Japanischer Stratege: Wataru Endo vom VfB Stuttgart soll die Olympiaauswahl seines Heimatlandes anführen. Das Fußballturnier beginnt am 22. Juli und endet am 7. August. Foto: imago

Neben Wataru Endo reist auch Florian Müller zu den Olympischen Spielen nach Japan. Das erschwert die Vorbereitung des VfB Stuttgart. Doch werden noch mehr Fußballprofis des Bundesligisten nominiert?

Stuttgart - Stefan Kuntz ist zurzeit ein gefragter Mann. Jeden zweiten Tag sitzt er im Fernsehstudio und analysiert mit ARD-Moderator Alexander Bommes und der langjährigen Nationaltorhüterin Almuth Schult EM-Spiele. Taktisches und Persönliches gibt Kuntz gerne von sich. Der ehemalige Polizist hat als einstiger Stürmer und Europameister von 1996 ja auch einiges zu erzählen. Im Hauptberuf ist der 58-Jährige seit 2016 jedoch Trainer des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) – und in dieser Funktion ereilt ihn nun wieder der Ernst des Alltags. Kuntz gibt an diesem Dienstag seinen Olympiakader bekannt.

 

18 Namen werden auf der Liste stehen für das Turnier vom 22. Juli bis 7. August – mit dabei Florian Müller. Der Zugang des VfB Stuttgart reist nach Japan, wo die deutschen Gruppenspiele in Yokohama und Rifu ausgetragen werden. Der 23-jährige Torhüter fliegt dabei mit dem Anspruch nach Fernost, die Nummer eins zu sein. „Dafür sprechen meine Leistungen und die Tatsache, dass die anderen Jungs, die ich als Torhüter sehr schätze, momentan nur wenig Spielzeit haben“, sagte Müller dem Fachmagazin „Kicker“.

Florian Müller fehlt im Trainingslager

Voller Selbstvertrauen kommt der Saarländer also nicht nur nach Stuttgart, nachdem er als Leihgabe beim SC Freiburg eine gute Saison hingelegt hat. Fünf Millionen Euro an Ablöse, die der FSV Mainz 05 kassiert, lässt sich der VfB nun die Fangkünste Müllers kosten – und geht gelassen mit der Situation um, dass der Schlussmann nach nur zehn Tagen Vorbereitungszeit gleich mal weg ist.

Im Trainingslager vom 17. bis 24. Juli wird Müller in Kitzbühel nicht dabei sein. Ebenso wenig wie Wataru Endo, der für die japanische Olympia-Auswahl nominiert ist. Sollten die VfB-Profis mit ihren jeweiligen Mannschaften bis in das Finale vordringen, würden sie Trainer Pellegrino Matarazzo in der ersten Pokalrunde fehlen und erst kurz vor dem Bundesligastart zurückkehren. Keine optimale Vorbereitung, aber auch nicht weiter schlimm, finden sie beim VfB. Bei Endo ist alles eine Frage der Ehre, und die Stuttgarter gehen davon aus, dass sich der Fußball-Samurai anschließend gestärkt wieder in den Dienst der VfB-Elf stellt. In Müllers Fall gilt, dass ein Torhüter leichter in die Abläufe zu integrieren ist als ein Feldspieler.

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Die Chance, ein großes Turnier zu spielen, wollte der Sportdirektor Sven Mislintat beiden nicht verbauen – obwohl keine Abstellungspflicht besteht. Das ist auch der Grund, weshalb sie an der Mercedesstraße überzeugt sind, dass Waldemar Anton oder Mateo Klimowicz nicht kurzfristig berufen werden. Beide gehören zum erweiterten Kader, aber Kuntz hat sich zuletzt nicht mehr beim VfB gemeldet. Dennoch musste der U-21- und Olympiatrainer viele Verhandlungen führen. „Es wäre schon cool, wenn wir eine einvernehmlich Lösung finden, damit kein Verein zu viel belastet wird“, erklärte Kuntz.

Um keinen Streit zu riskieren, sollen nicht mehr als zwei Spieler aus einem Club berufen werden. Der VfB-Abwehrchef bleibt demnach zu Hause. Zumal sich für Anton eine spezielle Situation ergeben hätte. Der 24-Jährige hat ja die Möglichkeit, für die russische Nationalelf aufzulaufen und wie das EM-Aus gezeigt hat, verfügt der Nationaltrainer Stanislaw Tschertschessow nicht gerade über viele gute Innenverteidiger. Mit einem Olympia-Einsatz wäre diese Option für den in Usbekistan geborenen Allrounder passé.

Reist auch Pablo Maffeo zu Olympia?

Doch im Moment stellt sich für Anton weder die eine noch die andere Frage. Ebenso wenig für Klimowicz. Mit dem 20-jährigen Mittelfeldtalent ist vereinbart, dass er nur an einem Turnier teilnimmt. Das war bei der U-21-EM, als der Techniker mit dem deutschen Team Anfang Juni unter Kuntz Europameister wurde. Ein Teil dieser erfolgreichen Mannschaft soll es auch bei Olympia richten. Allerdings darf der DFB-Coach diesmal Spieler des Jahrgangs 1997 berücksichtigen, weshalb zum Beispiel Florian Müller dabei ist.

Der dritte Olympiakicker mit VfB-Vertrag könnte Pablo Maffeo werden. Nach dem Leihjahr bei der SD Huesca kommt der 23-jährige Spanier, um den es einigen Ärger gab, wieder an den Neckar. Aber auch er gehört zu den Kandidaten seines Heimatlands. Beim VfB hofft man auf eine Nominierung, da dies mehr Zeit geben würde, um einen neuen Club für Maffeo zu finden. Für 2,5 Millionen Euro dürfte der Flügelspieler zu haben sein.

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Die deutsche Mission Medaillengewinn beginnt am 12. Juli, wenn Kuntz das Team zusammenzieht. Einen Tag später ist der Abflug geplant. An Bord sollen auch verdiente Juniorennationalspieler aus den vergangenen Jahren sein. Wie Maximilian Arnold, der 2017 die U-21-Auswahl zum EM-Titel führte. Zudem liebäugelt Max Kruse mit einem der drei erlaubten Oldie-Plätze (über 23 Jahre). Der Angreifer von Union Berlin hat mehrfach betont, Lust auf die Spiele rund um Tokio zu haben.