Tülay Schmid (links) und Edeltraud July. Foto: Peter-Michael Petsch

Edeltraud July und Tülay Schmid engagieren sich als Schirmherrinnen für das Müttergenesungswerk.

Stuttgart – Edeltraud July und Tülay Schmid setzen sich künftig als Schirmherrinnen für das Evangelische Müttergenesungswerk Württemberg ein. Am Donnerstag wurden sie in ihr neues Amt eingeführt.

Frau July, Frau Schmid, was bedeutet der Muttertag für Sie?
July: Ich freue mich, dass ich Mutter bin und eine gute Beziehung zu meinen Kindern habe – und sie zu mir. Ich erinnere mich gern an die kleinen Geschenke, die sie mir früher zum Muttertag machten, und ich freue mich, wenn sie heute zu Besuch kommen. Diesmal feiern wir gleichzeitig den Geburtstag eines Sohnes. Aber eigentlich habe ich kein besonderes Verhältnis zum Muttertag. Ich finde, jeder Tag sollte ein Muttertag sein.
Schmid: Bei uns ist der Muttertag ein Familientag. An diesem Tag gratulieren alle meiner Mutter, meiner Schwester und mir. Nach türkischem Brauch gratuliert man nicht nur der eigenen Mutter, sondern auch den Müttern im Verwandten- und Bekanntenkreis.

Sie haben vier Kinder, Frau July, Sie zwei, Frau Schmid. Was bedeuten Ihnen Kinder, was ­ war für Sie die schönste Situation, was war ­schwierig?
July: Ich habe Kinder gern, und wir haben unsere Kinder einfach bekommen. Das war keine bewusste Entscheidung, für mich sind sie ein Geschenk. Als unser viertes Kind zur Welt kam, waren mein Mann und die drei Geschwister im Krankenhaus, und sie haben das Neugeborene abwechselnd auf den Arm genommen. Es war sehr schön, die ganze Familie zusammen zu erleben. Schwierig fand ich als junge Mutter, wenn ein Kind krank war.
Schmid: Ich war lange Zeit alleinerziehend, und das war schon eine große Herausforderung. Denn es ging nicht nur darum, das Kind zu erziehen, sondern auch für das Einkommen zu sorgen und die eigene Zukunft zu gestalten. Den schönsten Moment als solchen gibt es nicht, würde ich sagen – es gibt jeden Tag viele schöne Momente in unserer Familie.

Was hat Sie dazu bewogen, als Schirm­herrinnen das Müttergenesungswerk zu ­unterstützen?
Schmid: Es gibt für Mütter zu wenige Orte, an denen sie Unterstützung finden und sich regenerieren können. Deshalb finde ich die Arbeit des Müttergenesungswerks sehr wertvoll und unterstützenswert. In meiner Zeit als alleinerziehende Mutter hätte ich ein solches Angebot gut gebrauchen können.

Würde das Müttergenesungswerk überflüssig, wenn die Erziehungsarbeit nicht überwiegend bei den Müttern läge?
July: Ich glaube, überflüssig würde es nicht so schnell. Die Erwartungen an die Mütter sind hoch, auch die eigenen, und das erfordert viel Kraft. Man möchte für das Kind da sein und soll oder will auch beruflich aktiv sein. Wie schwierig das ist, merke ich bei meinen Schwiegertöchtern. Ich springe immer wieder ein, weil die Öffnungszeiten der Kindertagesstätte nicht zu dem passen, was die Familie bräuchte. In diesem Bereich muss die Politik vieles nachholen.

Was sollte die Politik tun, um Familien zu unterstützen?
July: Ich sehe großen Bedarf beim Ausbau der Betreuung. Gleichzeitig sollten Frauen auch die Wahl haben, sich länger um ein Kind zu kümmern – die Belange der Wirtschaft dürfen nicht allein im Vordergrund stehen. Wenn Frauen Kinder haben und zu Hause bleiben, dann haben sie das Nachsehen. Geht eine Ehe in die Brüche, ist ihre Versorgung schlechter als früher. Ich selbst bejahe meine Lebensentscheidung ganz, aber jungen Frauen heute würde ich immer raten, auch ihrem Beruf nachzugehen.

Derzeit gibt es viel Streit um das geplante Betreuungsgeld für Mütter, die ihre Kleinkinder nicht in eine Betreuungseinrichtung schicken. Wie stehen Sie dazu?
July: Mich schockiert, dass bei diesem Thema Weltanschauungen aufeinanderprallen. Ich finde, dass Kindererziehungszeiten bei der Rente besser angerechnet werden müssten. Zudem sollte Müttern der Wiedereinstieg in den Beruf erleichtert werden.

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