Eine geschlossene Bar in Eindhoven – so leer sieht es zur Zeit in vielen Lokalen aus. Manche Wirte sind der Pandemie überdrüssig geworden und widersetzen sich den Lockdown-Auflagen. Foto: AFP/ROB ENGELAAR

In Eindhoven hat ein Lokal trotz Verbot geöffnet – die Behörden drohen mit Schließung.

Den Haag - In den Niederlanden wächst der Widerstand gegen den harten Lockdown, den die Regierung seit dem 15. Dezember 2020 verhängt und jetzt sogar bis zum 8. Februar verlängert hat. Immer mehr Gastronomen leisten Widerstand, und der zivile Ungehorsam wächst. In Eindhoven öffnete das Grill-Restaurant ,,BBQ-Restaurant De Kiet’’ am vergangenen Sonntag seine Türen, obwohl der Lockdown für alle Restaurants in den Niederlanden gilt.

 

Die Eigentümer des Restaurants kündigten ihre Öffnung in den sozialen Medien mit einem Video vorab an und luden die Gäste ein, zum Essen zu kommen. Sogar ,,ohne Maske könnt ihr zu uns rein. Das ist kein Problem. „Wir wollen ein wenig leben“, heißt es in dem Video und so stand es auch auf einem Schild vor dem Restaurant geschrieben. In der Videobotschaft heißt es ferner: ,,Wir sind der Meinung, dass eine Politik ausgeführt wird, die es uns unmöglich macht, auf menschenwürdige Weise unser Geld zu verdienen. Die können wir nicht länger akzeptieren.‘‘ Die Einladung des Restaurants, zum Essen zu kommen, verhallte nicht ungehört. Zahlreiche Gäste kamen am Sonntag zum Essen ins ,,BBQ-Restaurant De Kiet’’. Das lokale Fernsehen ,,Omroep Brabant‘‘ filmte die speisenden Gäste. Die Polizei griff nicht ein. Die Gemeinde Eindhoven sprach allerdings eine Verwarnung aus. Sollte das Restaurant noch einmal gegen die Corona-Regeln verstoßen, dann werde es ,,auf unbestimmte Zeit‘‘ geschlossen.

Viele Lokale müssen für immer schließen

Der Unmut und die Verzweiflung unter den Gastronomen wächst. Einige haben bereits angekündigt und ihre Kollegen dazu aufgerufen, ab dem 17. Januar die Restaurants wieder zu öffnen. Es ist das Datum, an dem der harte Lockdown eigentlich hätte enden sollen. ,,Die Ersparnisse sind aufgebraucht. Wenn es nicht noch weitere Finanzhilfen für die Gastronomie seitens des Staates gibt, dann droht in der Branche ein Todes-Tsunami, ein Blutbad. Viele Wirte werden für immer schließen müssen,‘‘ sagt Dirk Beljaarts, Direktor des niederländischen Gastronomieverbandes ,,Koninklijke Horeca Nederland (KHN).‘‘

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Der Gastronomieverband fordert nun eine ,,hundertprozentige Vergütung für die Umsatzverluste in der Gastronomie.‘‘ Bisher waren es 75 Prozent. Wegen der Corona-Pandemie waren die Gastronomiebetriebe – mit Ausnahme der Hotels – in den Niederlanden schon vom 15. März bis 15. Juni geschlossen. Im Sommer durften sie wieder öffnen, ab Oktober mussten sie eingeschränkte Öffnungszeiten akzeptieren und seit dem 15. Dezember 2020 gilt der neue harte Lockdown. Für viele Wirte ist die Möglichkeit, Gerichte als ,,Take away‘‘ zum Abholen anzubieten, keine Option. Manche haben aus ihrem Restaurant einen Feinkostladen gemacht, um überleben zu können. Dort werden teilweise Fertiggerichte zum Mitnehmen angeboten. Allein in Den Haag mussten schon Dutzende Restaurants für immer schließen, darunter das berühmte indonesische Restaurant ,,Garoeda,‘‘ das mehr als 80 Jahre lang Spezialitäten aus dem indonesischen Archipel, der einstigen Kolonie der Niederlande, serviert hatte.

Auch das Lokal des Starkochs Jamie Oliver ist betroffen

Ebenfalls betroffen ist das erst kurz vor Ausbruch der Corona-Pandemie neu eröffnete Restaurant des britischen Starkochs Jamie Olivier. Und auch das italienische Restaurant der deutschen Gastronomiekette ,,Vapiano‘‘ im Herzen Den Haags musste schließen. Diese Lokale werden auch nach dem Ende des harten Lockdowns am 8. Februar keine Gäste mehr bewirten. Zu befürchten ist, dass noch weitere Gastronomiebetriebe die Pandemie nicht überleben werden.