Mehr freundliche Begrüßung als Kampf mit harten Bandagen: Edda Bühler (links) unterliegt bei der Nominierung der Grünen-Kandidatin Silke Gericke Foto: Uwe Roth

Silke Gericke ist auf dem Weg in den Landtag. Die 45-Jährige erhält bei der Nominierungsveranstaltung der Grünen für den Wahlkreis Ludwigsburg die meisten Stimmen. Ihre kurzfristig angetretene Gegenkandidatin Edda Bühler, 59, schlägt sich dennoch achtbar. Auch SPD und CDU haben gewählt.

Ludwigsburg - Das Wahlergebnis war am Ende eindeutig: Silke Gericke ist die Kandidatin der Grünen im Wahlkreis Ludwigsburg für die Landtagswahl im kommenden Frühjahr. Die 45-Jährige bekam am Samstag 65 der 104 abgegebenen Stimmen. Die Kornwestheimerin Edda Bühler, die erst einen Tag zuvor ihre Kandidatur bekannt gegeben hatte, verbuchte für sich immerhin 37 Stimmen. Die 59-Jährige begründete in der Mehrzweckhalle Oßweil ihre kurzfristige Bewerbung damit, dass sie nach dem überraschenden Rückzug von Jürgen Walter für eine echte Wahl habe sorgen wollen. „Das gehört für mich zum demokratischen Verständnis der Grünen-Partei“, sagte sie.

Der amtierende Mandatsträger war nicht anwesend. Er schaute sich die Niederlage der VfB-Kicker gegen Freiburg im Stadion am Neckar an. Noch am Donnerstag hatte Walter schwere Vorwürfe gegen Gericke und den Kreisvorstand erhoben. Sie hätten seine Kandidatur boykottiert, behauptete der 63-Jährige, der seit 28 Jahren in der Landespolitik tätig ist, darunter viele Jahre als Kulturstaatssekretär. Der Kreisvorstand Eric Welte sagte, „die Ereignisse haben das Team tief bewegt. Die Vorwürfe wiegen schwer.“ Welte verwies darauf, dass er in den drei Vorstandswahlen mit jeweils 95 Prozent von den Kreismitgliedern Vertrauen attestiert bekommen habe. Das Vorstandsteam könne die Vorwürfe nicht nachvollziehen, wolle diese aber in einer Mitgliederversammlung im Herbst aufarbeiten. Damit war die Affäre Walter zumindest für diesen Nachmittag vom Tisch. Sie tauchte in den Redebeiträgen nicht auf.

„Der Kreisverband ist nicht entzweit“

Die Wahlsiegerin Gericke hätte keine bessere Gegenkandidatin finden können, sagte sie: „Ich hätte mich nicht wohlgefühlt, da vorne allein zu stehen“, stellte sie nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses erleichtert fest. „Der Kreisverband ist mit diesem Ergebnis nicht entzweit.“ In ihren Wortbeiträgen ergänzten sich die Frauen mehrfach oder bestätigten sich in ihrer Meinung. „Du hast es gut auf den Punkt gebracht, Silke“, lobte Bühler beispielsweise eine Antwort ihrer Vorrednerin auf die Frage aus dem Publikum, wie sehr die Transformation der Automobilbranche die Region herausfordere. Beide zeigten sich darin einig, dass Tausende Arbeitsplätze auf dem Spiel stünden. Viele Beschäftigten fänden aber nur neue Jobs, wenn sie sich fortbildeten. In ihren Augen ist dies ein heikles Thema. „Solche Angebote durchzusetzen, erfordert Fingerspitzengefühl“, sagte Gericke. Bühler bestätigte: „Es wird eine harte Zeit.“

Die Kinderbuchlektorin Gericke ist Gemeinderätin in Ludwigsburg, Pressesprecherin ihres Ortsverbands und nach eigenem Befinden bei den Grünen landesweit engagiert. Die Mutter dreier Kinder betonte, sie sei gut in der Partei vernetzt, Teamarbeit sei ihr wichtig. Bühler hingegen argumentierte mit ihrer beruflichen Erfahrung als Stadtplanerin und Architektin. Die Bauamtsleiterin der Gemeinde Tamm sitzt zudem im Kreistag und im Kornwestheimer Gemeinderat. Städtebauförderung und Landesbauordnung seien wichtige Instrumente im Kampf gegen den Klimawandel, den sie in ihrer Bewerbungsrede als erstes ihrer Wahlkampfthemen nannte. Die zunehmende Trockenheit stelle die Kommunen vor immer größere Herausforderungen.

Unterschiedliche Auffassungen gibt es bezüglich eines Abgeordnetenbüros

Silke Gericke hat letztlich ihren Vorsprung genutzt, ihre Unterstützer hinter sich zu scharen. Sie wirbt seit im Februar in den Ortsvereinen des Wahlkreises für ihre Kandidatur. Bühler hatte die Zeit nicht, ohne dies aber öffentlich zu bedauern. Unterschiedliche Auffassungen hatten sie lediglich in der Frage, ob die Grünen in Ludwigsburg ein Abgeordnetenbüro benötigten. Dem Noch-Wahlkreisvertreter Walter wird der Vorwurf gemacht, er sei vor Ort zu selten präsent und lediglich im Landtag erreichbar. Bühler hält ein Büro nicht unbedingt für notwendig. Sie sei auch so gut erreichbar, befand sie. Im Gegensatz dazu meinte Gericke: „Die Grüne brauchen die Sichtbarkeit.“ Es müsse „ein toller Ort“ in zentraler Lage sein mit einem Parteibanner davor.

Die 45-Jährige und ihre 14 Jahre ältere Parteifreundin waren sich auch darin einig, dass sie in den sozialen Medien nicht optimal aufgestellt seien und deswegen junge Menschen nur schwer erreichten. Bühler sagte, dass sie bislang dafür keine Notwendigkeit gesehen habe und die Unterstützung der Grünen Jugend benötige. Sie selbst kenne keine Lösung, über welche Kommunikationswege sie jüngere Menschen besser einbinden könne. Der Nachwuchs selbst müsse das lösen. Wohl auch deswegen hatten beide Bewerberinnen um das Landtagsmandat junge Ersatzkandidaten gewählt: Bühler nominierte die 25-jährige Sarah Das und Gericke den 24-jährigen Max Girrbach. Dieser machte mit 54 zu 20 Stimmen das Rennen. Girrbach ist der Jüngste im Ludwigsburger Gemeinderat und Student der Verwaltungshochschule.

Auch die Christdemokraten kürten einen weiteren Kandidaten für den Landtag – in einem dreistündigen Wahlgang. Erst in der Stichwahl setzte sich der Unternehmer Tobias Vogt, 35, aus Kirchheim gegen die Ministerialrätin Isabel Kling, 44, und den 48-jährigen Juristen Uttam Das durch. Vogt forderte Anreize für Investitionen und Innovationen. Als Spross „einer echten schwäbischen Handwerkerfamilie“ sei ihm der Ausbau von Straßen und Umgehungen wichtig. Dabei attackierte er die Grünen, sie seien grundsätzlich gegen das Auto.

Vogt tritt im Wahlkreis Bietigheim-Bissingen an. Der seitherige Abgeordnete Fabian Gramling will in den Bundestag einziehen und Eberhard Gienger nachfolgen. Im Wahlkreis Ludwigsburg will die 43-jährige Juristin Andrea Wechsler das Direktmandat für den Landtag holen. Konrad Epple verfolgt dieses Ziel im Wahlkreis Vaihingen.

Jung, männlich: Auch die SPD hat ihre Kandidaten nominiert

Wahlkreis Ludwigsburg
Colin Sauerzapf tritt für die SPD im Wahlkreis Ludwigsburg bei der Landtagswahl 2021 an. Der 22-jährige Juso-Kreisvorsitzende aus Remseck erhielt am Samstag in Ditzingen 35 von 35 möglichen Stimmen. Er sitzt an seiner Bachelor-Arbeit in Physik. Zweitkandidatin ist Stefanie Liepins.

Wahlkreis Bietigheim-Bissingen Einstimmig ist auch das Ergebnis von Daniel Haas. Der 31-Jährige aus Freiberg will die Nachfolge von Thomas Reusch-Frey antreten. Der stellvertretende Kreisvorsitzende ist Marketingleiter und als Seenotretter im Mittelmeer unterwegs. Zweitkandidatin ist Ute Rößner.

Wahlkreis Vaihingen/Enz
Torsten Liebig war der einzige Bewerber bei der Nominierung im Wahlkreis Vaihingen/Enz. Der 32-jährige Leutnant der Reserve gehört dem Juso-Vorstand an. Zweitkandidatin ist Anita Götz.
Kreisvorsitzender Macit Karaahmetoglu freut sich über den „Rückenwind“ für die Bewerber.

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