Ist schon richtig gut in Schuss: der Nordische Kombinierer Johannes Rydzek Foto: dpa

Die Nordischen Kombinierer starten an diesem Samstag in die neue Weltcup-Saison. Nimmt man die Ergebnisse aus den Sommer-Wettbewerben, gäbe es nur einen Topfavoriten: Johannes Rydzek. Doch der 22-Jährige sagt: „Es gibt keine Garantie.“

Stuttgart/Ruka - Vielleicht ist nach dieser Serie ein bisschen Zurückhaltung ja ganz angebracht. Um nicht noch weiter in die Favoritenrolle gedrängt zu werden. Also sagt Johannes Rydzek vor der an diesem Samstag im finnischen Ruka beginnenden Weltcup-Saison der Nordischen Kombinierer: „Ich bin nicht mehr ganz in der Sprungform vom Sommer.“ Und: „Das war nur eine Momentaufnahme.“ Allerdings eine schöne.

Vier Wettkämpfe haben die Kombinierer auf den Mattenschanzen und auf Skirollern bestritten, alle vier hat Rydzek gewonnen – und damit das fortgesetzt, was er zum Ende der vergangenen Weltcup-Saison begonnen hatte. Drei Siege feierte er da im Anschluss an die Olympischen Spiele. Und Horst Hüttel, der Sportliche Leiter im Deutschen Skiverband (DSV), macht auch im aktuellen teaminternen Vergleich Vorteile aus: „Er hat die Nase ein wenig vorn.“ Der Junioren-Weltmeister von 2010 tritt dennoch auf die Bremse: „Es gibt keine Garantie.“

Rydzeks Zurückhaltung ist ehrenwert, ein Stück weit aber auch den Erfahrungen seiner Karriere geschuldet. Zum einen ist das Skispringen eine Disziplin, in der das Gefühl für den perfekten Flug schon mal vom einen auf den anderen Winter abhandenkommen kann. Zum anderen ist man auch in der Loipe nicht gefeit vor bösen Überraschungen – siehe die Spiele von Sotschi.

Bis zur vorletzten Kurve des Einzelrennens war die Chance auf einen deutschen Dreifachtriumph gegeben, Rydzek war ein heißer Siegkandidat. Doch dann kam es in der glatten Loipe zur Kollision mit Teamkollege Fabian Rießle, Rydzek stürzte, am Ende schnappten sich die Norweger Gold und Silber vor Rießle – und Rydzek (8.) hätte allen Grund gehabt, Russland frustriert zu verlassen. Doch er sagt: „Ich bin zufrieden aus Sotschi abgereist.“ Was einerseits an der ­Silbermedaille liegt, die er mit dem Team noch gewonnen hat. Zum anderen an seiner Einstellung. „Ich habe das damals schnell abgehakt, schließlich konnte ich es ja ohnehin nicht mehr ändern.“ Lieber konzentrierte er sich auf die kommenden Aufgaben.

Dass von diesem Vorfall auch atmosphärisch nichts hängen blieb im deutschen Team, dafür sorgten Trainer und Mannschaftsleitung ebenso wie die beteiligten Athleten. Der Crash wurde sauber analysiert, „danach war klar: Keiner hat sich falsch verhalten“, versichert Hüttel. Und alle kämpfen in diesem Winter wieder gleichberechtigt um Weltcup-Punkte. „Wir sind das ganze Jahr miteinander unterwegs“, so Rydzek, „deshalb wollen wir natürlich auch als Team gut funktionieren, sonst hätten wir ja keinen Spaß.“ Doch der ist garantiert.

Natürlich auch, weil das deutsche Team zu den Stärksten gehört im internationalen Vergleich. Diese Stellung soll behauptet werden, bei der WM im schwedischen Falun geht es dann wieder um Medaillen. „Das ist sicher ein Ziel“, sagt Rydzek – der eigentlich aber noch gar nicht so weit voraus blicken möchte: „In unserer Mannschaft muss man sich schließlich erst mal für das WM-Aufgebot qualifizieren.“ Eric Frenzel, Tino Edelmann, Fabian Rießle und Björn Kircheisen heißen die starken Konkurrenten, zudem „wollen wir junge Athleten an das Team heranführen“, sagt Hüttel.

Rydzek also tut gut daran, sich nicht zu sicher zu fühlen. Stattdessen treibt er die eigene Entwicklung voran, die auch Hüttel noch nicht als abgeschlossen sieht: „Er steckt da noch mittendrin.“ Aus Zurückhaltung kann also noch Selbstbewusstsein werden – womöglich ziemlich schnell.

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