Nordkorea hat erneut eine Rakete über Japan hinweggeschossen. (Archivbild) Foto: AP

Wieder einmal provoziert Pjöngjang mit einem Raketentest. Zum zweiten Mal schießt das kommunistische Land nun ein Geschoss über Japan hinweg und löst damit erboste Reaktionen aus.

Seoul - Nordkorea hat erneut eine Mittelstreckenrakete über Japan in den Pazifischen Ozean gefeuert. Das beobachteten die US-Streitkräfte sowie das südkoreanische Militär am Freitag. Im Norden Japans ertönten Sirenen, Warnungen wurden veröffentlicht, nachdem bereits Ende August ein Geschoss Nordkoreas über das Land hinweg geflogen war. Nach Angaben des südkoreanischen Stabschefs war die Rakete in Pjöngjang gestartet worden und legte eine Strecke von rund 3700 Kilometern zurück. Sie erreichte eine maximale Höhe von 770 Kilometern.

Nach einer Sitzung des nationalen Sicherheitsrats ordnete der Präsident Südkoreas, Moon Jae In, „ernste“ militärische und diplomatische Maßnahmen an, um Nordkorea von weiteren Provokationen abzuhalten. Ein Präsidentensprecher erklärte, Moon habe das Militär zudem aufgerufen, sich besser auf mögliche Angriffe Pjöngjangs mit biologischen und chemischen Waffen vorzubereiten.

Der Raketentest wurde international verurteilt. Der UN-Sicherheitsrat kündigte für Freitagnachmittag eine Dringlichkeitssitzung hinter verschlossenen Türen an. Japans Ministerpräsident Shinzo Abe und US-Verteidigungsminister James Mattis bezeichneten den Start jeweils als rücksichtslos. Auf die Frage nach einer möglichen militärischen Reaktion der Amerikaner, sagte Mattis, darüber wolle er noch nicht sprechen. Präsident Donald Trump sei über das Geschehen informiert worden.

US-Außenminister Rex Tillerson verurteilte die anhaltenden Provokationen aus Nordkorea. Sie trügen nur weiter zur diplomatischen und wirtschaftlichen Isolation des Landes bei.

Unterdessen erklärte unter anderem das US-Pazifikkommando, der Raketenstart habe weder eine Bedrohung für Nordamerika noch das US-Außengebiet Guam dargestellt. Ähnlich hatten sich zuvor die Heimatschutz- und Verteidigungsbehörden in Guam geäußert.

In Japan fiel die Kritik besonders deutlich aus

In Japan fiel die Kritik besonders deutlich aus: Neben Abe erklärte auch Chefkabinettssekretär Yoshihide Suga, das Land werde die wiederholten und exzessiven Provokationen aus Nordkorea nicht tolerieren. Er wolle im Namen des japanischen Volkes eine „starke Wut“ übermitteln.

Laut Suga flog die Rakete am Freitag über Japans nördliche Hauptinsel Hokkaido hinweg. Sie sei rund 2000 Kilometer abseits der östlichen Küste im Meer gelandet. Ende August hatte Pjöngjang schon einmal einen Test einer ballistischen Mittelstreckenrakete vom Typ Hwasong-12 mit Flug über Japan vorgenommen. Am 3. September folgte nach nordkoreanischen Angaben schließlich der Test einer Wasserstoffbombe.

Machthaber Kim Jong Un hatte den Raketentest damals als einen „bedeutenden Auftakt“ bezeichnet, um Guam in Schach zu halten. Zugleich hatte er gefordert, sein Land müsse mehr Raketen in Richtung des Pazifiks schießen, um die Fähigkeiten der Streitkräfte auszubauen. Es ist davon auszugehen, dass mit den Flügen über Japan vor allem getestet werden soll, ob die Sprengköpfe der Raketen den Wiedereintritt in die Atmosphäre überstehen und technisch korrekt detonieren können.

Am Montag hatte der UN-Sicherheitsrat neue Sanktionen gegen Nordkorea beschlossen, die aber nicht so hart ausfielen wie von den USA gewünscht. Verboten sind ab sofort alle Textilexporte sowie etwa der Import von flüssigem Erdgas. Außerdem darf kein Land der Welt neue Arbeitsvisa für Nordkoreaner ausstellen.

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