Dennoch sollten die Erkrankten möglichst Kontakt zu anderen vermeiden. Denn das Virus ist extrem ansteckend. Nach Aussagen von Wissenschaftlern aus den USA, die Studien der vergangenen 24 Jahren in Sachen Noroviren ausgewertet haben, reichen schon 18 Viren aus, um eine Erkrankung auszulösen. Zum Vergleich: In einem Gramm Stuhl eines Infizierten stecken eine Milliarde Noroviren.

Der Körper bildet von sich aus eine effektive Immunantwort gegen das Virus

Medikamente gibt es gegen die Erreger nicht. Wichtig ist laut Angaben des Robert-Koch-Instituts, dass die Erkrankten möglichst viel Flüssigkeit zu sich nehmen. Zusätzlich seien Elektrolyte empfehlenswert, eine Mischung aus Salzen wie Kochsalz, Natriumcitrat sowie Kaliumchlorid und zusätzlich Traubenzucker (Glucose), die es in der Apotheke gibt. So könne ein Austrocknen des Körpers vermieden werden.

Für die Familienmitglieder oder pflegenden Angehörigen gilt: Handschuhe tragen und häufiges Händewaschen nach jedem Kontakt mit einer infizierten Person. Viel mehr kann und muss man auch nicht machen: Der Körper bildet von sich aus eine effektive Immunantwort gegen das Virus – aber er braucht seine zwei bis drei Tage.

Diese Ratschläge sollte man unbedingt beachten!

Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts

Arzt: Bei schweren Verläufen mit starkem Flüssigkeitsverlust durch Erbrechen und Durchfall sollten vor allem Kleinkinder, ältere Patienten und Menschen mit Grunderkrankungen einen Arzt besuchen.

Putzen: Hat sich ein Familienmitglied mit Noroviren angesteckt, sollte man drauf achten, dass Bad, die Toilette und andere Dinge, die im direkten Kontakt mit dem Erkrankten sind, regelmäßig gereinigt werden – am besten mit Gummihandschuhen und Einwegtüchern.

Waschen: Kleidung und Bettwäsche sowie Handtücher werden wieder virenfrei, wenn sie mit einem Vollwaschmittel bei Temperaturen von mindestens 60 Grad gewaschen werden. Desinfektionsmittel sind in der Regel nicht nötig.

Händehygiene: Da man sich am häufigsten durch direkten Kontakt zu Erkrankten oder indirekt über verschmutzte Flächen wie Waschbecken, Fußböden oder Türgriffe ansteckt, sollte man stets Händewaschen.

Nachsorge: Das Virus wird auch nach Abklingen der akuten Krankheitssymptome noch ein bis zwei Wochen im Stuhl ausgeschieden. Daher sollte man in dieser Zeit weiterhin streng auf Hygiene achten.

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