Im Bietigheimer Krankenhaus ist eine Station wegen des Norovirus’ isoliert. Foto: Simon Granville / factum

Die Isolation von Station 1B im Bietigheimer Krankenhaus wird voraussichtlich bis Ende der Woche aufrecht erhalten. Bisher gab es im Großraum Stuttgart 600 Norovirus-Infektionen in diesem Winter.

Bietigheim-Bissingen - Es herrschen strenge Sicherheitsvorkehrungen: Wenn eine Ärztin oder ein Krankenpfleger die Station 1B betreten will, müssen sie sich von Kopf bis Fuß in Schutzkleidung hüllen, inklusive Haube, Nasen- und Mundschutz. Denn in der Abteilung der Inneren Medizin des Bietigheimer Krankenhauses ist das Norovirus ausgebrochen. „Vorsorglich wurden die Patienten zur Sicherheit isoliert“, erklärt Alexander Tsongas, der Sprecher der Regionalen Kliniken-Holding (RKH).

Wann genau das hoch ansteckende Virus eingeschleppt wurde, das zu Übelkeit, Erbrechen und starkem Durchfall führt, lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Am Wochenende jedenfalls ist die Krankheit ausgebrochen, inzwischen sind 15 Personen betroffen. Zum Vergleich: Seit Jahresbeginn gab es im gesamten Landkreis 60 Fälle, im gesamten Vorjahr waren es 93 Fälle. Eigentlich könnten bis zu 33 Personen auf Station 1B untergebracht werden, derzeit verbleiben dort noch 19.

Kein Patient darf die Station verlassen

Im Krankenhaus herrscht Aufnahmestopp – und wer schon dort ist, darf weder Besuch empfangen noch den abgesperrten Bereich für einen Spaziergang durch die Klinik verlassen. Auch zwei Mitarbeiter der Klinik gehören zu den Leidtragenden, sie haben sich bei den Patienten angesteckt.

Die vier bisher verschonten Patienten in Station 1B müssen ebenfalls in Quarantäne bleiben. „Die Inkubationszeit beträgt zwei Tage“, erklärt der Kliniksprecher Alexander Tsongas, „in der Zeit sieht man keine Symptome, der Betroffene ist dennoch ansteckend.“ Schon der Griff an eine mit den aggressiven Viren verseuchte Türklinke würde reichen, um den Erreger aufzunehmen. Das betont Sabine Gfrörer, die beim Klinikverbund RKH für Infektionsprävention zuständig ist: „Es reichen schon zehn Vireneinheiten, bei anderen Infektionskrankheiten sind bis zu 1000 nötig.“ Zudem seien die Viren sehr widerstandsfähig.

Keine Lebensgefahr für die 17 Betroffenen

Lebensgefährlich ist die Durchfallerkrankung zwar nicht, doch wegen des hohen Flüssigkeitsverlusts gelten ältere Menschen, Kinder und durch Krankheiten geschwächte Patienten gleichwohl als gefährdet. In Bietigheim besteht aber keine akute Gefahr für die 17 Betroffenen.

Das Norovirus war vor allem im Winter 2016/17 verbreitet. So meldete das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin, das in einer einzelnen Woche 5300 Erkrankungen gemeldet wurden. „Wir kennen das Phänomen, dass die Werte alle paar Jahre erhöht sind“, erklärt Susanne Glasmacher, die Sprecherin des RKI. Da es sich um eine meldepflichtige Krankheit handelt, hat das Institut eine bundesweite Übersicht über die Lage. In der Saison 2009/2010 seien sogar fast 150 000 Erkrankungen gemeldet worden, derzeit sind es knapp 30 000.

Seit dem vergangenen Jahr infizieren sich laut RKI immer mehr Menschen, weil eine neue Virusvariante umgeht. „Das bedeutet jedoch nicht, dass das Virus gefährlicher ist oder die Krankheit schwerer verläuft als sonst“, sagt Glasmacher. Es könne sich nur besser vor dem Immunsystem verbergen, sodass mehr Leute erkranken, lautet die Erklärung der Experten.

Bislang 1700 Fälle in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg wurden bisher 1700 Fälle gezählt, im Bereich des Regierungspräsidiums Stuttgart 600. Im Kreis Konstanz fiel im Dezember eine Welle von Erkrankungen in sechs Einrichtungen auf, darunter Kindergärten und Altenpflegeheime. Das ist nicht untypisch, wie der RKH-Sprecher Tsongas bestätigt: „In öffentlichen Einrichtungen mit vielen Menschen verbreitet sich der Erreger schneller.“ Im Kreis Esslingen gab es 2014 einen ähnlichen Fall wie in Bietigheim: Damals wurde in der Paracelsus-Klinik in Ruit ebenfalls eine Station abgesperrt, um zwölf Patienten mit Norovirus zu isolieren.

Die Isolation ganzer Stationen ist dennoch ungewöhnlich. So erklärt die RKH-Infektionsexpertin Sabine Gfrörer: „Das kommt nicht sehr häufig vor.“ Einzelne Patienten müssten immer wieder isoliert werden, in diesem Jahr etwa wegen der Influenza-Grippe, doch würden selten ganze Stationen geschlossen. Wie lange die Quarantäne aufrecht erhalten wird, lässt sich noch nicht sagen. „Es wird von Tag zu Tag entschieden“, erklärt Gfrörer dazu. Selbst wer sich wieder erholt habe, könne das Virus noch in sich tragen. Wenn alle Patienten gesund sind, wird die Station noch einmal gründlich gereinigt. Vermutlich gegen Ende der Woche wird sie freigegeben.

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