Isabel Grupp-Kofler leitet gemeinsam mit ihrem Vater Johannes Grupp das Familienunternehmen Plastro Mayer in Trochtelfingen auf der Schwäbischen Alb. Foto: Sabina Radtke

Familienunternehmerin Isabel Grupp-Kofler erklärt, warum die 1000-Euro-Prämie von Anfang an der falsche Ansatz war – und welche Reformen die deutsche Wirtschaft jetzt dringend braucht.

Der sogenannte Krisenbonus, mit dem Arbeitgeber ihren Beschäftigten bis zu 1000 Euro steuer- und abgabenfrei hätten zahlen sollen, ist gescheitert. Der Bundesrat hatte dem Vorhaben der Bundesregierung am vergangenen Freitag die Zustimmung verweigert. Jetzt rechnet Familienunternehmerin Isabel Grupp-Kofler mit der Bundesregierung ab.

 

Bereits vor Scheitern der Prämie hatte die Nichte von Unternehmerlegende Wolfgang Grupp kritisiert: „Am Ende sollen die Unternehmen die Zeche für eine staatliche Entlastung zahlen.“ Nun fühlt sich die Firmenlenkerin bestätigt – und fordert „echte Entlastung“ für die Wirtschaft.

Grupp-Kofler fordert grundlegende Reformen

„Mein Kritikpunkt war nie die Entlastung von Beschäftigten. Sondern der Weg dorthin“, sagte Grupp-Kofler, die gemeinsam mit ihrem Vater Johannes Grupp das Familienunternehmen Plastro Mayer in Trochtelfingen auf der Schwäbischen Alb leitet, auf Anfrage unserer Redaktion.

Aus ihrer Sicht sei es der falsche Weg, ständig neue Erwartungen zu schaffen, wenn viele Unternehmen bereits jetzt an der Belastungsgrenze arbeiteten. „Hohe Energiepreise, steigende Lohnkosten, Bürokratie und eine schwache Wirtschaft treffen vor allem den Mittelstand massiv“, so Grupp-Kofler. Diese Faktoren würden die Betriebe unter erheblichen Druck setzen.

Der Bundesrat hat die Entlastungsprämie gestoppt. Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Die Signale, die sie aus den Unternehmen erhalte, sind eindeutig: „Vor allem der Wunsch nach Planbarkeit und Ehrlichkeit“, berichtet die Familienunternehmerin. Sie ist überzeugt, dass viele Betriebe ihren Mitarbeitern gute Löhne zahlen und Verantwortung übernehmen wollen. Doch dafür brauche es wirtschaftliche Spielräume. Die aktuelle Realität sei jedoch eine andere: „Viele Betriebe kämpfen gerade jeden Tag darum, wettbewerbsfähig zu bleiben.“

Grupp-Kofler fordert: „Wir brauchen weniger Abgaben“

Angesichts dieser Lage fordert Grupp-Kofler nun eine grundlegende Kehrtwende in der Wirtschaftspolitik. Eine Einkommensteuerreform würde ihren Forderungen entgegenkommen, aber nur, „wenn sie echte Entlastung bringt.“

Ihre Vision für die Zukunft ist klar umrissen: „Wir brauchen weniger Abgaben, mehr Leistungsanreize und wieder mehr Vertrauen in Wirtschaft und Unternehmertum. Nicht immer neue Umverteilungsdebatten, sondern bessere Rahmenbedingungen für Leistung und Wachstum.“

Mittelstand an der Belastungsgrenze

Die Rufe nach einer Einkommensteuerreform werden auch auf politischer Ebene lauter. So plädieren inzwischen auch Stimmen aus der Bundesregierung, wie SPD-Parlamentsgeschäftsführer Dirk Wiese, sowie hochrangige Ländervertreter wie der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (SPD), dafür, das Thema Prämie endgültig zu den Akten zu legen.

Stattdessen fordern sie, eine umfassende Einkommensteuerreform anzugehen, die vor allem kleine und mittlere Einkommen entlasten soll. Damit findet Isabel Grupp-Kofler mit ihrer Forderung nach einer nachhaltigen Politik, die den Mittelstand nicht zusätzlich belastet, nun breite Unterstützung.