Bunte frühlingshafte Deko-Farben: Das Leo-Center stimmt auf die kommenden Osterfeiertage ein. Foto: Simon Granville

Axel Diewald, der ECE-Bereichsleiter Südwest, will das Leo-Center wieder auf Kurs bringen. Er ist vom Standort Leonberg überzeugt. Schon bald sollen neue Läden und Gastro-Betriebe in das Einkaufszentrum einziehen.

Theoretisch, so jedenfalls verspricht es die Information auf der Homepage, ist das Leo-Center montags bis samstags von 10 Uhr bis 20 Uhr geöffnet. Die Realität sieht etwas anders aus. Wer nach Feierabend noch Besorgungen im Leonberger Einkaufszentrum machen möchte, muss sich sputen. Nicht alle Mieter halten sich an die gewünschten Öffnungszeiten des Center-Managements und sorgen damit in den Abendstunden für dunkle Ladenpassagen, die kaum mehr zum Bummeln einladen.

 

Manche Läden schließen bereits um 18.30 Uhr, manche – darunter auch Karstadt - lassen um 19 Uhr den Rollladen runter. Nur 60 Prozent der Mieter, so bestätigt es Axel Diewald, seien derzeit bis 20 Uhr für die Kunden da. „Ich möchte, dass das komplette Center wieder zuverlässige Öffnungszeiten bis 20 Uhr hat“, sagt der ECE-Bereichsleiter Südwest, der unter anderem auch die Shoppingcenter in Stuttgart (Milaneo und Königsbau Passagen), Karlsruhe oder Frankfurt betreut. „Wir können aus Wettbewerbsgründen nicht auf eine Schließungszeit um 19 Uhr gehen.“

In den künftigen Ankermieter wird große Hoffnung gesetzt

Ein weiteres sichtbares Problem sind nach wie vor die zahlreichen Leerstände. Center-Managerin Nadine Fensterer hatte im November des vergangenen Jahres 68 Mieter, aber insgesamt 17 freie Flächen gezählt. Diese Situation gefällt Axel Diewald keineswegs, doch ist er positiv gestimmt, „weil wir im Hintergrund viele Gespräche mit potenziellen Mietern führen und alles dafür tun, um das Center wieder auf Vordermann zu bringen“.

Ein großer und wichtiger Schritt in diese Richtung sei die kürzliche Vertragsunterzeichnung mit dem künftigen Ankermieter, dem Textileinzelhändler New Yorker mit Stammsitz in Braunschweig. Dieser wird eine Fläche von mehr als 1000 Quadratmetern beanspruchen und will Ende des Jahres beziehungsweise Anfang 2025 einziehen. „Er kommt ins Obergeschoss, wohin genau, können wir noch nicht sagen, weil wir hierfür Ladenflächen umorganisieren müssen und mit den betreffenden Mietern noch in Verhandlungen sind.“ Axel Diewald, seit etwa 30 Jahren bei der ECE beschäftigt, glaubt trotz der derzeit nicht einfachen Zeiten nach wie vor an die Zukunft des Einzelhandels und auch an die Zukunft der Gastronomie. „Bei den Umsätzen stehen wir wieder da, wo wir im Jahr 2019 standen.“

Nur die Unterschrift fehlt noch

Positives kann der Bereichsleiter nun auch in Sachen Gastronomie verkünden. Im vergangenen Jahr waren im Leo-Center über Nacht plötzlich drei Cafés geschlossen worden. Angeordnet hatte dies das Leonberger Ordnungsamt, weil der Betreiber der drei Lokale keine Konzession mehr hatte, aber sein Gewerbe dennoch weiterlaufen ließ. Auf Grund eines Insolvenzverfahrens waren dem Center-Management die Hände gebunden. „Jetzt können wir Gas geben, weil wir wieder Zugriff auf die Flächen im ersten Obergeschoss haben“, sagt Diewald, der mit zwei möglichen Gastronomen „mehr oder weniger einig ist. Nur die Unterschrift fehlt noch, daher darf ich zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Details nennen“.

Die Fläche im Erdgeschoss bei der Rolltreppe gegenüber dem neuen Metzger ist bereits an das Franchise-Partnerunternehmen von Coffreez vermietet. Allerdings stehen hier die Kunden noch immer vor einer Wand, warten vergeblich auf kalte und warme Getränke sowie auf die versprochenen Crêpes. „Der Mieter hätte längst einziehen müssen, hat es aus unerklärlichen Gründen noch nicht getan“, sagt Diewald, der in dieser Sache nun ein klärendes Gespräch führen wird.

Apropos Gespräche. „Die Verhandlungen, die man führen muss, benötigen viel Energie“, sagt Diewald. Ein Grund für die Komplexität sei unter anderem die unklare Situation des insolventen Warenhauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof. Karstadt beansprucht in Leonberg immerhin ein Drittel der gesamten Ladenfläche im Leo-Center. „Wir hoffen natürlich, dass Karstadt wieder funktionieren wird“, sagt Diewald. Dann hätte der Warenhauskonzern allerdings auch eine Auflage seitens des Centers, in die Ladenfläche zu investieren. Parallel entwickelt ECE Konzepte, wie es im Falle einer Karstadt-Insolvenz mit der Fläche weitergehen kann.

Wird Karstadt im Center geschlossen?

Bis zu diesem Freitag konnten Kaufangebote für den insolventen Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof abgegeben werden. Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus hatte schon vor einigen Wochen davon gesprochen, dass es Anfragen von potenziellen Käufern gegeben hatte. Unklar ist, wie viele von den insgesamt 92 Filialen erhalten werden können. 60 sollen laut dem Galeria-Chef Olivier van den Bossche derzeit profitabel sein. Durch drei Insolvenzverfahren hatte sich der Konzern in der Vergangenheit schon kämpfen müssen. Denkhaus ließ anklingen, dass auch in diesem Verfahren mit Filialschließungen zu rechnen sei. Diese würden auch von den Verhandlungen mit den Vermietern abhängen – im Leonberger Fall ist das der ECE-Konzern.