Die Nilgans will zwar nur grasen, aber leider genau da, wo der Mensch Erholung sucht. (Symbolbild) Foto: dpa

Nilgänse grasen gern auf kurz gemähten Wiesen. Sie fühlen sich in Freibädern und Parks wohl. Das führt zu Konflikten. Eine wirkungsvolle Maßnahme, sie zu vertreiben, gibt es aber doch.

Stuttgart - Eigentlich hat der Konflikt der Menschen mit den Nilgänsen im Sommer Hochsaison. Dann nämlich, wenn die aus Afrika stammende Gans mit den hiesigen Sonnenanbetern um die Liegeflächen der Freibäder in der Stadt konkurriert. Doch in diesem Jahr beginnt der Ärger etwas früher, noch bevor Wasser und Luft warm genug sind: In den Parks ärgern sich die Spaziergänger mit Beginn der Freiluftsaison über die zunehmende Menge der Hinterlassenschaften der Vögel. Zudem sind die Tiere zurzeit auch aggressiv, wenn man ihnen zu nahe kommt: Sie ziehen ihren Nachwuchs auf, und verteidigen diesen – wie alle Eltern – mit all ihrer Kraft. Im Fall der Nilgans und anderer Wildgänse kann das mit Beißattacken enden. Das Gartenamt empfiehlt den Parkbesuchern daher, Abstand zu den kaum menschenscheuen Tieren zu halten.

Die Nilgans lässt sich nicht vertreiben

„Sie lassen sich nur schwer vertreiben“, sagt denn auch Renate Kübler vom Amt für Umweltschutz der Stadt Stuttgart. In der Fachsprache der Ornithologen heißt das: „Nilgänse haben eine hohe Störungsresistenz.“ Es soll sogar schon Versuche gegeben haben, mit Drohnen über Freibadwiesen zu kreisen, um die Nilgänse zu vergrämen – das habe diese aber wenig beeindruckt. Zumal die Sache wie alle anderen Versuche einen Haken hat: Wenn man die Nilgans stören und damit verscheuchen will, verjagt man automatisch auch andere Brutvögel. „Außerdem würde das die Badbesucher ja auch stören“, fügt Renate Kübler hinzu. Es gebe eine wirksame Möglichkeit, den Tieren das Brutgebiet madig zu machen: Die Gänse weiden gern auf kurzem Rasen. „Wenn man das Gras wachsen ließe, würden sie sich zurückziehen“, erläutert Renate Kübler. Das aber sei weder in den Parks noch in den Schwimmbädern eine Alternative, schließlich wolle der Mensch dort Liegewiesen vorfinden.

Jagen ist von September bis Januar erlaubt

Erlaubt wäre auch, die Nilgans zu jagen. Sie unterliegen dem Jagdrecht in Baden-Württemberg. Von Mitte Januar bis Ende August haben sie – wie auch Graugänse und Kanadagänse – Schonzeit. Dass Schießen sei jedoch weder in den Parks noch in den Bädern eine Alternative, erläutert Kübler.

Zurzeit watscheln schon einige Nilgansküken mit ihren Müttern durch die Grünanlagen. „Am Eckensee habe ich am Donnerstag welche gesehen, die waren schon ganz schön groß“, berichtet Kübler. Auch an den Seen im Mittleren und Unteren Schlossgarten sowie am Max-Eyth-See melden Spaziergänger zahlreiche Vögel.

Trotz ihrer schnellen Ausbreitung seien die aus Ost- und Zentralafrika stammenden Nilgänse aber aktuell kein Problem für die einheimischen Arten, das sagt Stefan Bosch vom Naturschutzbund (Nabu) Baden-Württemberg. „Natürlich besteht immer eine Konkurrenz um Nistplätze“, fügt er hinzu. Das habe aber nach Erkenntnissen der Vogelkundler noch nicht zu Verdrängungen geführt. Der Nabu beschäftige sich auch damit, wo die Gänse herkommen und wie sie sich hierzulande verbreitet haben. „Sie ist ein Gefangenschaftsflüchtling“, sagt Bosch. In den 1960er Jahren sei sie in den Niederlanden als Ziervogel beliebt gewesen, in Zoos und Parkanlagen sei sie dort gehalten worden. Auch die Briten hielten den großen Vogel in Grünanlagen. Von den Niederlanden aus breitete sich die Nilgans in den 1980er Jahren am Niederrhein in Deutschland aus, bevor sie die gesamte Republik sukzessive als Lebensraum eroberte. „Sie breitet sich entlang der großen Flussläufe aus, und von dort auch an den kleinen Nebenflüssen. Die beobachtete Verbreitung sei eine „sehr schnelle Arealausdehnung in kurzer Zeit“, sagt Stefan Bosch. 5000 bis 7500 Brutpaare sollen in Deutschland leben.

Die großen Vögel lieben die großen Städte

Die Nilgans mag dabei die Nähe zur Großstadt: In Heidelberg und Mannheim sowie in Stuttgart und im Mittleren Neckarraum fühle sie sich offenkundig sehr wohl. „Das Nahrungsangebot ist super und der Lebensraum mit den kurzen Wiesen in Parks und Freibädern sehr gut“, nennt der Fachmann die Gründe. Das kurz gemähte Gras mag die Gans, weil sie dort einen guten Überblick hat. Dabei muss sie hierzulande wenig Angst vor natürlichen Feinden haben. Umgekehrt werde sie allerdings aggressiv gegen gefiederte Eindringlinge in ihr Revier. „Eine Stockente kann da schon mal ihr Leben lassen“, sagt Bosch.

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