Heike Scharmann macht als Spiele-Entwicklerin teils auch bei den Spielen mit. Foto: Erlebnislabor

Heike Scharmann verlässt das Klassenzimmer und setzt auf Spannung und Rätselspaß: Die Lehrerin und Ehefrau des Oberbürgermeisters aus Weinstadt gestaltet Escape Games und Krimidinner.

Spannende Kriminalfälle, finstere Verliese und geniale Verstecke: Escape-Spiele erfreuen sich großer Beliebtheit. Ob als Brettspiel für Zuhause, als gebuchter Escape-Room oder als Outdoor-Abenteuer, das Prinzip ist immer ähnlich: Die Spieler rätseln sich von Code zu Code, um am Ende einem Schurken das Handwerk zu legen oder aus einer Gefangenschaft zu kommen.

 

Solche Spiele zu entwickeln, ist jede Menge Arbeit. Heike Scharmann aus Weinstadt (Rems-Murr-Kreis) hat nun genau darin ihre Bestimmung gefunden. Die 50-Jährige ist bisher nicht nur als Lehrerin bekannt (sie hat 20 Jahre lang an der Grundschule im Teilort Schnait unterrichtet), sondern auch als Gattin von Michael Scharmann, seines Zeichens Oberbürgermeister in Weinstadt.

Die Ideen des Erlebnislabors wurden auf der CMT ausgezeichnet. Foto: Erlebnislabor

Vor fast genau einem Jahr wagte sie nun den Absprung aus dem Beamtenverhältnis in die Selbstständigkeit und bereut es in keinster Weise. „Ich habe meinen Beruf zwar sehr geliebt, gerade die Arbeit mit Menschen. Aber nach 20 Jahren hatte ich das Gefühl, dass es Zeit für etwas Neues ist“, sagt Scharmann.

„Remsis Escape-Abenteuer“: Auszeichnung als Tourismusheldin

Schon neben ihrem früheren Beruf hatte Scharmann begonnen, Outdoor-Escapespiele zu entwickeln. Während der Coronazeit, als im Remstal die interkommunale Landesgartenschau stattfand, erdachte sie „Remsis Escape-Abenteuer“. Die Spiele gibt es auch heute noch, lange nach Ende der Gartenschau. Zu den bestehenden fünf lokalen Ablegern sollen sogar bald zwei weitere hinzukommen. Auf der Tourismusmesse CMT bekam Scharmann für die Remsi-Abenteuer eine Auszeichnung als „Tourismusheldin“.

Seit Januar 2025 setzt die Weinstädterin voll und ganz auf ihr Erlebnislabor, wie sie ihr Kleinunternehmen getauft hat. „In der heutigen, digitalisierten Zeit finde ich, fehlen den Menschen oft Gemeinsamkeit und echte Erlebnisse“, sagt sie. Und genau das will sie ihren Kunden bieten, mit Escape-Spielen, Krimidinnern und – quasi als Überbleibsel aus ihrer Zeit als Kunstlehrerin – auch mit Töpferkursen. Erst im Januar hat sie für all dies ihre zweite CMT-Auszeichnung entgegengenommen.

Vielfältige Abenteuer im Remstal: Escape-Spiele und Krimidinner

Im Portfolio hat das Erlebnislabor derzeit insgesamt sechs Escape-Spiele für verschiedene Zielgruppen. Es gibt auch ein Krimidinner im Strümpfelbacher Weingut Wilhelm, bei dem die zehn Teilnehmer Rollen zugewiesen bekommen. Die Teilnehmer müssen, je nach Szenario, eine geheimnisvolle Glocke zum Klingen bringen, das Rätsel um ein geheimes Labor lüften, einen Mordfall lösen, einen verrückten bösen Wissenschaftler aufhalten oder einer Gruppe Elfen deren Zauberstäbe wiederbeschaffen. Verbindendes Element ist dabei das Remstal sowie der Wein und die Kulinarik von dort – auch dank Kooperationspartern wie dem Weingut Wilhelm, dem Naturfreundehaus sowie der Almütte in Strümpfelbach.

Eines der Escape-Spiele ist als Escape-Room in der Almhütte ausgelegt, die meisten finden aber im Freien statt. Wer diese bucht, bekommt zunächst einen Code zu einem Tresor – darin befindet sich ein Rucksack mit der Anleitung sowie verschlossenen Kästchen oder Säckchen. Das Ziel ist es, unterwegs nach und nach die Rätsel zu lösen, Codes für die verschiedenen Schlösser zu erhalten und die Geschichte zu Ende zu bringen. „Die Strecken sind barrierefrei, aber rund dreieinhalb Kilometer lang“, sagt Scharmann.

Bevor die zahlende Kundschaft in eines der komplexen Abenteuer geschickt wird, muss dieses natürlich auf Herz und Nieren getestet werden – durch Probeläufe mit Menschen aus Scharmanns Freundes- und Bekanntenkreis. Sind die Rätsel zu leicht oder zu schwer? Sind die Hinweise verständlich? Wissen die Teilnehmer, welche Aufgaben sie zu erledigen haben? „Ich gehe mit einem Spiel erst an den Start, wenn wirklich alles passt“, sagt Scharmann.

„Unerwartete Herausforderungen und kreative Lösungen“

„Oft merkt man als Entwickler Dinge, mit denen man gar nicht gerechnet hatte. Etwa, dass man einen Hinweis dazuschreiben sollte, wenn nötig die Lesebrille mitzunehmen“. Beim Krimidinner ist Scharmann als Spielleiterin auch mit dabei, um den Abenteurern und Ermittlern vielleicht den ein oder anderen Tipp zu geben. Auch für externe Auftraggeber wie einen Alpakahof in Murrhardt und einen Pferdehof in Bad Urach hat sie schon Escapespiele entwickelt.

Mit ihrem Einfallsreichtum ist die 50-Jährige noch lange nicht am Ende. „Ich habe ständig neue Ideen und bin immer auf der Suche nach weiteren Kooperationspartnern“, sagt sie. Ein Escapespiel in einem alten Weinkeller wäre zum Beispiel etwas, das sie reizen würde – man darf also gespannt sein, welche Abenteuer das Erlebnislabor noch aushecken wird.

Erlebnislabor

Angebote
Die verschiedenen Escape- und Rätselspiele richten sich je nach Szenario an Erwachsene, Jugendliche oder Kinder. Abhängig vom gebuchten Abenteuer kostet die Teilnahme für eine Gruppe von sechs Personen zwischen 74 und 145 Euro, pro weiterem Teilnehmer kommen 10 Euro hinzu. Das Krimidinner kostet pro Person 65 Euro.

Webseite
Mehr Infos zu den Angeboten finden sich im Netz unter www.erlebnislabor.de