Kreative Wirte drängen ins Leonhardsviertel, das sich ohne Bordelle grundlegend verändern soll. Max Benzing (Studio Amore), Hans Helferich (Fridas Pier) und Johannes Paulus (Jigger & Spoon) wollen mit zwei Bars frischen Wind in die Altstadt bringen.
Im Leonhardsviertel haben nun drei Wirte zusammengefunden, die bereits an brummenden Orten der Stadt bewiesen haben, dass sie von Gastronomie was verstehen – also wissen, wie man Leute anlockt: Max Benzing (Chef der Pop-up-Bar Studio Amore, die im Sommer das Schlossgartenhotel verlassen muss), Hans Helferich (Fridas Pier) und Johannes Paulus (Mitgründer von Jigger & Spoon) sind ein Geschäftstrio, das an der Aufwertung der Altstadt mit kreativen Ideen mitwirken will – und das nicht nur nachts. Sie wollen das Viertel auch schon tagsüber beleben.
Der Stuttgarter Gemeinderat hat nach langen Diskussionen und hitzigem Streit einen neuen Bebauungsplan erlassen, der Bordelle und Wettbüros in dem Viertel, das nach der Leonhardskirche benannt ist, künftig verbietet. Noch ist völlig unklar, ob und wann sich dieser Beschluss juristisch durchsetzen lässt. Doch am Ziel, das Quartier künftig tagsüber zu beleben und abends noch mehr zu einer hippen Ausgehmeile zu machen, wird bereits eifrig gearbeitet.
Wirte glauben an die Zukunft des als problematisch eingestuften Viertels
Dass stadtbekannte Wirte – Yusuf Oksaz etwa übernimmt die frühere Schwulenkneipe Goldener Heinrich – in die Altstadt drängen, zeigt, dass sie an die Zukunft eines oft als problematisch eingestuften Viertels glauben. Das Trio Benzing, Helferich und Paulus hat die Lido-Bar und die Puf-Bar an der Leonhardstraße von den bisherigen Nebenerwerbswirten Florian Roller und Robin Giesinger übernommen, die sich wieder mehr um ihre Hauptberufe kümmern wollen.
Die Lido-Bar wird ihren Namen behalten – sie ist aber künftig deutlich größer. Sogenannte „Verrichtungszimmer“, wie Behörden Räume nennen, in denen sexuelle Dienstleistungen angeboten werden, sind in dem früheren Erotik-Betrieb von Grund auf saniert und umgebaut worden. Die Arbeiten stehen kurz vor dem Abschluss. Der hintere Bereich der Lido-Bar kann künftig für private Veranstaltungen gemietet werden. Die drei Szene-Wirte investieren viel und werden damit zu Förderern eines schöneren Leonhardsviertels, weg vom Schmuddel.
Die Puf-Bar am anderen Ende der Leonhardstraße (gegenüber vom Siegle-Haus) ist quasi das Entree der Altstadt. Für diese Location, die künftig bereits mittags als Café öffnet (mittwochs bis sonntags), haben die drei Betreiber einen neuen Namen ausgewählt. Der Gag, eine Cocktailbar nahe der Laufhäuser Puff zu nennen, wenn auch nur mit einem f, zündet nicht mehr so. Der neue Name lautet: Kado. Das Wort ist japanisch und bedeutet: an der Ecke – und genau dort befindet sich die Location, die ebenfalls umgebaut und verschönert werden soll.
Geöffnet ist die Lido-Bar künftig von Donnerstag bis Samstag von 20 bis 3 Uhr, am Sonntag tagsüber. Die Kado-Bar geht von Mittwoch bis Sonntag immer mittags bis spätnachts an den Start.