Der Haalplatz, von Bäumen umgeben der Haalbrunnen, wird heute als Parkplatz genutzt. Rechts das im Bau befindliche Globe-Theater. Foto: Ufuk Arslan

Bürger sollen bei der Neugestaltung des historischen Geländes mitreden, doch die Vorgaben setzen dem Vorhaben enge Grenzen.

Schwäbisch Hall - Schwäbisch Halls historische Altstadt mit dem Marktplatz und der Großen Treppe zählt zu den schönsten Deutschlands. Der für die Geschichte der Stadt bedeutendste Platz, an dem einst die Haalquelle sprudelte, fristet jedoch ein trauriges Dasein – als innerstädtischer Parkplatz. Das soll sich nun ändern. Rat und Verwaltung sind entschlossen, dem Schandfleck am Kocherufer ein neues Gesicht zu verpassen, und haben die Weichen für einen Planungswettbewerb gestellt. Die Verwaltung mahnt mit Verweis auf Zuschüsse aus dem Bund-Länder-Städtebauförderprogramm zur Eile: Zwei Millionen Euro seien zu haben, falls mit dem Umbau bis zum Jahr 2020 begonnen werde.

Für die stolze Summe von mittlerweile rund neun Millionen Euro wächst unterdessen auf der gegenüberliegenden Kocherinsel, dem Unterwöhrd, ein gewaltiges Bauwerk in die Höhe. Das neue Globe-Theater, das den hölzernen Vorgängerbau ersetzen wird, soll im kommenden Frühjahr eröffnet werden. Der Beschluss für den Neubau fiel seinerzeit denkbar knapp im Gemeinderat. Die Bevölkerung wurde nicht gefragt, ein entsprechendes Bürgerbegehren abgeschmettert.

Der Zuspruch ist nicht überwältigend

Doch die Zeiten haben sich geändert – auch in Schwäbisch Hall. In einem „dialogischen Planungsprozess“ sollen die Hallerinnen und Haller bei der Neugestaltung des Haalplatzes und der Flächen rund um das Globe mitreden dürfen. Zwölf Bürgerinnen und Bürger, Anlieger sowie 16 Vertreter von Institutionen – Gemeinderat, Vereine, Jugend- und Bürgerforum – sollen in einem Arbeitskreis Ideen und Bedingungen für den Planungswettbewerb erarbeiten. Die Anforderungen an den Platz sind vielfältig: Er soll auch künftig als Parkplatz, für Feste und Gastronomie nutzbar sein. Die Haalmauer am Kocherufer, auf der die Haller gerne picknicken, und das Kocherufer sollen aufgewertet werden.

Bürgerbeteiligung will freilich geübt sein. Vor 80 Zuhörern präsentierten jüngst die Verantwortlichen rund um den Baubürgermeister Peter Klink das Konzept für den Planungsablauf. 25 Bewohner der rund 40 000-Einwohner-Stadt bewarben sich anschließend um einen der zwölf Bürgersitze, die Entscheidung fiel per Los. „Viele oder wenige, das ist relativ“, sagt Klink, „ich weiß nur: Es wäre falsch, das nicht zu machen.“ Wie falsch, macht die Wortmeldung eines Mannes bei der Präsentation deutlich. „Ist das Globe gesetzt, oder kann man das noch wegnehmen“, fragt einer, der sich wohl auch beim Theaterneubau mehr Bürgernähe gewünscht hätte.

Behutsame Umgestaltung eines historischen Platzes gefordert

Das Haller Bürgerforum hat sich schon länger mit dem Haalplatz beschäftigt und bewertet ihn als einen Ort, „der zu einem behutsamen Umgang auffordert“. Unter dem Gelände befinde sich eines der größten Bodendenkmäler des Landes, dort sei die historische Siedlungszelle, die Namensgebung und die wirtschaftliche Entwicklung der ehemaligen Reichsstadt an einem Ort vereint. „Es ist zudem der letzte unzerstörte Salinenplatz in Deutschland und gehört damit in die Gruppe der besonders schützenswerten Denkmäler, auch wenn er gerade nur ein Parkplatz ist.“

Guido Kühn, Bürgerforumsmitglied und Wahl-Haller, begrüßt zwar die Bürgerbeteiligung, bewertet die Vorgehensweise von Seiten der Stadt aber als ein „Ranbasteln der Berufenen, aber Unerfahrenen“. Der Mediendesigner fordert einen erweiterten Blickwinkel: „Will man über das Haal reden, dann muss man über die Stadt als solche reden.“ Er kritisiert, dass die engen Vorgaben des Gemeinderats – „der Haalplatz bleibt Parkplatz“ – einem Denkverbot gleichkämen: „Beteiligung findet hier eher auf der Detailebene statt“, sagt Kühn Als unwesentlichen Meinungsbeitrag verstanden, eigne sie sich allenfalls zur „bilateralen Farbabstimmung von Parkbänken“. Am 5. Juli wird sich zeigen, ob seine Prognose zutrifft: Dann werden die Ergebnisse des Arbeitskreises der Öffentlichkeit vorgestellt.

Der Haller Haalplatz

Zentrum
Der Haalplatz war vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert hinein das gewerbliche Zentrum der Stadt. Dort tritt die Haller Salzquelle aus, die den Reichtum der Stadt begründete.

Geschichte
Bis zum Jahr 1842 befanden sich auf dem Haalplatz die Hütten und Häuser der Haller Salzsieder. 1825 wurde der Siedebetrieb mangels Wirtschaftlichkeit eingestellt. Die Gebäude wurden abgerissen und das ursprünglich zum Kocher hin abschüssige Quartier zu einer ebenen Fläche aufgeschüttet.

Pläne
Anläufe, den Haalplatz umzugestalten, gab es immer wieder. Unter anderem machte das Ende der Nazi-Herrschaft Pläne aus dem Jahr 1941 zunichte, dort eine NSDAP-Kreiszentrale zu errichten.

Gegenwart
Der im Süden und Westen vom Kocher umschlossene Haalplatz erhebt sich nun mehrere Meter über das ursprüngliche Niveau. Heute dient er als innerstädtischer Parkplatz.

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