Claudia Buch, Vizepräsidentin der Bundesbank, hält es für möglich, dass weitere Banken Strafzinsen verlangen. Foto: dpa

Die deutschen Banken haben nach Ansicht der Notenbank zwar ihr Kapital gestärkt und verfügten jetzt über eine hohe Widerstandsfähigkeit. Bei der Bundesbank wird aber gewarnt: Nach wie vor hänge ihr Geschäftsmodell stark vom Zinseinkommen ab. Andere Geschäftsfelder müssten gestärkt werden, damit sich die Banken im Wettbewerb behaupten könnten.

Frankfurt - Die niedrigen Zinsen bereiten der Bundesbank immer mehr Sorgen. Vizepräsidentin Claudia Buch schließt offenbar nicht aus, dass weitere Banken Negativzinsen auf Einlagen verlangen könnten. Der Druck auf die Marge und damit die Gewinnspanne zwischen Einlage- und Kreditzins werde weiter steigen. Darauf müssten Banken und Sparkassen reagieren, sagte Buch am Dienstag bei der Vorstellung des Finanzstabilitätsberichts 2014. „Je länger die Phase niedriger Zinsen anhält, umso größer ist die Gefahr, dass es zu Übertreibungen in bestimmten Marktsegmenten kommt.“ Anleger könnten verstärkt zu große Risiken eingehen. Niedrige Zinsen könnten auch die Nachfrage nach Immobilienkrediten anheizen. Allerdings sieht Buch derzeit keine ­Blase auf dem Immobilienmarkt. In Großstädten gebe es aber vereinzelt Überbewertungen von 20 bis 25 Prozent.

In Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Köln, München und Stuttgart sind die Immobilienpreise seit 2008 um rund ein Drittel gestiegen, heißt es im Stabilitätsbericht. Preisrückgänge und höhere Ausfallraten könnten für Banken, gerade wenn Eigentumswohnungen und Häuser in diesen Städten vollfinanziert seien, zum Problem werden, warnt Buch. ­Allerdings sieht die Bundesbank noch keine Gefahr, weil das Wachstum bei Immobilienkrediten mit zwei Prozent pro Jahr momentan moderat ist. Auch die Standards bei der Kreditvergabe seien nicht gelockert worden. Die Bundesbank werde den Immobilienmarkt aber sehr genau beobachten und prüfen, ob gesetzliche Grundlagen erforderlich seien. Denkbar seien Kreditbegrenzungen oder zusätzliche Kapitalpuffer für die Banken.

Andererseits steigt der Druck auf die ­Erträge der Banken, wenn die Zinsen noch lange im Keller bleiben. „Höher verzinste Kredite laufen aus und müssten durch niedriger verzinste Kredite ersetzt werden“, sagt Bundesbank-Vorstandsmitglied Andreas Dombret. Da eine Senkung der Einlagenzinsen kaum noch möglich sei, könnten gerade ertragsschwache Institute erhöhte Risiken eingehen. Dies könnte bedeuten, dass Kredite an weniger solide Kunden vergeben werden – mit der Gefahr möglicher Ausfälle.

Mit gemischten Gefühlen betrachtet die Bundesbank den Markt bei Unternehmensanleihen. „Die Risikoaufschläge sind hier derzeit sehr gering“, sagte Buch. Sie würden nahe an den Tiefstwerten der Vorkrisenzeit liegen. „Die Risiken werden unterschätzt.“ Am Aktienmarkt sieht die Bundesbank keine eindeutigen Hinweise auf Überbewertungen.

Die deutschen Banken haben nach Ansicht der Notenbank zwar ihr Kapital gestärkt und verfügten jetzt über eine hohe Widerstandsfähigkeit. „Aber sie sollten sich nicht entspannt zurücklehnen“, sagt Dombret. Nach wie vor hänge ihr Geschäftsmodell stark vom Zinseinkommen ab. Andere Geschäftsfelder müssten gestärkt werden, damit sich die Banken im Wettbewerb behaupten könnten. Langfristig müssten die Institute, so Dombret, mehr verdienen, um bestehen zu können. Auch Fusionen sollten kein Tabu sein. Der Wettbewerb sei für Verbraucher und Unternehmen mit Blick auf günstige Kredite zwar von Vorteil. Aber „es kann uns mit Blick auf das öffentliche Interesse nicht kaltlassen, dass nur eine kleine Gruppe von Banken ihre Eigenkapitalkosten verdient“ und andere kaum Gewinne machten, mit denen sie ihr Eigenkapital und damit ihre Risikotragfähigkeit stärken könnten.

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