Erst einmal nicht mehr für den DFB am Ball: VfB-Torhüter Alexander Nübel. Foto: imago/Robin Rudel

Die überraschende Ausbootung aus dem endgültigen EM-Kader ist eine herbe Enttäuschung für Alexander Nübel – auf Sicht stehen dem VfB-Torhüter aber alle Türen offen, kommentiert Sport-Autor Marco Seliger.

Jetzt also doch – entgegen seiner (eigentlich) verbindlichen Ankündigung, mit vier Torhütern in die EM gehen zu wollen, streicht Julian Nagelsmann einen Torwart aus dem endgültigen Aufgebot. Und es trifft: VfB-Keeper Alexander Nübel. Das ist zum einen eine herbe Enttäuschung für den Torwart selbst, der nach der Nominierung in den vorläufigen Kader und den Aussagen des Bundestrainers so große wie berechtigte Hoffnungen auf sein erstes großes Turnier hatte. Und auch der VfB, seine Verantwortlichen und die Fans sind sicher nicht erfreut über die Entscheidung. Denn nun wird aus dem Stuttgarter Quintett in der DFB-Elf nur noch ein Quartett beim Heimturnier.

 

Aber was heißt hier schon ‚nur‘? Denn jetzt kommen wir schon zu dem Punkt, der da für alle Beteiligten heißt: erste Traurigkeit beiseiteschieben und das Positive sehen. Denn erstens: Wer hätte es vor einem Jahr für möglich gehalten, dass vier VfB-Profis für die Nationalelf bei der EM dabei sein werden? Vier weiß-rote Jungs in Nagelsmanns Kader sind immer noch verdammt viel und Ausdruck einer famosen Stuttgarter Saison. Und, zweitens: Auch Nübel sollte die erste Enttäuschung schnell wegstecken und den Blick in die Zukunft richten – die eine rosige sein könnte. Denn zunächst steht die Champions League mit dem VfB an, und auf Sicht könnte der Keeper beim FC Bayern ja tatsächlich den großen Manuel Neuer beerben.

Das wiederum könnte so auch in der Nationalmannschaft passieren, dazu genügt neben dem Blick auf Nübels Qualitäten ein Check der Altersstruktur der deutschen Nationalkeeper. Neuer ist 38 Jahre alt, Marc-André ter Stegen 32 und die Nummer drei, Oliver Baumann, 34. Soll heißen: Alle Türen scheinen dem 27-jährigen Nübel aus mittelfristiger Sicht offen zu stehen. Auch wenn ihm der Bundestrainer jene zur Heim-EM jetzt vor der Nase zugeknallt hat – was vor dem Hintergrund seiner eigentlich fixen EM-Zusage an alle vier Torhüter im vorläufigen Aufgebot eine zumindest fragwürdige Entscheidung ist. Nagelsmanns unerwartete Rolle rückwärts kommt nun also recht seltsam und ungelenk daher, ebenso wie vorher die grundsätzliche Herangehensweise, sich ohne jede Not öffentlich sofort auf vier Torhüter bei der EM festzulegen.

Aber sei’s drum – es gibt noch einen Trost für Nübel, wenn auch ein schwacher: Er wäre bei der EM als Nummer vier ohnehin nicht zum Einsatz gekommen. Aber klar: Er hätte wertvolle Turniererfahrungen im Kreise der deutschen Mannschaft sammeln können. Jetzt geht es in den Urlaub für Nübel, um Kraft zu tanken – um sich dann in der neuen Saison im VfB-Tor gleich mal wieder für die nächste Nominierung für das Nationalteam empfehlen zu können.