Der Augsburger Kapitän Ermedin Demirovic wechselt zum VfB Stuttgart. Foto: dpa/Harry Langer

Der VfB Stuttgart stößt für seinen Wunschstürmer Ermedin Demirovic in völlig neue Dimensionen vor. Doch wer ist der Neuzugang eigentlich?

Bei den Fans des VfB Stuttgart war Ermedin Demirovic schon lange vor seiner Verpflichtung überaus beliebt. Sie feierten den 26-jährigen gebürtigen Hamburger seit dem 16. Spieltag der Vorsaison ab. „In meiner Karriere wurde ich noch nie so hergespielt. Auch nicht von den Bayern. Deswegen . . . Respekt an die. Chapeau. Wirklich! Ich hoffe, die gehen den Weg so weiter“, gab der Kapitän des FC Augsburg nach der 0:3-Niederlage der Fuggerstädter in Stuttgart zu Protokoll. Für den VfB war der Erfolg damals ein Statement-Sieg. Mit 34 Punkten ging es in die Winterpause – und das Video der Demirovic-Aussage wurde direkt danach zum viralen Hit im Netz.

 

Zukünftig arbeitet der Stürmer nun im VfB-Trikot selbst daran, dass noch möglichst viele Videoclips von ihm zum Klickhit werden. Die Voraussetzungen dafür sind gut. Für vier Jahre hat er unterschrieben, übernimmt die Trikotnummer von Serhou Guirassy und soll nun mit seinen Toren und Vorlagen dem VfB dabei helfen, eine gute Rolle auf den drei Hochzeiten zu spielen, auf denen der Club nun vorerst tanzt. Denn satte 25 Scorerpunkte (15 Tore, zehn Vorlagen) erzielte der Nationalspieler Bosnien-Herzegowinas immerhin in der vergangenen Saison Saison.

Ein alles andere als geradliniger Weg

Dass es überhaupt so weit kommen konnte, war dabei lange nicht klar. Denn Demirovics Weg zum Profifußballer verlief alles andere als geradlinig. Im Gegenteil. Er stand vielfach auf der Kippe. Nachdem er zehn Jahre lang den Nachwuchs des Hamburger Sportvereins durchlaufen hatte, ging es dort nicht weiter. Er wechselte in den Nachwuchs von RB Leipzig, schaffte aber auch dort den Durchbruch nicht. „Zu klein, zu schwer, zu langsam. Irgendwas war immer. Aber ich wollte unbedingt Fußballer werden. Ich bin durch alle Höhen und Tiefen gegangen. Habe mehr gearbeitet als andere, um es zu packen“, blickt Demirovic im Sky-Format „Meine Geschichte“ auf die damalige Zeit zurück.

Er wagt mit 18 Jahren den Schritt ins Ausland. Zu Deportivo Alaves nach Spanien. Dort landet er auf dem Abstellgleis, muss in der zweiten Mannschaft um Einsatzzeiten kämpfen. Er lässt sich zum FC Sochaux nach Frankreich verleihen, doch auch dort geht es nicht weiter. Zurück nach Spanien, die Karriere in der Sackgasse. Schlaflose Nächte. „Ich hatte viele Gespräche mit meinen Eltern. Die haben versucht mich aufzubauen und mussten dann irgendwann nach Spanien kommen, weil es mir nicht gut ging. Ich wollte eigentlich nur noch nach Hause, der Traum vom Profifußball war mir nicht mehr wichtig.“

Er war kurz davor, aufzugeben. Die enge Beziehung zu seinen Eltern, die in Hamburg einst eine Modeboutique betrieben haben, hilft, diese Zeit zu überstehen. Ein Wechsel auf Leihbasis zum FC St. Gallen in die Ostschweiz war der letzte Versuch, es doch noch zu packen. Und es gelingt. Unter Peter Zeidler, früher Trainer bei den Stuttgarter Kickers und dem VfB, aktuell beim VfL Bochum unter Vertrag, schafft er den Durchbruch. In 28 Spielen gelingen Demirovic 21 Scorerpunkte, er trifft dabei 14-mal ins Schwarze. Und findet einen Freund in Leonidas Stergiou, der damals ebenfalls in St. Gallen durchstartet – die beiden, die jetzt beim VfB wieder Mannschaftskollegen werden, sind bis heute dicke Kumpels.

Demirovic gelingt Durchbruch in St. Gallen

„Ich musste mich immer durchbeißen. Meine ganze Laufbahn über war es immer schwierig. Alle haben immer gesagt, der packt es nicht“, bilanziert Demirovic. Doch er kommt nach oben. „Ich bin wie ein Boxer, musste mir immer alles hart erkämpfen. Aber ich bin nie k. o. gegangen“, sagt der Angreifer. Christian Streich holt ihn nach Deutschland zum SC Freiburg, durch einen Stürmer-Tausch – die Breisgauer holen Michael Gregoritsch vom FCA, Demirovic wechselt dafür zum FCA – dort schafft er es bis zum Kapitän und Topscorer der Fuggerstädter.

Seine Trainer schätzen an ihm seine Körperlichkeit und Torgefahr, aber vor allem auch das Kämpferherz. Demirovic ist einer, der vorangeht, der eine Mannschaft führen kann. Der auch dahin geht, wo es einmal weh tun kann. Mit viel Gefühl im rechten Fuß und einem ausgeprägtem Kopfballspiel. Wie sein großes Vorbild Edin Dzeko. Der Altstar seines Heimatlandes Bosnien-Herzegowina ist wie ein großer Bruder für den neuen VfB-Stürmer. Die beiden Angreifer halten Kontakt.

Ob sich der neue VfB-Stürmer vor seiner Wechsel-Entscheidung den Rat von Dzeko eingeholt hat, ist nicht überliefert. Aber sicher ist, dass für Demirovic ein Kindheitstraum in Erfüllung geht. „Ich würde gern einmal Champions League spielen. Jeder Junge, der mit Fußball beginnt, will das. Diesen Traum möchte ich mir noch erfüllen“, gab der Angreifer erst in diesem März zu Protokoll.

Scheint, als könne er ihn bald von seiner Wunschliste streichen.