Eine Leserin berichtete uns, am Bärensee Nilgänse gesichtet zu haben. Die ursprünglich aus Afrika stammenden Tiere sind in Stuttgart keine Unbekannten. Foto: dpa

An dem See unterhalb des Bärenschlössle wurden Nilgänse gesichtet. Die sind zwar keine Seltenheit in Stuttgart, doch der Nabu ist von den tierischen Gästen aus Afrika wenig begeistert.

Büsnau/S-West - Einträchtig watscheln die beiden bräunlich-grauen Gänse nebeneinander her. So hat sie eine Leserin auf einer Wiese am Bärensee entdeckt und gleich ein Foto mit dem Handy aufgenommen. Die fremdartigen Gäste sind schnell als Nilgänse identifiziert – und so ungewöhnlich sind sie gar nicht, berichtet der Naturschutzbund (Nabu).

Die Nilgans ist in Stuttgart seit ein paar Jahren nichts Besonderes mehr und ist mehr oder weniger regelmäßig an fast allen Gewässern einzeln, paarweise oder in kleinen Gruppen anzutreffen“, erklärt Ulrich Tammler, Fachbeauftragter für Vogelkunde beim Nabu Stuttgart. Die Sichtung am Bärensee sei also nicht ungewöhnlich. Hauptaufenthaltsort sei der Max-Eyth-See. Es gebe sogar Paare, die an den Stuttgarter Seen brüten. „Die Vögel sind ganzjährig in der Stadt zu beobachten. Am Max-Eyth-See hat es schon Ansammlungen von bis zu 40 Tieren gegeben“, berichtet Tammler.

Nilgänse können sich aggressiv gegenüber anderen Vögeln verhalten

Der Vogelbeauftragte sieht die Ansiedlung der Wasservögel allerdings kritisch. „Leider sind wir als Naturschützer mit der Art nicht wirklich glücklich, da sie sich gegenüber anderen Wasservögeln recht aggressiv und dominant verhält und in der Brutplatzkonkurrenz andere Arten durchaus verdrängen kann“, sagt Tammler. Allerdings habe die Population in Mitteleuropa inzwischen eine Größe erreicht, die eine Eindämmung durch Jagd nahezu unmöglich mache. Denn die Nilgänse brüten hier so erfolgreich, dass die Lücken in der Population schnell wieder geschlossen werden können. „Insofern ist zu hoffen, dass hier bald ein Plateau der Population erreicht wird und keine nennenswerten Zuwächse mehr stattfinden“, sagt Tammler.

Die Nilgans stammt ursprünglich aus Afrika. Von dort wurde sie nach Europa importiert, vor allem nach Großbritannien und in die Niederlande, wo sie als Ziergeflügel gehalten und in Parks angesiedelt wurde. Von dort sind einige Vögel ausgebrochen oder ausgesetzt worden. „So konnten sich frei lebende und halbzahme Populationen bilden“, sagt Tammler. Die Nilgänse in Deutschland sind vermutlich aus den Niederlanden eingewandert und haben sich in den vergangenen 20 Jahren über große Teile des Landes ausgebreitet.

Die Gänse haben wenig Scheu vor den Menschen

„Die ursprüngliche Herkunft aus Gefangenschaft oder zumindest Haltung und Aufenthalt in unmittelbarer Nähe des Menschen führt auch zu der geringen Scheu der Vögel und eine gewisse Vorliebe für, beziehungsweise Konzentration in städtischen Lebensräumen“, erklärt Ulrich Tammler.

Mit dem Klima hat die Ausbreitung in Deutschland nach Ansicht des Vogelbeauftragten weniger zu tun, „wobei die größeren Überlebenschancen im milderen Winter vor allem in den Städten sicherlich auch förderlich sind“. Dazu komme die „ verbreitete Unsitte der Fütterung von Wasservögeln“ und die „Anpassung an den in Summe kälteren Lebensraum verglichen mit den afrikanischen Ursprungsgebieten“.

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