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Günther Oettinger und Christian Wulff verband viel - so viel, dass die Regierungschefs von Niedersachsen und Baden-Württemberg zuletzt einmal jährlich als Schirmherren einer großen Länder-Party auftraten: Nord trifft Süd.

Hannover - Günther Oettinger und Christian Wulff verband viel - so viel, dass die Regierungschefs von Niedersachsen und Baden-Württemberg zuletzt einmal jährlich als Schirmherren einer großen Länder-Party auftraten: Nord trifft Süd. Auch dieses Jahr wurde gefeiert - doch die Zeiten ändern und die Wege trennen sich.

Der Name ist geblieben: Nord-Süd-Dialog. Aber die Vorzeichen sind andere. Als sich wichtige Menschen aus Baden-Württemberg und Niedersachsen auf Einladung des Partyveranstalters Manfred Schmidt im Dezember 2007 in Hannover erstmals zu einer gemeinsamen Länder-Party trafen, da strotzte mancher Vertreter des Südens nur so vor Kraft: Wendelin Wiedeking, damals unumschränkter Herrscher von Porsche, blickte in einer eigens für ihn eingerichteten Raucherlounge durch die dichten Schwaden seiner XXL-Zigarre siegesgewiss in die Kameras. Wiedeking hatte VW im Blick. "Automobiltechnisch stand es ungefähr zehn zu null zwischen Stuttgart und Wolfsburg", erinnert sich der Hannoveraner Journalist Stefan Winter.

Das ist Geschichte. Volkswagen hat den Machtkampf für sich entschieden, und Porsche trumpft nicht mehr auf. Michael Macht, Wiedekings Nachfolger an der Spitze des Sportwagenbauers, spielt beim diesjährigen Nord-Süd-Dialog im Flughafen Hannover kein Solo, sondern reiht sich ein. Macht lässt sich mit Martin Winterkorn ablichten, dem Wolfsburger Konzernlenker schwäbischer Herkunft, mit Oettinger und mit dem Ehepaar Wulff. Bilder der Harmonie - im Hintergrund die glänzenden Produkte: ein Porsche Panamera, ein umweltfreundlicher Polo und ein Motorrad des neuen Partners Suzuki. Sie bilden das Entree zum Terminal C, das Veranstalter Schmidt für diesen Abend in eine Partyzone umfunktioniert hat.

Feiern unter neuen Vorzeichen. Dass das Exportland Baden-Württemberg in der Wirtschaftskrise mehr schwächelt als andere, ist dem Norden natürlich nicht verborgen geblieben. "Niedersachsen macht gegenüber dem Süden Boden gut", heben die Zeitungen in Hannover aus Anlass des Ländergipfels heraus und verweisen auf die starke Stellung des Landes beim Ausbau der Windenergie. Und natürlich auf die Rolle von VW. Umso mehr ist man in Hannover bemüht, das Verbindende herauszustellen: "Der Nord-Süd-Dialog steht für gegenseitige Wertschätzung, für ein Miteinander statt eines Gegeneinanders", stellt Niedersachsens Ministerpräsident Wulff zur Begrüßung fest. Auch Oettinger ist auf Gemeinsamkeit aus: "Man kann viel voneinander lernen."

Ja, die Vorzeichen haben sich geändert. Das betrifft auch die Rolle von Wulff und Oettinger, den beiden Schirmherren des von Sponsoren finanzierten Nord-Süd-Dialogs. Auf ihr gutes und bis zum Porsche-Machtkampf ungetrübtes Verhältnis geht die Party zurück. Eventmanager Schmidt hatte ihre Freundschaft zum Anlass genommen, Prominente aus beiden Ländern für einen Abend zusammenzubringen. Namhafte aus Niedersachsen und Namhafte aus Baden-Württemberg, Menschen mit ähnlicher Einflughöhe. 2007 war Premiere im Pelikanviertel in Hannover, 2008 folgte die Fortsetzung im Stuttgarter Römerkastell. Jetzt war wieder Niedersachsen dran - mit dem ungewöhnlichen Veranstaltungsort Flughafen Hannover-Langenhagen, der den Slogan hat: "Außen Flughafen. Innen Vielfalt."

So ist es dann auch. Freitagnacht im Terminal C: geschlossene Gesellschaft, stimmungsvoll ausgeleuchtet. Mehr als 1000 Partygäste aus Politik, Wirtschaft, Sport und Medien netzwerken zwischen Last-Minute-Angeboten und leeren Flugschaltern, darunter Conti-Großaktionärin Maria Elisabeth Schaeffler, Gesundheitsminister Philipp Rösler und Oscar-Preisträgerin Faye Dunaway als Stargast. Feiern mit Rollfeldblick. Mal was anderes.

Was aber wird aus dem Nord-Süd-Dialog und überhaupt aus der Achse Hannover/Stuttgart, wenn Oettinger demnächst EU-Kommissar ist und damit "das neue Gesicht Europas?", wie Wulff süffisant formuliert. Mit Stefan Mappus kommt ein anderer Typ. Oettingers designierter Nachfolger versuche sich als Konservativer zu profilieren, während Wulff die CDU als Volkspartei der Mitte sehe, gibt die örtliche Presse zu bedenken. Für die Staatskanzlei in Hannover ist das kein Problem. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern seien so gut, dass sie auch unterschiedliche Mentalitäten von Spitzenpolitikern aushalten würden, erklärt sie. Die Party kann also weitergehen.

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