Gabi Langeneckerts Markenzeichen ist der kleine gelbe Transporter. Foto: Nina Ayerle

Mit leeren Händen hat kaum jemand das Kunstkaufhaus in den Wagenhallen verlassen

Nordbahnhof - Knapp zwei Stunden nach der Eröffnung haben sich im Hof, wo es etwas zu essen gibt, lange Schlangen gebildet, an den Verkaufsständen drängen sich die Besucher. Im vergangenen Jahr zählten die Organisatoren um Martin Oswald rund 1000 Gäste. „Ich schätze, dieses Jahr werden es genauso viele sein“, sagt er. Rund 60 Aussteller hat Oswald für das diesjährige Kunstkaufhaus in den Wagenhallen ausgewählt. Per E-Mail bewerben sich Künstler für den Markt. „Alle Dinge müssen selbst hergestellt sein“, erklärt Oswald die Teilnahmebedingungen.

Gestricktes, Gemaltes, Gebasteltes – alles haben die Künstler mit ihrer ganz persönlichen Note versehen und liebevoll an ihren Ständen hergerichtet. Gabi Langen­eckert hat nicht nur ihre handgestrickten Mützen und Accessoires dabei, sondern ist gleich mit ihrem fahrbaren Stand gekommen. Der goldene, italienische Kleintransporter ist ihr Markenzeichen. Mit dem dreirädrigen Rollermobil, in Italien Ape genannt, fährt sie von Kunstmarkt zu Kunstmarkt. Auf der Ablage hinten hat die Hebamme aus Stuttgart Mützen, Kissen und Duftsäckchen drapiert. „Als Hebamme verdient man so wenig, da muss ich abends noch stricken und häkeln“, sagt die 35-Jährige und lacht. Doch eigentlich sei die Handarbeit einfach ihr liebstes Hobby.

Zum zweiten Mal fand das Kunstkaufhaus in den Wagenhallen am Nordbahnhof statt. Von 11 bis 20 Uhr verkaufen die Künstler ihre Produkte, dazu gibt es Kulinarisches von Wagenhallen-Koch Martin Evenz. Auch ihm kommt keine Fertigware aus der Fabrik in den Topf. „Convenience-Essen gibt es bei uns nicht“, betonte Wagenhallen-Chef Stefan Mellmann.

„In Stuttgart gibt es nicht sehr viele Märkte dieser Art“

Er hatte vor einem Jahr die Idee zu dem Kunstkaufhaus. „Wir haben in den Wagenhallen selbst sehr viel Potenzial an Künstlern“, meint er. Bewerben kann sich übrigens jeder. „In Stuttgart gibt es nicht sehr viele Märkte dieser Art“, sagt Diana Beutler aus Sindelfingen. Deshalb versucht die 30-Jährige bei allen entsprechenden Veranstaltungen in der Region ihr Glück. Beim Kunstkaufhaus war sie erfolgreich und durfte ihre Leder-Haargummis und -Armbänder zeigen.

Die meisten Aussteller betreiben ihre Kunst als Hobby neben ihrem Beruf. „Ich nähe wahnsinnig gern und wollte andere daran teilhaben lassen“, erzählt Simone Essig aus Weissach. Sie ist eine der wenigen, die einen kleinen Laden hat. Martina Hausmann hingegen vertreibt ihre Bilder über eine Plattform im Internet und auf Märkten. Die Krankenschwester aus Burgstetten hat vor drei Jahren angefangen, Bilder zu malen. Frauen sind ihr Hauptmotiv, dazu schreibt sie nette Sprüche auf die bunten Bilder. Die Motive druckt sie inzwischen auch auf Taschen oder Gebrauchsgegenständen. „Die Taschen mit den Sprüchen kommen sehr gut an“, meint sie.

Kurz vor Weihnachten ist das Kunstkaufhaus auch für Besucher der ideale Ort, um ausgefallene Geschenke zu finden. Mit leeren Händen verließ jedenfalls fast keiner die Wagenhallen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: