Dream Theater 2014: James Myung (b), Marco Mangini (dr), James LaBrie (voc), Jordan Rudess (key) und John Petrucci (git). Foto: promo

Die New Yorker Prog-Metal-Band Dream Theater  spielt an diesem Donnerstag in Ludwigsburg– Ein Gespräch mit Sänger James LaBrie.

Die New Yorker Gruppe  Dream Theater verkörpert  die Quintessenz progressiver Rockmusik.  Nach dem Abgang des Gründungs-Drummers Mike Portnoy kehrt sie nun zurück auf die Bühne.
Stuttgart - Mr. LaBrie, Ihr aktuelles Album ist selbstbetitelt, auf dem Cover geht die Sonne auf . . .
Es ist ein Neustart, das ist die Metapher. Nachdem Mike Portnoy 2010 gegangen war, wollten wir mit dem Vorgängeralbum „A Dramatic Turn of Events“ beweisen, das wir noch die selbe Band waren und unsere Identität nicht verloren hatten. Das ist uns gelungen, nun konnten ein neuen Kapitel aufschlagen, uns auf uns selbst besinnen und wofür wir musikalisch stehen. Wir sind an dieses Album herangegangen, als wäre es unser allererstes.
Mike Portnoy hat die Band mitgeprägt. Hat er eine große Lücke hinterlassen?
Sein Abgang war unglücklich, keiner von uns vorhergesehen. Aber ganz ehrlich: Wir fühlen uns jetzt ausbalancierter, jeder hat jetzt seine Rolle, seinen Platz. Mike ist ein Typ, der das Rampenlicht sucht und Aufmerksamkeit auf sich zieht. Ich konnte neben ihm auf der Bühne nie ganz der klassische Frontmann sein, der ich jetzt bin. Wir fühlen uns viel mehr wie eine Einheit.
Hat sich das beim Schreiben des Albums niedergeschlagen?
Wir haben das Album tatsächlich zu viert geschrieben, das hat es lange nicht gegeben. Natürlich liefern John Petrucci und Jordan Rudess an Gitarre und Keyboards die meisten Grundideen, aber ich habe viel zu den Gesangsarrangements beigetragen und Bassist John Myung hat so viel eingebracht wie lange nicht. Wir wollten das als Einheit durchziehen, wieder gemeinsam die Verantwortung für die Band übernehmen. Da war uns über die Jahre etwas verloren gegangen.
Wie sind die Songs entstanden?
Wir haben gemeinsam mit Ideen jongliert, die uns bei Soundchecks auf Tour gekommen sind und die jeder für sich entwickelt hat. Da sitzen wir dann mit Smartphones und spielen einander Klangschnipsel vor. Die besten schreiben wir auf eine Tafel und geben ihnen Arbeitstitel. Die eigentliche Magie beginnt, wenn wir anfangen zu jammen und eine Idee die nächste befeuert.
Wie ist das, mit einem anderen Schlagzeuger zu spielen?
Viele glauben, das müsse doch ganz anders und schwierig sein. Aber Mike Mangini hat es uns leicht gemacht, es war ein nahtloser Übergang, ganz ungezwungen. Schon bei seinem ersten Vorspielen fühlten wir uns so, als könnten wir direkt auf die Bühne gehen. Natürlich ist es anders, er ist ja ein anderer Schlagzeuger, aber es fühlt sich richtig an.
Sie sind von Virtuosen umgeben, auf dem aktuellen Album sind zwei hoch komplexe Instrumental-Stücke und eine Art Rockoper – müssen Sie um Ihre Gesangsparts kämpfen?
Überhaupt nicht. Ich bin mit Rush und Yes großgeworden und habe mich immer ­gefreut, wenn sie auf ihren Alben Instrumentalstücke ­hatten. Die waren von Anfang an auch ein wichtiger Teil von Dream Theater, durch sie bekommt die Band eine ganz andere Dimension. Deswegen steht die „False Awakening Suite“, die fast wie ein Film-Soundtrack klingt, auch am Anfang des ­Albums. In der Mitte bricht dann mit „The Enigma Machine“ über die Hörer ­herein. Ich bekomme genug Raum bei gesangsbetonten Stücken wie „The Bigger Picture“.
Fast alle Texte stammen von Gitarrist John Petrucci – wie eigenen Sie sich die an?
Ich lese sie gründlich und schaue, ob und wie sie mich bewegen. Dann gehe ich zu John und sage: Erklär mir kurz und möglichst ­exakt, was du mit diesem Text sagen möchtest! Das lasse ich dann sacken, verknüpfe es mit eigenen Emotionen und lasse es reifen, bis ich ganz genau weiß, was ich ausdrücken möchte. Es muss aus dem Herzen und aus der Seele kommen, sonst klingt es mechanisch und die Hörer spüren, dass da jemand nicht hinter dem steht, was er singt.
In den 1990er Jahren haben sie stellenweise sehr hoch gesungen. Können Sie diese Tonlagen live noch bewältigen?
Da gibt es nichts zu leugnen: Das ältere ­Material ist sehr fordernd für mich, weil ich mich stimmlich damals in der verdammten Stratosphäre bewegt habe. Wir spielen ­immer ­alte Sachen, weil unsere Fans sie lieben, aber wir müssen das gut ausbalancieren. Songs wie „Learning to Live“ mit extrem hohen Gesangspassagen kann ich nicht bei jedem Konzert bringen, da bin ich heute realistischer als früher. Ich glaube nicht mehr, mir und den Fans etwas beweisen zu müssen. Entscheidend ist: Wenn ich etwas singe, dann soll es auch gut klingen.

Dream Theater spielen an diesem Donnerstag um 20 Uhr in der MHP-Arena in Ludwigsburg. Karten im Netz unter: www.musiccircus.de

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