Nord-Rundschau außer Haus: Im Tierheim Tiere bekommen eine zweite Chance

Von Torsten Ströbele 

Leser unserer Zeitung haben das Stuttgarter Tierheim in Botnang besucht.

Stuttgart-Botnang - Hoffentlich werden wir nicht schwach und wollen gleich ein Tier mitnehmen“, sagte eine Leserin der Nord-Rundschau, ehe die von unserer Zeitung organisierte Führung durch das Stuttgarter Tierheim am Dienstag begann. Auf dem etwa zweistündigen Rundgang über das Gelände an der Furtwänglerstraße in Botnang waren dann in der Tat auch sehr viele Tiere zu sehen, die einige der insgesamt 15 Teilnehmer gerne gleich mit nach Hause genommen hätten. Doch so leicht macht es das Tierheim den Interessenten nicht, wie Petra Veiel vom Tierschutzverein Stuttgart klarstellte: „Wir sagen auch einmal Nein. Nicht, weil uns die Leute nicht passen, sondern weil dann die Haltungsbedingungen einfach nicht stimmen.“ Wer beispielsweise einen Hundewelpen mit nach Hause nehmen möchte, muss gewährleisten, dass „er im ersten Jahr 24 Stunden am Tag bespaßt ist. Er darf anfangs nie alleine sein“, betonte Petra Veiel. Es komme vor, dass Hundebesitzer meinen, sie könnten ihren Vierbeiner in eine kleine Box sperren, solange sie arbeiten gehen. „So wachsen Hunde in Deutschland teilweise auf“, ärgerte sich die Pressesprecherin des Tierheims. „Aber wenn die Tiere erst einmal hier bei uns sind, haben sie das Schlimmste hinter sich und bekommen die Chance, neu anzufangen.“

Zwischen 800 und 1000 Tiere leben das ganze Jahr über auf dem Gelände an der Furtwänglerstraße. „Wir haben hier alles, einschließlich Huftiere und Reptilien“, sagte Veiel. Vor allem die Reptilien-Funde würden deutlich zunehmen, da die Tiere leicht im Internet zu kaufen seien. „Und dann werden die Wasserschildkröten beispielsweise im Bären- oder Feuersee ausgesetzt, wenn man sie nicht mehr möchte. Die Tiere werden dann zu uns gebracht, wenn sie gefunden werden“, sagte Veiel.

Auch ein Tourette-Papagei kann auf ein neues Zuhause hoffen

Aber auch beschlagnahmte Tiere finden den Weg nach Botnang. „Wir hatten schon Ziegen, Hängebauchschweine und einige Schafe hier, die ihrem Besitzer aus gesundheitlichen Gründen weggenommen wurden“, sagte Veiel. Aber auch diese Vierbeiner könnten wieder vermittelt werden. „Wichtig ist uns natürlich, dass kein Tier im Kochtopf landet. Da fassen wir nach.“

Falls alle Stricke reißen sollten und ein Tier doch nicht mehr ein neues Zuhause finden sollte, darf es bis zu seinem Lebensende im Tierheim bleiben. „Das ist uns wichtig“, betonte Veiel, die den Teilnehmern an der Führung auch einige Tiere ans Herz legte. Da wären beispielsweise die beiden Hunde-Damen Wendy und Topsi. Derzeit leben sie im Seniorenhaus des Tierheims, wo sie „den ganzen Tag betüddelt werden“, sagte Veiel. Die beiden sieben Jahre alten Volpino-Mix-Damen sind an der Furtwänglerstraße, weil ihr Frauchen verstorben ist. „Sie wollen den ganzen Tag schmusen und gekrault werden. Am liebsten wäre es uns, wenn sie zusammen vermittelt werden.“ Auch für einen Papagei, dessen Käfig im Tierheim-Büro steht, hat Petra Veiel die Hoffnung auf ein neues Zuhause noch lange nicht aufgegeben: „Er hat zwar Tourette und schimpft wie ein Bauarbeiter, aber es gibt auch für ihn Interessenten.“

Der Aufwand, den die Mitarbeiter des Tierheims jeden Tag betreiben, ist riesig. „Aber ohne die Ehrenamtlichen wären wir nichts“, betonte Veiel. Es gibt allein 1500 Gassigeher. Zudem kann der Betrieb nur durch zahlreiche Spenden aufrecht erhalten werden. „Wir benötigen jährlich zwischen 1,6 und 1,8 Millionen Euro“, sagte Veiel. „Von der Stadt bekommen wir 475 000 Euro. Den Rest müssen wir selbst aufbringen. Also vergessen Sie uns bitte nicht“, sagte Veiel und schmunzelte.

Redaktion Botnang

Ansprechpartner
Torsten Ströbele
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