Elisabeth Schüder ist aus ihrem Haus in ein Appartement umgezogen. Foto: factum/Weise

Abschiede sind oft auch ein Neuanfang: Elisabeth Schüder ist aus einem großen Haus in ein Pflegeheim in Ditzingen umgezogen, nach einem bösen Sturz auf einer Treppe. Die 90-jährige Dame ist ganz zufrieden und hadert nicht.

Ditzingen - Nein, die alte Dame mit dem weißen Haar und dem freundlichen Lächeln wollte nicht ausziehen aus ihrem schönen Haus in Ditzingen-Hirschlanden im Kreis Ludwigsburg, das sie vor über 40 Jahren zusammen mit ihrem Mann gekauft hatte. Jedenfalls noch nicht, obwohl ihr Mann mittlerweile gestorben ist. Doch dann ist Elisabeth Schüder in dem Haus böse auf der Treppe gestürzt. Sie konnte sich ins Freie schleppen und die Nachbarn rufen. Der Rettungsdienst brachte sie in ein Krankenhaus. Dort erklärte ihr der Arzt: „Sie haben Glück im Unglück gehabt, kein Trümmerbruch des Beckenknochens.“ Keine Operation.

Die neunzigjährige Frau, der man ihr hohes Alter nicht sofort ansieht, sitzt in ihrem neuen Heim und erzählt von dem Tag im Juli dieses Jahres, der ihr Leben arg verändert hat. Nach dem Sturz zunächst der Klinikaufenthalt, anschließend in die Rehabilitation – und dann? Ja, was dann? Die ältere ihrer beiden Töchter habe gefragt, ob sich die Mutter wohl vorstellen könnte, in ein Pflegeheim zu ziehen. „Ich habe überlegt – und Ja gesagt.“ Ja zum Neustart ein paar Straßen von daheim.

Elisabeth Schüder kannte den Guldenhof von der Reihe „Essen für Alleinstehende“. Und dann hat sie sich verabschiedet von ihrem Haus mit den sieben Zimmern und dem schönen Garten, der so viel Arbeit gemacht hat. Richtig schwer gefallen sei ihr die Entscheidung nicht, sagt die alte Dame, die in der Pfalz geboren und aufgewachsen ist. Und sie schaut ganz zufrieden aus, wie sie da sitzt in ihrem schmucken Appartement mit Blick in Richtung Park.

„Ich stelle mich den Tatschsachen“

Seit Mitte November lebt Elisabeth Schüder in ihrer neuen Zweizimmerwohnung. Sie hat es sich gemütlich gemacht, hat eigene Möbel mitgenommen. Zum Beispiel den dunklen Holzschrank im Schlafzimmer. Im Flur hängt ein Ölgemälde, auf dem die drei Kaiserberge Hohenstaufen, Rechberg und Stuifen zu sehen sind. Ein Erbstück ihres Schwiegervaters. Darunter steht ein Stuhl, auf dem anno dazumal oft ihre Urgroßmutter, Jahrgang 1847, gesessen habe. Ein Erinnerungsstück an Elisabeth Schüders Kindheit in Bad Bergzabern bei Landau.

Ihr Haus in Hirschlanden, das demnächst verkauft werden soll, sei doch viel zu groß für sie allein, sagt Elisabeth Schüder. „Ich stelle mich den Tatschsachen, nicht den Wunschträumen.“ In ihrem neuen Appartement lebt die alte Dame weitgehend selbstständig.

Vom Essensservice im Haus habe sie sich schnell abgemeldet, sie kocht nun wieder täglich. „Ich habe aber Hilfe auf Knopfdruck“, betont sie. In brenzligen Situationen könnte die Bewohnerin des Guldenhofs schnell einen Pfleger rufen. Abends und am Morgen schaut täglich ein Mitarbeiter vorbei und bringt ihr die Medikamente gegen den Bluthochdruck. Das sei auch gut so, denn „mein Kurzzeitgedächtnis lässt mich im Stich“.

Mit einem Kleinbus zum Einkaufen

Sie sei Realistin, keine Tagträumerin. Das sagt Frau Schüder an diesem Nachmittag immer wieder. Und das war vermutlich schon immer so. Sie hat nach der Schule – lange her – keine Ausbildung gemacht, sondern ist eingestiegen in das elterliche Elektrogeschäft. Wegen ihres Mannes ist sie in den 1950er-Jahren nach Schwaben gezogen, hat in dessen Geschäft mitgearbeitet und zwei Töchter großgezogen. Zunächst hat die Familie in Gerlingen gewohnt, 1973 dann der Umzug nach Hirschlanden. In dem Ort, sagt Elisabeth Schüder, „kenne ich viele Leute“.

Gelegentlich fahre sie mit einen Kleinbus des Guldenhofs zum Einkaufen, mitunter hole sie eine Bekannte ab. Und oft sitzt Elisabeth Schüder in ihrem Wohnzimmer und hört Musik, am liebsten Beethoven oder Brahms. „Ich fühle mich richtig wohl in der neuen Wohnung“, sagt sie, „nur die Küche ist ein bisschen zu eng“.

Tages-, Kurzzeit- und Dauerpflege sowie Pflegewohnen

Guldenhof
Das Pflegezentrum Ditzingen Haus Guldenhof wurde auf dem Grundstück eines einstigen Gutshofs errichtet – daher der Name – und ist ein Tochterunternehmen Heidehof-Stiftung. Angeboten werden Tages-, Kurzzeitpflege und Dauerpflege sowie betreutes Pflegewohnen. Im Haus werden ältere, vorwiegend pflegebedürftige Menschen betreut. Es gibt eine Cafeteria und einen Menü-Service.

Kosten
Elisabeth Schüder lebt in einer Pflegewohnung. Diese Wohnungen kosten 9,70 Euro Kaltmiete je Quadratmeter. In diese Pflegewohnungen ziehen Personen ein, „die sich noch selbst versorgen können“, sagt die Heimleiterin Sigrid Hessler. Sollte Frau Schüder pflegebedürftig werden, dann müsse nicht umziehen. Womöglich wären die Kosten aber höher als ein Platz im Pflegeheim.

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