E-Autos sind zunehmend gefragt – nicht zuletzt wegen der Kaufprämien. Foto: dpa/Sebastian Kahnert

Während der Absatz von Verbrennern massiv einbricht, sind E-Autos gefragt wie nie. In Deutschland war im Oktober jeder sechste Neuwagen entweder ein Elektroauto oder ein Plug-in-Hybrid, in den größten fünf Märkten in Europa jeder neunte neu zugelassene Pkw.

Stuttgart - Die Zweite Pandemie-Welle würgt den Aufschwung auf dem Neuwagenmarkt ab. Der Neuwagenabsatz ist EU-weit im Oktober deutlich gesunken – ein noch deutlich stärkerer Rückgang wird im November erwartet. Allerdings ist der Marktanteil elektrifizierter Antriebe auf ein neues Rekordhoch gestiegen, heißt es in einer Analyse der Unternehmensberatung EY.

 

Die Nachfrage nach elektrifizierten Neuwagen sei – nicht zuletzt dank der großzügigen staatlichen Unterstützung – in den vergangenen Monaten geradezu explodiert. „Die Hersteller können die Nachfrage kaum bedienen“, sagt EY-Autoexperte Peter Fuß. Die Lieferzeiten seien zum Teil extrem lang.

Insgesamt klettere der Absatz reiner Elektroautos in den Top-5-Märkten in Europa (Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien) im Vergleich zum Vorjahresmonat um 227 Prozent – der Absatz hat sich damit mehr als verdreifacht. Die höchsten Zuwachsraten gab es in Deutschland (plus 365 Prozent) und Italien (plus 205 Prozent). Bei Plug-in-Hybriden war das Wachstum noch stärker: plus 256 Prozent in den fünf Märkten.

Die Top 10 Elektroautos im Oktober in Deutschland

Die höchsten Marktanteile erzielten reine Elektroautos im Oktober in Deutschland mit 8,4 Prozent, bei Plug-in-Hybriden erreichte der Marktanteil 9,1 Prozent. Die Liste der Top 10 Elektroautos im Oktober im Inland führt der Renault Zoe mit 5010 Neuzulassungen an, gefolgt vom VW ID.3 (2647) und dem Hyundai Kona. Auf Platz vier folgt der Smart Fortwo. Die weiteren Plätze fünf bis zehn entfallen auf den VW Golf, den BMW I3, den VW Up, den Audi E-Tron, den Opel Corsa und den Mini mit 710 Neuzulassungen.

Der aktuelle Elektroboom wird nach Einschätzung von Experte Fuß anhalten, denn die staatliche Unterstützung beim Kauf von E-Autos und Plug-in-Hybriden kurble die Nachfrage an. Gerade erst wurden beim Autogipfel weitere Kaufanreize für Elektroautos bis 2025 beschlossen.

Während elektrifizierte Antriebe boomen, gerät der Verbrenner massiv unter Druck. Im Oktober sank der Absatz von Neuwagen mit Benzinmotor in den Top-5-Märkten um 30 Prozent, die Zahl der neu zugelassenen Neuwagen mit Dieselmotor sank „nur“ um 19 Prozent, womit sich der Trend der Vormonate fortsetzte. Reine Verbrenner kamen im Oktober auf einen gemeinsamen Marktanteil von 69 Prozent – nach 87 Prozent im Vorjahresmonat.

Autobranche muss sich auf harten Winter einstellen

Die Autobranche müsse sich auf schwierige Monate einstellen, so Fuß. Im Oktober sank der Neuwagenabsatz EU-weit um acht Prozent, im bisherigen Jahresverlauf gingen die Pkw-Neuzulassungen damit um 27 Prozent zurück. Steigende Infektionszahlen, erste Einschränkungen in vielen Ländern und eine zunehmende Verunsicherung von Verbrauchern seien die Gründe dafür.

Die Perspektive, dass wirksame Impfstoffe schon im Frühjahr verfügbar sein könnten, sei ein Lichtblick am Horizont – bis zu einer echten Normalisierung der Situation würden aber noch etliche Monate vergehen. „Sicher ist, dass sich die Autobranche auf einen ganz harten Winter einstellen muss, bevor es ab kommenden Frühjahr wieder aufwärts gehen kann“, prognostiziert der Autoexperte.