Nistplätze in Kernen Gemeinde lockt Vögel mit Gezwitscher an

Von Hans-Dieter Wolz 

Der  kleine „Schwalben-Tower“ mit seinen 30  künstlichen Nistplätzen steht mitten im Biotop Seewiesen am Rande Stettens. Foto:  
Der kleine „Schwalben-Tower“ mit seinen 30 künstlichen Nistplätzen steht mitten im Biotop Seewiesen am Rande Stettens. Foto:  

Ein Häuschen mit künstlichen Nestern steht jetzt in Kernen, um Melschwalben eine Obhut zu bieten. Dass die Nistplätze eng aneinander platziert sind, stört die Koloniebrüter nicht.

Kernen - Die Gemeindeverwaltung in Kernen lindert jetzt entscheidend die Wohnungsnot – hier allerdings die „Wohnungsnot“ der Mehlschwalbe, wohlgemerkt eines einheimischen Zugvogels. Der Bestand der gerne unter einem Vordach bäuerlicher Gehöfte nistenden Federtiere soll mit den 30 neuen künstlichen Nistplätzen in den kommenden Jahren gesichert werden.

Das Türmchen im Biotop Seewiesen am Haldenbach, nahe der Seemühle, bietet in knapp fünf Metern Höhe insgesamt 30 fertige Nisthilfen in Form der typischen geschlossenen, halbkugelförmigen Nestern. Die Nistplätze verteilen sich auf zwei sechseckigen Etagen. Dass sie eng beieinander platziert sind, stört die Koloniebrüter nicht. Sie beziehen auch gerne bereits fertig vorgefundene Nester.

Ein Elterntier füttert den Nachwuchs. Foto: privat
Mit der Aufstellung des Schwalbenhauses wurde ein von der CDU-Gemeinderatsfraktion gestellter Antrag in die Tat umgesetzt. 10 000 Euro waren im Haushaltsplan 2018 der Gemeinde Kernen eingestellt. Die Gemeinde gewann mit der hessischen Firma Agrofor einen kompetenten Partner für das Projekt. „Das Schwalbenhaus leistet einen wichtigen Beitrag zum Arten- und Landschaftsschutz“, sagt Kernens Beigeordneter Peter Mauch und ergänzt, „mit dem Biotop und seiner Nähe zum Bachlauf haben wir einen idealen Standort gefunden“.

Laut dem Volksmund bringen Schwalben den Häusern, unter deren Dächern sie ihre Nester bauen, Glück und wehren Unheil ab. Darum ist es Kernens Gemeindevätern nicht gegangen. Die Rückgänge der Insektenpopulation, aber auch die teilweise fehlende Akzeptanz in der Bevölkerung, lassen die Sommerboten zu Sorgenkindern des Naturschutzes werden. Sie werden seltener. Künstliche Nisthilfen sollen die Bestände sichern. Das neue Schwalbenhaus ist speziell auf die Bedürfnisse der Mehlschwalbe abgestimmt.

Der kleine Schwalbentower steht am Rande von Stetten. Foto: Gemeinde Kernen
Sehr schnell werden die Nistplätze wohl nicht bezogen. Schwalben verbringen die kalte Jahreszeit in ihren Winterrevieren in Afrika, südlich der Sahara. Im April kommen sie zu uns zum Brüten, und im Oktober sammeln sie sich, um wieder gen Süden zu ziehen. Die diesjährige Schwalbensaison neigt sich also bereits dem Ende zu. Die Blicke richten sich auf die Besiedlung im Gartenschaujahr 2019. Um den Vögeln Kernens Schwalbenturm schmackhaft zu machen, sollen kleine Lautsprecher in unmittelbarer Nähe die kontaktfreudigen Vögel mit Schwalbengezwitscher locken. Mit etwas Glück führt dies bereits bei der Ankunft der Tiere zum Erfolg. Vielleicht gelingt der Plan auch erst, wenn die neugierigen Jungtiere bei ihren Erkundungsflügen auf die Nistmöglichkeit stoßen und später zu diesem Platz zurückkehren, was offenbar nicht ungewöhnlich ist.

Übrigens finden im „Schwalben-Tower“ nicht nur die Vögel passende Quartiere – an der Unterseite der Turmspitze ist auch an Fledermäuse gedacht.

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